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Christophe Colomb

»Dem Regisseur Milo Pablo Momm ist es gelungen, die mannigfachen Elemente voller Phantasie zu einer heterogenen Einheit zu fügen. Nicht weniger eindrucksvoll, wie das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Andreas Wolf die stilistisch ebenso vielgestaltigen musikalischen Elemente - mit großen Chorsätzen, rhythmischen Ostinati, explosiv-perkussiven Impulsen und exotischen Idiomen - in den Dienst des Bühnengeschehens stellte. Die Musik ist ganz Dienerin des Dramas und gewinnt doch stärkste Wirkung durch ihre reichen Farben und klanglichen Bruitismen. [...] Die Inszenierung und das Bühnenbild von Erika Hoppe bringen Zeugnisse aus den durch den Kolonialismus zerstörten Kulturen ins Bild, die im Lübecker Volkskunde-Museum aufbewahrt werden. Für seine Inszenierung hat der Regisseur Momm, in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Andreas Wolf, das Gestrüpp der Episoden gelichtet. Er hat gestrafft und fügte aus sechs Figuren den Teufel, den Gegenspieler des Titelhelden. Das ist überzeugend gelungen, vor allem durch die sängerisch brillante Darstellung des Tenors Daniel Jenz. Der stimmstarke Bariton Johan Hyunbong Choi verlieh der Titelfigur ein markantes Profil.«

(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

 

 

»Lübecks Theater landete mit Darius Milhauds multimedialem Mysterienspektakel ›Christophe Colomb‹ einen spektakulären Premierenerfolg. [...] Dass Lübeck nun dieser gewaltigen Herausforderung mit geschickten Abstraktionen und konziser dramaturgischer Zuspitzung eindrucksvoll zu begegnen wußte, verdient Respekt, Anerkennung und Bewunderung! [...] Was er [Darius Milhaud] damals bereits verlangte, war der Einsatz von Filmszenen und visuellen Überblendungen, die in Lübeck von Regisseur Milo Pablo Momm uns seinem vielköpfigen Produktionsteam virtuos gestaltet und eingesetzt wurden. [...] Musikalisch gelang es Dirigent Andreas Wolf und seinem Riesenensemble, der polytonalen Musiksprache Milhauds Prägnanz und klangliche Opulenz zu verleihen, wobei sich die Philharmoniker auch in grellen Passagen erfreulich sängerfreundlich zurückhielten. Der expressionistische agierende Chor hatte vokale wie darstellerische Wucht und Gefährlichkeit, rhythmische Impulse und Effekte waren bei der Percussions-Formation des Orchesters bestens aufgehoben. Primus inter pares Johan Hyunbong Choi in der Titelpartie: stimmgewaltig, darstellerisch präsent, agil und glaubhaft als getriebener, zu Lebzeiten letztlich gescheiterter Welteneroberer.«

(Kieler Nachrichten)

 

 

 

»Es sind dichte, starke Momente, wenn sich in Jessica Nupens eindringlicher Choreografie der Chor ganz in Schwarz gekleidet, mit Zylindern und Masken wie eine zähe, anonyme, alles verschlingende Masse über die Bühne ergießt. [...] Herausragend singt Daniel Jenz, der als abgewrackter Horror-Clown mit Halbglatze gleich mehrere Rollen verkörpert. Da sitzt jeder gereizte hohe Ton, jedes diabolische Lachen und jede dramatische Geste mit Monsterhänden. [...] Die Philharmoniker unter Andreas Wolf meistern die turbulente Sammlung verschiedenster Musikstile und Genres. Es trillert, rauscht und brodelt. [...] Langweilig ist es keine Sekunde und man verfolgt neugierig die rätselhaften Bilder und Anspielungen. [...] Das Lübecker Theater hat mit diesem ambitionierten, politischen Projekt allerdings wieder einmal gezeigt, dass es bei den großen Bühnen mitspielen will und kann.«

(NDR Kultur)

 

 

 

»Zu komplex, zu diffizil, zu provokant? Wie man eine harte Opern-Nuss knackt ist jetzt am Theater Lübeck zu besichtigen. [...] Momm hat [...] ein Gesamtkunstwerk geschaffen, dessen Premiere vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. [...] Momms Inszenierung startet mit einem filmischen Ausrufezeichen: Ein Schwarz-Weiß-Film führt hinaus aus dem Theater durch Lübeck in die Völkerkundesammlung mit Schätzen powered by Columbus; die Geschichte ist gegenwärtig. Dann wird das erste von 26 Kapiteln aufgeschlagen und der Zuschauer in opulente, gelegentlich überbordende Bilder- und Tonfluten getaucht. [...] Die Anforderungen an das singende Personal sind enorm. Johan Hyunbong Choi überzeugt als umtriebiger jüngerer Columbus, Gerard Quinn als der gealterte. Evmorfia Metaxaki geht als Isabella sicher durch die Fallstricke schwieriger Höhen. Herausragend ist Daniel Jenz in der Rolle des Teufels. Die Hauptrolle spielt und singt der von Jan-Michael Krüger einstudierte 47-köpfige Chor, dessen Mitglieder verhüllt als gesichtslose Masse agieren.«

(shz)

 

 

 

»Die Inszenierung des Mainzer Tänzers und Regisseurs Milo Pablo Momm nutzt den Originaltext der Uraufführung von Rudolph Stephan Hoffmann. Dazu kommt ein gestandenes Triumvirat aus zwei Kunsthistorikerinnen und einem Ethnologen, die die Inszenierung wissenschaftlich beraten haben - und damit auch die Richtung vorgegeben, aus dem das Opus Magnum heute zu lesen sei. [...] Musikalisch ist das mächtige Unterfangen ohnehin geglückt, Andreas Wolf ist, wie der regelmäßige Opernbesucher in Lübeck weiß, ein begnadeter Bühnendirigent, sattelfest in vielerlei Stilen. Auch die musikalische Machtdemonstration Milhauds versteht er gekonnt auszubalancieren. Haus-Bariton Johan Hyunbong Choi schlägt sich wacker und stabil in der Titelrolle, und Daniel Jenz, der einst in Lübeck zu einem großartigen Spieltenor reifte (inzwischen ist er in Kassel tätig), darf als Gast in einer Art komprimierter Rolle als stets verneinender Geist mit Nosferatu-Fingern ein paar eindrucksvolle Register ziehen. Lokalstar Evmorfia Metaxaki [...] beschenkt [...] das Publikum [...] mit ein paar hinreißenden Phrasierungen [...].«

(Die deutsche Bühne) 

 

 

 

»Gewaltiger Aufwand für ein Opernprojekt. [...] Seither [Uraufführung 1930] wurde das komplexe Werk selten einstudiert. Lübeck ging unter der Regie von Milo Pablo Momm das Wagnis ein. Bei der Premiere am Sonnabend gab es lang anhaltenden Schlussapplaus. [...] Beeindruckend und gut ausgedacht ist das Bühnenbild von Erika Hoppe. [...] Großes mussten die Solisten leisten. Johan Hyunbong Choi ist ein kraftvoller Titelheld, Gerard Quinn sein alt gewordenes Spiegelbild. Evmorfia Metaxaki als Königin wird in höchste Höhen geführt. Daniel Jenz schlägt sich hervorragend in mehreren Rollen. Andreas Wolf entfacht mit den Philharmonikern immer wieder mitreißende Klangbilder.«

(HL-live)

 

 

 

»Den großen Chor (Einstudierung: Jan-Michael Krüger) lässt Regisseur Momm als schwarz gekleidete maskierte Masse agieren, was immer wieder für starke und teils verstörende Bilder sorgt, wofür auch die eindrucksvollen Kostüme von Sebastian Helminger sorgen. [...] Dabei schlug sich vor allem das ehemalige Lübecker Ensemblemitglied Daniel Jenz ganz ausgezeichnet. Sein Tenor hat an Fülle und Wohlklang gewonnen, darstellerisch bot er unter anderem als Teufel eine herausragende Leistung. Sicher gestaltete Johan Hyùnbong Choi die Mammutpartie des Kolumbus, allein die konditionellen Anforderungen dieser Rolle zu erfüllen, ist aller Ehren wert. Gerard Quinn als alter Kolumbus beeindruckte durch seine Darstellung wie durch seine sicher geführte Stimme. Evmorfia Metaxaki als Königin Isabella sang bis in die höchsten Höhen klangschön und intonationssicher.«

(Lübecker Nachrichten)

 

 

 

»Eine umjubelte Premiere erlebte daher Milhauds Urversion, Libretto Paul Claudel. [...] Die Philharmoniker spielen in Hochform, und Andreas Wolf am Pult steuert das Spektakel mit flexiblem Chor famos. [...] Daniel Jenz‘ Tenor glänzt in Mehrfachrollen, Johan Hyunbong Choi ist ein markiger Columbus, Gerard Quinn sein Alter Ego. Als Königin Isabella brilliert Evmorfia Metaxaki in allen Registern ihres schönen Soprans. Ein vielschichtiger Abend.«

(Lübeckische Blätter)