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The Fairy Queen
»Dieser grüne Fleck soll unser Theater sein, diese Weißdornhecke unsre Kammer zum Anziehen, und wir wollen's in Aktion vorstellen, wie wir's vor dem Herzoge vorstellen wollen.«
In der Welt der Feen ist alles möglich und nichts undenkbar. Magie, List und Täuschung, grausame Streiche und folgenreiche Zaubereien verwirren die Sinne, so dass am Schluss nur eines klar ist: Es lebe die Liebe, die dauerhafte. Bis zu dieser Erkenntnis aber ist ein langer Weg zurückzulegen. Da streiten die Feenkönigin Titania und ihr Mann Oberon in wahrhaft kindischer Manier und mit allen Mitteln der Feenkunst. Da versuchen junge Liebespaare ihre wahren Leidenschaften statt der Vorstellungen ihrer Altvorderen zu verwirklichen. Da werden Dramen aufgeführt, Zaubersäfte versprüht, Menschen in Tiere verwandelt und bisweilen sogar die Schwerkraft überwunden. Zwischendurch necken freche Elfen betrunkene Dichter und lassen sie im heilsamen Schlaf ihren Rausch loswerden.

Shakespeares »Sommernachtstraum« aus den Jahren 1595/96 ist wohl die berühmteste Komödie über alle Varianten des Liebens, Verliebens, Entliebens und Wieder-Liebens. Eine zusätzliche Dimension des Wunderbaren verlieh ihr der englische Komponist Henry Purcell etwa hundert Jahre später, indem er sie in der für seine Zeit typischen Form der Semi-Oper durch musikalische Szenen bereicherte. Das Ergebnis ist ein großes Barockspektakel der vereinigten Künste, eine Mischform, wie sie in der Phase der englischen Restauration und noch der Glorious Revolution Ende des 17. Jahrhunderts von der Londoner Gesellschaft am meisten geschätzt wurde.

Leicht bearbeitet und gekürzt, bietet Shakespeares Komödie das dramatische Gerüst, an dem sich Purcells Kompositionen als musikalische Einlagen – nach der Tradition der englischen Maskenspiele (Masques) – festmachen. Dabei nutzt Henry Purcell alle musikalischen Formen seiner Zeit von eingängigen Balladen, raffinierter Consortmusik, Tänzen, Chören bis hin zu italienisch inspirierter Vokalmusik. Aber auch der Einsatz illusionsschaffender Bühnenmaschinerie spielte eine gewichtige Rolle bei der großen Wirkung des Stückes.

Nicht umsonst galt Purcell noch weit über seine Zeit hinaus als der englische Komponist schlechthin. Georg Friedrich Händel schätzte ihn sehr; mit dem Ehrennamen »Orpheus Britannicus« ausgezeichnet, diente der wahrscheinlich 1659 geborene Sohn eines Sängers noch namhaften englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts als Vorbild, so etwa Benjamin Britten oder Peter Maxwell Davies.

Im heutigen Spielbetrieb der Opernhäuser am weitesten verbreitet ist »Dido and Aeneas«, die einzige durchkomponierte Oper aus seiner Feder. Seine größten Triumphe aber erzielte er ursprünglich mit seinen Semi-Opern, zunächst »Dioclesian« (1690) und »King Arthur« (1691). 1692 uraufgeführt, wurde »The Fairy Queen« so erfolgreich, dass das Stück in der darauffolgenden Saison gleich wiederaufgenommen wurde – und so teuer, dass die Einnahmen der zusätzlichen Vorstellungen dringend nötig waren. Für die zweite Vorstellungsserie nahm Purcell weitere Änderungen vor. So stammt etwa die wirkungsvolle Szene der betrunkenen Poeten aus der modifizierten, heute gebräuchlichen Version. Bald nach Purcells frühem Tod 1695 ging die Partitur von »The Fairy Queen« verloren und wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt. In den letzten Jahrzehnten erfreut sich das Stück wachsender Beliebtheit auf den Opernbühnen sowie in den Aufnahmestudios. Nahm man dabei anfangs noch mitunter Anstoß an dem auf den ersten Blick nur lose wirkenden Zusammenhang zwischen dem Shakespeareschen Text und der hinzukomponierten Musik, so zeigte die zunehmende Beschäftigung in Wissenschaft und Praxis, dass die assoziativen Verknüpfungen sehr bewusst gesetzt, stark und wirkungsvoll sind. So wird in der Lübecker Spielfassung, anders als in vielen Bühnenversionen, die sich ganz auf die musikalischen Teile konzentrieren, die ursprüngliche Kombination von Schauspiel, Musik und Bewegung realisiert.


Foto © Olaf Malzahn


Wiederaufnahme
04/10/15

Großes Haus
Dauer ca. 3 Stunden (eine Pause)

Musikalische Leitung Andreas Wolf
Inszenierung Tom Ryser
Ausstattung Stefan Rieckhoff
Choreographie Lillian Stillwell
Chor Joseph Feigl
Dramaturgie Dr. Katharina Kost-Tolmein / Nele Winter