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Die tote Stadt
»Brügge und ich, wir sind eins.
Wir beten Schönstes an: Vergangenheit.«
Wie besessen ist Paul von der Erinnerung an seine tote Frau Marie. Rund um eine Flechte ihres Haares und ihre Laute hat er in seiner Wohnung einen liebevoll gepflegten Tempel der Erinnerung errichtet. Die »tote Stadt« Brügge, die ebenfalls ganz von ihrer Vergangenheit zehrt, tut ihr Übriges, jeden neuen Lebensimpuls von ihm fernzuhalten, bis eines Tages eine Operntruppe für ein Gastspiel mit Meyerbeers Oper »Robert le diable« ankommt, deren Tänzerin Marietta Pauls toter Frau erstaunlich ähnelt. Den Warnungen seines Freundes Frank zum Trotz vermischen sich Marie und Marietta in Pauls Wahrnehmung; er macht Marietta, die auch anderen Männern gefällt, zu seiner Geliebten und verfolgt sie mit blindwütiger Eifersucht. Sie wagt den Kampf mit dem Erinnerungsbild Maries. Immer stärkeren Reizungen sind Pauls Nerven ausgesetzt, bis er Wirklichkeit und Vision nicht mehr zu unterscheiden vermag und Marietta in seiner Fantasie tötet. Dieser Höhepunkt der Krise bringt ihm die Heilung. Er trennt sich von seinen Erinnerungen und macht sich bereit für ein neues Leben.

Gleich nach dem großen Erfolg seiner Einakter »Violanta« und »Der Ring des Polykrates« begann Korngold mit der Arbeit an einer abendfüllenden Oper nach der Bühnenversion des Romans »Bruges-la-Morte« von Georges Rodenbach, einem Kulttext des Fin de siecle. Als Librettist fungierte, nachdem der Textautor der »Violanta«, Hans Müller, die Aufgabe abgegeben hatte, Korngolds Vater unter dem Pseudonym Paul Schott, einer Kombination aus dem Namen der Hauptfigur und dem Verlag, in dem das Werk erscheinen sollte. Wichtigster Eingriff bei der Umarbeitung zur Oper war die positive Wendung des Schlusses. Als Korngold 1920 Giacomo Puccini aus der Partitur vorspielte, bezeichnete der den gerade 23-jährigen Komponisten als »die stärkste Hoffnung der neuen deutschen Musik«. Und tatsächlich geriet auch die Uraufführung, die zugleich in Hamburg und Köln stattfand, zu einem großen Erfolg.

Ein besonderer dramaturgisch-musikalischer Kunstgriff ist innerhalb der süffigen, spätromantischen Textur des Werkes die Einbeziehung musikalischer Zitate aus dem Meyerbeerschen »Robert le diable«. Marietta mimt beim Spiel im Spiel die verführerische Helena, ihrerseits eine auferweckte Tote. Die Doppelung von Realität und Fantasie findet so eine weitere Spiegelung, die in der kompositorischen Sprache der schwarzen Romantik Meyerbeers auch musikalischen Niederschlag findet.


Premiere
05/04/13

Großes Haus
Die nächsten Termine
So
02/06/13
18.00 Uhr
Großes Haus

Sa
15/06/13
19.30 Uhr
Großes Haus

Dauer ca. 2 Stunden, 25 Minuten (eine Pause)

Musikalische Leitung Brian Schembri
Inszenierung Dieter Kaegi
Ausstattung Bruno Schwengl