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Winterreise
»Da ist die eine Wirklichkeit,
die der Zeit, da die andere: Ich.«
Ihre Stücke gehören längst zum Kanon des zeitgenössischen Theaters und werden – zu Recht – mit Preisen förmlich überhäuft. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lässt sich schwer in eine Schublade stecken, was ihre Literatur angeht, sie hat ihr eigenes Genre entdeckt und perfektioniert. Sie ist Sprach- und Zitatkünstlerin, sie schreibt keine Stücke, sondern riesige mäandernde wortgewaltige Textflächen. Fremdtexte sind der Ausgangspunkt für ihr Schreiben, sie liefern das Material, Jelinek bearbeitet es, literarisiert es, lässt sich treiben und ist getrieben von ihrer eigenen Sprache. Sie benutzt die Zitate, ohne sie als solche zu kennzeichnen, um weiterzukommen, nicht unterzugehen und vielleicht letztendlich irgendwo anzukommen. Ihre Sprachkompositionen platzen vor Welthaltigkeit, erzeugen Bilderfluten, sind schonungslos ehrlich, wütend und radikal, voller Sehnsucht und nie um einen Kalauer verlegen. Auf der Folie von Franz Schuberts romantischem Liederzyklus »Winterreise« hat sie jetzt ihr wahrscheinlich persönlichstes Wortwerk geschrieben, eine poetische Gedankenreise über das Fremdsein in der Welt, das Vergehen der Zeit, über Liebe in Zeiten der digitalen Netzwerke und das Vergessen im Alter. Jelinek ist eine Wanderin im Geiste, sie meidet die Öffentlichkeit, obwohl sie diese sehr genau beobachtet. Schubert ist Jelineks erklärter Lieblingskomponist, er ist für sie »das größte Genie, das je gelebt hat«. Regisseur Andreas Nathusius wird sich – zum ersten Mal am Theater Lübeck – dieser faszinierenden und einzigartigen Autorin annehmen und sich mit dem mehrfach preisgekrönten Text (u. a. Stück des Jahres 2011) auf eine sinnlich-surreale Reise begeben.

Premiere
18/01/13

Kammerspiele
Die nächsten Termine
Fr
14/06/13
20.00 Uhr
Kammerspiele

Wortwitz und Sprachekstase: Der Zorn auf die Welt

Dauer 2 Stunden (keine Pause)

Inszenierung Andreas Nathusius
Ausstattung Annette Breuer
Musik Wolfgang Siuda
Video Volker Hahm