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Maria Stuart
»O der ist noch nicht König, der der Welt
gefallen muss! Nur der ist’s,
der bei seinem Tun nach keines Menschen
Beifall braucht zu fragen.«
Schillers Königinnendrama um Maria Stuart, Königin von Schottland, und Elisabeth, Königin von England, ist ein atemberaubender Thriller und brandaktueller Politkrimi. In der Welt des politischen Kalküls hat Verantwortung keinen Platz, mit aller Kraft wird um Recht, Macht und Legitimation gerungen. Moralische Grundsätze spielen dabei keine Rolle, private Interessen um so mehr.

Beschuldigt, ihren Gatten ermordet zu haben, wird Maria Stuart aus dem Land vertrieben und sucht Schutz bei Elisabeth I. in England. Doch die unehelich geborene Elisabeth sieht in ihr als Königin und als Frau eine Rivalin und lässt sie unter dem Vorwurf des Hochverrats einsperren und zum Tode verurteilen. Schnell formieren sich verschiedene politische Lager, und es beginnt ein Kampf um Leben und Tod der Gefangenen. Schließlich stehen die beiden einander gegenüber, zwei Frauenfiguren, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, und man spürt: jetzt wird mit offenem Visier gekämpft. Die Maske des Politischen fällt, und es erscheint die Bestie Mensch, getrieben von Eifersucht, Macht und Gier. Als Maria, um Gnade bittend, von Elisabeth als Mörderin und Hure verhöhnt wird, bricht aus ihr der unterdrückte Hass hervor: sie beschimpft Elisabeth als Bastard, bezeichnet sich selbst als rechtmäßige Königin und besiegelt damit ihren Untergang. Als schließlich noch ein Mordkomplott gegen Elisabeth scheitert, ist diese zum Handeln gezwungen. Von Zweifeln geplagt, unterschreibt sie die Hinrichtung. Dennoch geht Elisabeth nur vermeintlich als Siegerin aus diesem Duell hervor. Marias Weg zum Schafott wird zum moralischen Triumphzug einer Märtyrerin, Elisabeth bleibt als alternde Königin vereinsamt zurück.

Das Gipfeltreffen der beiden Rivalinnen – eine geniale Konstruktion Schillers, tatsächlich sind sich die Königinnen nie begegnet – ist Zentrum des Stücks und immer noch hochmodern.

Regisseur Pit Holzwarth, der in den vergangenen Spielzeiten u. a. mit »Edith Piaf«, »Der Fall der Götter« und »Wie im Himmel« große Erfolge feierte, inszeniert die beiden Protagonistinnen als ebenbürtige Kontrahentinnen, deren politischer Konflikt weder von weiblich-erotischer Rivalität noch vom Motor der Angst und Missgunst zu trennen ist.

Wiederaufnahme
10/10/13

Großes Haus
Spiele der Macht: Die Paranoia in der Politik

Dauer ca. 2 Stunden, 55 Minuten (eine Pause)

Inszenierung Pit Holzwarth
Ausstattung Werner Brenner
Musik Achim Gieseler
Choreographie Christine Stehno
Dramaturgie Peter Helling