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Rusalka
»In the beginning there was a river. The river became a road and the road branched out to the whole world. And because the road was once a river it was always hungry. In that land of beginnings spirits mingled with the unborn. We could assume numerous forms. Many of us were birds. We knew no boundaries. ... [...] Being born was a shock from which I never recovered.«
Ben Okri. The Famished Road. London 1991.


Rusalka wird zunächst als ein Wassergeist eingeführt, wie es ihn u. a. in der slawischen Mythologie gibt. Sie möchte ein Mensch sein, weil sie den »Prinzen« an den Ufern des Wassers gesehen hat – und um ihre Liebe zu leben, müsste sie ein »Mensch« sein. Im »Lied an den Mond« klingt die Verlorenheit eines Menschen an, der sich nicht »Mensch« nennen darf. Warum sie ausgerechnet das wünsche, fragt Jezibaba, die als »Hexe« figuriert und weiß, wie eine solche Verwandlung zu bewerkstelligen ist. – Ist »Mensch« nur ein Pseudonym? Rusalka darf als Mensch nicht sprechen, sie ist zur Stummheit verurteilt. Und obwohl der Prinz Gefallen an ihr gefunden hatte, wird ihm die stumme Rusalka fremder von Stunde zu Stunde. Die »fremde Fürstin« tritt auf den Plan und gewinnt ihn für sich. – Dann erhält Rusalka wieder »ihre Stimme«. Müsste eine Liebe, sofern sie zwischen dem Prinzen und Rusalka Wirklichkeit würde, tödlich sein? Oder lassen sich »Regeln« in einer Sprache der Liebe neu buchstabieren und leben?

Was weiß denn ich vom Menschenleben? … Konnte mich nie darein verweben. … Wo andre nehmen, andre geben, / Blieb ich beiseit, im Innern stummgeboren. … Mein Leben zu erleben wie ein Buch, / Das man zur Hälfte noch nicht und halb nicht mehr begreift … So klingt es bei Hugo von Hofmannsthal 1893, wenn ein Leben in jungen Jahren schon gelebt scheint: »Im Innern stummgeboren«, weil das Leben schon von so vielen Menschen gelebt worden ist, alle Bücher darüber geschrieben sind und das »eigene« Leben als ein Zombie zwischen den vergilbten Seiten vergangener Jahrhunderte umhergeistert.

Dem Prinzen in Antonín Dvořáks »Rusalka« (1901) ist vielleicht ein Augenblick vergönnt, in dem eine Sprache ein Weg sein kann, weil sie, wie in einem ungeschriebenen und unausgesprochenen »Märchen«, die Stummheit nicht ausschließt.

Premiere
15/11/19

Großes Haus
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Musikalische Leitung Stefan Vladar
Inszenierung/Ausstattung Otto Katzameier
Choreographie Carola Tautz
Licht Falk Hampel
Chor Jan-Michael Krüger
Dramaturgie Carsten Jenß