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»Es geht schon gleich gut los. Scheinbar chaotisch, unorganisiert startet die Inszenierung. Ein Schauspieler, der Erzähler der Stücks, läuft hektisch quer über die Bühne. [...] Dann beginnt die Show [...]. Und seine Logik ist grausam, brutal, gnadenlos. Caligula dreht sich seine Sicht der Dinge, seine Philosophie so zurecht, wie es ihm passt. Er verhöhnt, terrorisiert seine Untergebenen und mordet. [...] Tatsächlich ist das Stück durchtränkt von philosophischen Gedanken. Es ist also vermeintlich schwere Kost, die die Regisseurin aber locker-leicht umgesetzt hat. Es bleibt verständlich und unterhaltsam. Es ist eine Show, in der Zuschauer und Kollegen hinter der Bühne mit einbezogen werden. [...] Die Lübecker Inszenierung von ›Caligula‹ ist raffiniert gemacht. Sie ist skurril, aber auch brutal und sie lässt den Zuschauer nachdenken. Über sich und die Welt.«

(NDR 1 Welle Nord)

 

 

 

»Regisseurin Mirja Biel ist auch ihre eigene Bühnenbildnerin. Sie hat eine Collage aus Versatzstücken der römischen Geschichte zusammengetragen: Kaiserbüste, Totenmaske, eine zerbrochene Säule, das Pferd des Herrschers. Auf der Tribüne im Hintergrund sitzt nicht das Volk, um zuzuschauen. Hier turnt und tobt der Kaiser. [...] An Ideen fehlt es Mirja Biel keinesfalls. Sie spart auch nicht mit Hinweisen auf spätere Diktatoren und Figuren der Geschichte. Gut gelungen sind Szenen, in denen der Cäsar die Puppen, sprich seine Mächtigen tanzen lässt. Im Mittelpunkt steht natürlich Caligula. Matthias Hermann beginnt ihn liebenswürdig, freundschaftlich, spielt dann alle Facetten des Grausamen, des Launenhaften, des Grüblerischen durch. Der Zuschauer und sein Hof wissen nie, wann er wieder zuschlagen wird. Gast im Ensemble ist Holger Bülow (Helicon), der Vertraute, der sich aalglatt und geschickt durch die Intrigen schlängelt. [...] Als aufrechter Widerpart gibt Sophie Pfennigstorf dem Dichter Scipio deutliche Konturen. Als scharfen Analytiker spielt Jan Byl den Revolutionär Cherea, der die Konsequenzen seines Handelns kennt. [...] Freundlicher lang anhaltender Beifall bei der Premiere.«

(HL-live)

 

 

 

»Bülow spielt den Fehler im System, [...] er spielt gut, mit den Entertainmentqualitäten des Showman, der glaubt, hier endlich seine Chance auf das große Solo gekommen zu sehen, und der sich später mühelos in den Caligula-Gefolgsmann Helicon verandeln wird. [...] [Caligula] ist nämlich zwar wahnsinnig und grausam, aber er bebt auch vor viriler Männlichkeit, er hat in lichten Momenten halbwegs gute Argumente auf seiner Seite [...]. Eine gefährliche Sexyness umgibt diese Figur, deren Handlungen ziemlich eins zu eins mit klug arrangierter Popmusik in den Abgrund rasen [...]. Dann [...] traut sich Biel noch an eine letzte radikale Wendung und lässt ihren, naja: Helden zunächst die überlebenden Verschwörer rauskomplimentieren. "Schluss! Alle raus!" Und plötzlich merkt man: Das geht nicht nur an die Darsteller, sondern auch ans Publikum. Tatsächlich wäre es ein bös-geniales Finale, wenn dieses die Aufforderung ernst nehmen würde [...]. Dass das Publikum den Ball nicht aufnimmt, sondern einen begeisterten Schlussapplaus anstimmt: geschenkt.«

(nachtkritik.de)

 

 

 

»Mirja Biel hat eine durchdachte Inszenierung geschaffen - ohne platte Bezüge zu Machthabern der Gegenwart oder zu Despoten der Vergangenheit, ohne Geschrei oder hippe Musik. Das ist viel wert. [...] Die Bühne öffnet sich als schwarzer Schaukasten [...]. Und dann das Pferd: Ein prächtiger Schimmel liegt wie im Galopp eingefroren mitten auf der Bühne. Gespenstisch ist der Hals des imposanten Tieres [...]; der um 180 Grad verdrehte Kopf blickt nach oben. [...] Das gelungene Bühnenbild hat ebenfalls Mirja Biel entworfen. Die Kostüme von Hannah Petersen sind so angenehm dezent wie die Musik von Helena Ratka. [...] Die schauspielerische Leistung von Jan Byl (Cherea), Sven Simon (Lepidus) und Robert Brandt (Patricius) war großartig. Ihre Angst war spürbar. Ihre Hilflosigkeit, ihr Gefangensein im Mitläufertum waren in ihrer Mimik, in den Gesten, den Bewegungen jederzeit sichtbar. [...] Überzeugend war Sophie Pfennigstorf als Scipio, als die Stimme des Widerstands. Brillant war der Regie-Einfall, immer wieder Theater im Theater zu spielen. So bittet Caligula die Inspizientin (Kornelia Plambeck) um Saal-Licht und wendet sich an Lepidus: ›Wo ist dein Sohn?‹ [...] Dann kommt aus dem Publikum eine Jungenstimme und Titus (Lorenz Kotyrba) geht zur Bühne und zu seiner Hinrichtung, während Lepidus gebrochen zurück bleibt.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»›Schieß doch!‹ steht auf dem Sack, den sich Caligula über den Kopf gezogen hat. Wer wird es tun? Wird es wer tun? Mirja Biel [...] lässt die Frage offen. Sekundenlang scheinen im Zuschauerraum [...] Zweifel zu herrschen [...]. Dann setzt der Beifall ein. Man hat bestes Schauspiel und eine herausfordernde Inszenierung gesehen. [...] Die Regisseurin legt zunächst eine falsche Fährte. Man hört über Lautsprecher die Inspizientin mit dem Zustand des Vorhangs ringen, vor den tritt dann Holger Bülow (Helicon) mit einem vorgeblichen Stand-up. Alles nur gespielt? Während man noch rätselt, ist das Treiben des Caligula schon im Schwung. [...] Camus selbst nannte das Stück ›eine Tragödie der Erkenntnis‹. So kommt es auch in Lübeck auf die Bühne, hier lässt Caligula die Mächtigen als Puppen tanzen.«

(shz)

 

 

 

»Was auch immer der Schriftsteller uns mit seiner Philosophie des Absurden nahe bringen wollte, Mirja Biel hat sich dieses Stoffes angenommen und ihr ist eine packende und unterhaltsame Bühnenvorstellung gelungen. In der Inszenierung am Theater Lübeck ist Caligula ein kindlicher, trotziger und trauriger junger Mann im Unterhemd. Hervorragend verkörpert von Matthias Hermann. [...] Treu zur Seite stehen ihm seine Geliebte Caesonia, gewohnt souverän gespielt von Agnes Mann, und sein treue[r] Sklaven und engster Vertrauter Helicon, hinreißend dargestellt von Holger Bülow. [...] Die Gesangs- und Soundeinlagen mit Interpretationen moderner Songs wie z.B. von The Cure, geben dem Stück einen gelungenen musikalischen Rahmen und unterstreichen die gedrückte Grundstimmung des Protagonisten [...]. Die Aufführung [...] ist zeitlos gehalten und auf aktuelle politische Anspielungen wird verzichtet. [...] Die Kostüme sind dezent [...]. Ebenso schlicht ist das Bühnenbild und lenkt nicht von der Handlung ab. [...] Zwischendurch wird auch mal Diktatoren Quartett mit dem Publikum gespielt. Nicht nur Ideen wie diese trugen dazu bei, dass die pausenlose [...] Aufführung kurzweilig blieb. Eine gelungene Premiere vor fast ausverkauftem Haus, die mit viel Applaus gewürdigt wurde, was das Ensemble sichtlich freute und ein zufriedenes Publikum hinterließ.«

(Offener Kanal Lübeck)

 

 

 

»Das Unzusammenhängende hat Methode. Das beginnt damit, dass der Anfang des Stückes keiner ist. Mehrmals geht der Vorhang auf. Dann kommt ein Spieler, der das verkündet, was man im lebendigen Theater stets befürchtet, die Hauptfigur sei nicht da. [...] Mirja Biel macht daraus ein schauspielerisches Kabinettstück, indem sie Holger Bülow in Rollenvielfalt den ›Hof‹staat spielen lässt, der sucht und Vermutungen äußert. Virtuos gestaltet ist das [...]. Vor allem Matthias Hermann als Caligula wird arg gefordert. Was man ihm glaubt, ist, dass Caligulas Methode der Wahnsinn ist, womit er ein psychiatrischer Fall wird. Das aber macht den Irrwitz der Macht pathologisch, entschuldigt ihn, nimmt dem Missbrauch von Macht das abgründig Böse.«

(unser-luebeck)

 

 

 

»über diese Inszenierung von Mirja Biel hätte man sich [...] im Foyer des Geschehens gerne mal über das Gesehene ausgetauscht. Das ist nämlich gelungen. [...] Zu reflektieren gibt es ausreichend. Vor allem das eigene Verhalten [...] wird bei Camus und Biel angemahnt. [...] Matthias Hermann spielt diesen Wandel zum Monstrum erschreckend überzeugend. Wo war doch gleich der Moment, in dem Gedanken- und Wortspiele in verbale und tätliche Grausamkeiten kippten? Man hat ihn, eingelullt von der scheinbaren intellektuellen Magie, verpasst und fühlt sich zusammen mit den römischen Patriziern, den Hofschranzen und Speichelleckern entlarvt. [...] So kommt es [...] in Lübeck auf die Bühne [...]: ein absurdes Ballett, das mit erhobener Faust, himmelwärts gestrecktem Arm, Paradeschritt und zackigem militärischem Gruß auf nachfolgende Diktatoren verweist. Ein starkes Stück.«

(Lübeckische Blätter)