1. Sinfoniekonzert

Darius Milhaud (1892–1974)
»Le bœuf sur le toit« op. 58a
Dmitri Kabalewski (1904–1987)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 77
Witold Lutosławski (1913–1994)
Konzert für Orchester
Wie in der bildenden Kunst so vollzog sich auch in der Musik des 20. Jahrhunderts eine Wendung hin zur Abstraktion: Die moderne Lebenswirklichkeit wurde dargestellt, indem auf Einzelheiten verzichtet wurde – sprichwörtlich abstrahiert, damit Allgemeingültiges zum Vorschein kommt. Auch die Pantomime abstrahiert etwas – nämlich Sprache. Das dürfte Darius Milhaud inspiriert haben, als er danach suchte, wie die Hörerfahrungen seiner Brasilien-Reise kompositorisch zu verarbeiten wären. Jean Cocteau, Spritus rector des Pariser Zirkels »Les Six«, schrieb ihm ein Szenarium dazu: ein surrealistisches Spiel in einer »Do-Nothing-Bar«. Rondoartig komponierte Milhaud eine Fantasie über brasilianische Lieder. Auch den Titel übernahm er von ihnen: »Der Ochse auf dem Dach«. Das Publikum der 20er Jahre war begeistert, der Kritik aber galt der Komponist lange Zeit als Musik-Clown.
Dmitri Kabalewski konnte und wollte sich solche Freiheit sicher nicht erlauben: Er lebte in der Sowjetunion und verschrieb sich dem »sozialistischen Realismus«, einem ästhetischen Stilpostulat, das heute wenig Aussagekraft besitzt. Kabalewskis Musik ist vital, versprüht Optimismus und verleugnet nicht den Einfluss Prokofjews. Auch sein 2. Cellokonzert, 1964 komponiert, besitzt neoklassischen Charakter mit einem kantabel-spielerischen Grundgestus.
Auf Klassisches bezogen ist auch die Musik des Polen Witold Lutosławski, der die wechselvollen Jahre seines Lebens stets in Warschau verbrachte. Hier nahm er viele Einflüsse auf, wovon sein populärstes Werk, das Konzert für Orchester, zeugt: Titel und Werkkonzeption sind eine Hommage an den Ungarn Béla Bartók. Auch spiegelt sich sein Anspruch, Universelles in Musik zu formulieren. Lutosławski griff auf klassische Satzprinzipien wie Toccata oder Passacaglia zurück, getreu seiner Überzeugung, dass Musik nicht programmatisch sein könne: »Ich war stets Befürworter der abstrakten Auffassung der Musik. Musik drückt durch sich allein keinerlei nichtmusikalische Inhalte eindeutig aus. Musik ist Musik!«
Mit freundlicher Unterstützung der Orchesterfreunde Lübeck e.V.
»Le bœuf sur le toit« op. 58a
Dmitri Kabalewski (1904–1987)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 77
Witold Lutosławski (1913–1994)
Konzert für Orchester
Wie in der bildenden Kunst so vollzog sich auch in der Musik des 20. Jahrhunderts eine Wendung hin zur Abstraktion: Die moderne Lebenswirklichkeit wurde dargestellt, indem auf Einzelheiten verzichtet wurde – sprichwörtlich abstrahiert, damit Allgemeingültiges zum Vorschein kommt. Auch die Pantomime abstrahiert etwas – nämlich Sprache. Das dürfte Darius Milhaud inspiriert haben, als er danach suchte, wie die Hörerfahrungen seiner Brasilien-Reise kompositorisch zu verarbeiten wären. Jean Cocteau, Spritus rector des Pariser Zirkels »Les Six«, schrieb ihm ein Szenarium dazu: ein surrealistisches Spiel in einer »Do-Nothing-Bar«. Rondoartig komponierte Milhaud eine Fantasie über brasilianische Lieder. Auch den Titel übernahm er von ihnen: »Der Ochse auf dem Dach«. Das Publikum der 20er Jahre war begeistert, der Kritik aber galt der Komponist lange Zeit als Musik-Clown.
Dmitri Kabalewski konnte und wollte sich solche Freiheit sicher nicht erlauben: Er lebte in der Sowjetunion und verschrieb sich dem »sozialistischen Realismus«, einem ästhetischen Stilpostulat, das heute wenig Aussagekraft besitzt. Kabalewskis Musik ist vital, versprüht Optimismus und verleugnet nicht den Einfluss Prokofjews. Auch sein 2. Cellokonzert, 1964 komponiert, besitzt neoklassischen Charakter mit einem kantabel-spielerischen Grundgestus.
Auf Klassisches bezogen ist auch die Musik des Polen Witold Lutosławski, der die wechselvollen Jahre seines Lebens stets in Warschau verbrachte. Hier nahm er viele Einflüsse auf, wovon sein populärstes Werk, das Konzert für Orchester, zeugt: Titel und Werkkonzeption sind eine Hommage an den Ungarn Béla Bartók. Auch spiegelt sich sein Anspruch, Universelles in Musik zu formulieren. Lutosławski griff auf klassische Satzprinzipien wie Toccata oder Passacaglia zurück, getreu seiner Überzeugung, dass Musik nicht programmatisch sein könne: »Ich war stets Befürworter der abstrakten Auffassung der Musik. Musik drückt durch sich allein keinerlei nichtmusikalische Inhalte eindeutig aus. Musik ist Musik!«
Mit freundlicher Unterstützung der Orchesterfreunde Lübeck e.V.
Konzert
Dirigent Roman Brogli-Sacher
Violoncello Mario Brunello
Violoncello Mario Brunello



















