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Szenen einer Ehe

»Nach ›Herbstsonate‹ (2007, Theater Lübeck) und ›Treulose‹ (2013, Staatstheater Braunschweig) übersetzt Anna Bergmann zum dritten Mal ein sensibilisierendes Feel-bad-movie des peniblen Ultraschallkünstlers für Seelenschmerzen, Ingmar Bergman, ins Theater: ›Szenen einer Ehe‹ werden gespielt, einer modernen, also nicht nur scheiternden, sondern auch geschiedenen Ehe. Der Weg dahin führt durch die Hölle. Lebenslügen müssen aus den Körpern geradezu herausgeprügelt werden. [...] Die Reise zweier Menschen hinter die Kulissen ihre Beziehung inszeniert Bergmann als Reise durchs Theater - ein exklusives Erlebnis für jeweils 40 Zuschauer, die den Stationendrama-Weg mitzugehen haben. Jenseits der Romantik Andreas Hutzel erweist sich darin als Idealbesetzung. [...] Atemberaubend psychologischer Realismus. Nicht mit, nicht ohne einander können: Die Hassliebe muss ausgefochten werden beim Streit um die Scheidungspapiere. Im ›Landschaftszimmer‹ dann einsturzbedrohlich gedellte Decke, gepflasterte Risse, Schimmelspuren, Wasserflecken auf Wandgemälden, bröckelnder Putz: Tolles Ambiente für eine ins derb Komische überdrehte Kampfchoreografie für Splatter-Freunde. Aber ist dies Zerfleischungstheater die letzte Warnung vor oder Abrechnung mit der Institution Ehe? Aufklärung, Therapieversuch? Nein, einfach intelligent nur ein gekonnter Jux, ein nicht nur für Lübecker Verhältnisse außergewöhnlich gelungenes, herrlich verspieltes Experiment. Mit einem Epilog in Doku-Soap-Manier. Im Hochzeitskleid hockt Marianne wieder im Bett, der Ex-Göttergatte tändelt als Superstar lässig herein. Da sie sich nun von ihren Frauenrollenklischees emanzipiert, von den traditionellen Zwängen der Ehe entfernt, von Johan befreit hat, können beide jetzt etwas miteinander anfangen. Darauf einen fetten Happyend-Kuss. So viel Zuneigung - siegt über so viel Wut, Verachtung, Behauptungswille bei den Veteranen des Rosenkriegs. Das ist grell komisch: ernst gemeint.«

(nachtkritik) 

 

 

 

»Das Theater Lübeck [zeigt], dass seine Kunst der des Kinos überlegen sein kann. Und das auch noch mit einem originären Filmstoff. Das gelingt, wenn sich die Bühne auf ihre Unmittelbarkeit besinnt: Dazu braucht es keine technische Maschinerie, sondern nur eine mutige Regie und verwegene Darsteller. Beides konnte man bei der Premiere von ›Szenen einer Ehe‹ erleben. [...]. Das Publikum schaut jetzt hautnah dem Leben, Lieben und Streiten des Paares zu. [...]. Wie die Marianne der Sina Kießling diese Brüskierung und Zerstörung der gemeinsamen Biografie erleidet, ist eine der ganz starken Szenen der Inszenierung. Man fühlt die Katastrophe als Zuschauer selbst. [...]. Dann der dramatische Höhepunkt. [...]. Das Theater ist das viel drastischer als jeder Film. [...]. Dass das Theater parallel zu den Einblicken in verwundete Seelen auch Einblicke in seine Eingeweide gibt, ist ein schöner Nebeneffekt dieses Abends. Ein weiterer: Wenn man nach dem Hutzel-Kießling-Parforceritt noch einmal Szenen aus Bergmanns 163 Minuten dauernden Kinofilm ansieht, kommen einem die damals hoch gelobten Darsteller Liv Ullmann und Erland Josephson leblos vor. Der Beifall der Zuschauer, deren Zahl auch wegen der Prozession durchs Haus begrenzt ist, war bei der Premiere so überwältigend wie das Spiel der beiden Schauspieler.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Sie [die Zuschauer] erleben quasi hautnah, wie Sina Kießling und Andreas Hutzel sich als Ehepaar Marianne und Johan lieben, streiten, schlagen und vertragen. Der intime Blick auf die Verwerfungen in einer Paarbeziehung wird mit dem Blick hinter die Kulissen des Theaters verbunden, das filmische Mittel der Nahaufnahme auf die Bühne übersetzt und die Zuschauer aus ihrer passiv konsumierenden Haltung gerissen . Ein veritabler Regiecoup. Die beiden Schauspieler haben dabei Ungeheures zu leisten, ihnen wird in den mehr als zwei Stunden körperlich wie mental Extremes abverlangt. [...] Doch es braucht schon Darsteller mit rückhaltloser Einsatzbereitschaft und versiertem Können wie Sina Kießling und Andreas Hutzel, um sie im Theater so irritierend gefühlsecht aufführen zu können. [...] Mit der Premiere während der Nordischen Filmtage, die mit riesigem Applaus aufgenommen wurde, hat das Theater Lübeck eine Reihe eröffnet.«

(Kieler Nachrichten)

 

 

 

»Die Zuschauer sind auf Trab, folgen Anna Bergmann zweieinhalb Stunden zu den von ihr markierten Stationen, dazwischen sich die Akteure Sina Kießling und Andreas Hutzel in Windeseile umziehen, umschminken, die Tonart wechseln. Es ist reines Bewegungstheater, hautnah, realistisch bis zu stöhnendem Kopulieren und einer Gewaltorgie (von einem Spezialisten einstudiert), [...]. Im Spannungsfeld von Liebe und Hass fliegen die Fetzen zwischen Sina Kießling und Andreas Hutzel, die die Spielarten des Zusammen- und Auseinanderlebens bis zur Selbstaufgabe beherrschen. Sie ziehen alle Register der Mimik und Bewegung, [...] mit einer Intensität, die die immer wieder angesprochenen Betrachter einmal anrührt, ein andermal ihnen die Kehle zuschnürt. [...]. Das Premierenpublikum applaudierte der Regisseurin, ihrem aufwändigen Kraftakt und den furiosen Akteuren heftig.«

(GüZ/Lübecker Stadtzeitung)

 

 

 

»Mehr als 40 Jahre sind vergangen, seit die Ehegeschichte von Marianne und Johan Europa fesselte. In Lübeck hat sie nichts an Kraft verloren. Das wortwörtlich bewegte Publikum bekommt auf seinen Wanderungen durch die Eingeweide des Hauses die Zeit für Reflexionen geschenkt, die ihm bei gewöhnlichen Stücken verwehrt bleiben. [...]. Kießling und Hutzel bauen eine faszinierende Spannung auf - und halten sie. Eine grandiose Paarleistung und eine packende Inszenierung.«

(shz)