Leitmotiv des Musiktheaters 2020/21

Musiktheater

Wie kam der Kontakt zum Theater Lübeck zustande?
Der entstand über meine Wiener Galerie Lukas Feichtner. Der Operndirektor und Generalmusikdirektor Stefan Vladar erläuterte mir bei unserem ersten Kontakt die Situation des Theaters, anschließend entwickelten wir gemeinsam mit dem Künstlerischen Betriebsdirektor eine Vision für das Kunstwerk. Hierbei entstand die Idee, die Überwucherung und das Überfahren des eigentlich vorgesehenen Spielplans durch die Covid19-Pandemie visuell darzustellen.

Wie lautete Ihr Auftrag?
Ich sollte ein Plakatsujet entwickeln, das die drastische Situation, in der sich das Theater Lübeck aufgrund der Corona-Pandemie befindet, thematisiert und zugleich die Konsequenzen für das Programm, das heißt weg von großen, prallen Bühnenwerken, hin zu kleinen Geschichten über menschliche Abgründe.

Wodurch haben Sie sich inspirieren lassen? Welche Einflüsse fanden Eingang in das Werk?
Einerseits haben mich die bestehenden Piktogramme inspiriert, stellvertretend für das ursprüngliche Programm, andererseits die Sternform des Coronavirus, diese als Repräsentant für das Alternativprogramm, die ihre Spuren hinterlässt.

Mit welchem Material haben Sie gearbeitet?
Bei dem farbigen Hintergrund handelt es sich um Öl auf grundiertem Baumwollgewebe. Die Piktogramme sind gedruckt, für die Spuren verwendete ich Acrylfarbe. Der Roboter, der die Coronakrise symbolisiert und das Bestehende überrollt, ist teils in 3D gedruckt und eigens für diesen Zweck gemacht.

War es eine Herausforderung, die Spielzeit 2020/21 des Musiktheaters rein visuell darzustellen?
Da ich im Alter von 11 Jahren mit dem Studium des Violoncellos an der Musikuniversität in Graz begonnen habe, begleiten mich die klassische Musik und die Oper schon fast mein ganzes Leben lang. Zwar habe ich mit der Volljährigkeit die professionelle Musikwelt verlassen, dennoch war mir das ursprünglich geplante Spielzeitprogramm natürlich ein Begriff. Anders beim neuen Spielplan. Da war schon etwas Recherche notwendig, um die entsprechende Stimmung verstehen und darstellen zu können. Die Herausforderung bestand für mich darin, sowohl diesen krassen Gegensatz zu thematisieren und dennoch das Gemeinsame sichtbar zu machen. Wichtig waren mir auch die Eindrücke, die die Coronakrise hinterlassen hat, einzufangen und mitschwingen zu lassen.

 

 

Niki Passath - Biografie
Der in Graz geborene Künstler Niki Passath beschäftigt sich in seiner Kunst mit dem Geheimnis des Lebens, insbesondere mit den Menschen, deren Emotionen, seinem sozialen Verhalten – gegenüber Maschinen und der umgebenden Natur. Dabei berührt er unterschiedliche Disziplinen, von Robotik über künstliche Intelligenz bis zu Physik und den Lebenswissenschaften. Auf verschiedenen Forschungsreisen konnte er Antworten finden, welche er mittels kinetischer Objekte, Skizzen, Skulpturen und Fotografien künstlerisch umsetzt. Niki Passath drückt sich mittels unterschiedlicher Materialien, Medien und Technologien aus und sucht formal wie inhaltlich immer neue Herausforderungen. 1988 begann er mit dem Violoncello-Studium, 1995 mit Architektur und diplomierte 2004 in digitaler Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Von 2004 – 2018 war er als Assistent und Universitätslektor tätig. Er ist Preisträger des Kunstförderungspreises der Stadt Graz 2018 und Mitglied im Wiener Künstlerhaus. Vertreten wird er durch die Galerie Lukas Feichtner, Wien, die Galerie Peithner-Lichtenfels, Wien und die Galerie Heimo Bachlechner in Graz.