3. Klangbilderkonzert
Foto: Olaf Malzahn

Konzert

3. Klangbilder konzert

Piktogramm

»Heinrich und Thomas Mann im Exil«
Konzert zum 77. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus (8. Mai 1945)
Werke von Claude Debussy, Arnold Bax, Diana Čemerytė, Leo Smit, Paul Hindemith und Harald Genzmer

In Kooperation mit dem Buddenbrookhaus Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum

Inhalt

Claude Debussy (1862‑1918)
Sonate für Flöte, Viola und Harfe (1916)
I. Pastorale

Heinrich Mann (1871‑1950)
»Ein Zeitalter wird besichtigt« (1946)

Arnold Bax (1883‑1953)
Sonate für Flöte und Harfe (1928)
II. Lento

Erika Mann (1905‑1969)
»Eine Nacht in London« (1940)

Diana Čemerytė (*1974)
»Dämmrung will die Flügel spreiten« – Klangnovelle für Thomas Mann für Flöte, Viola und Harfe (2020‑21)
Kompositionsauftrag für dieses Konzert, Uraufführung

Thomas Mann (1875‑1955)
Radioansprache an die Deutschen im April 1941

Leo Smit (1900‑1943)
Trio für Flöte, Viola und Harfe (1926)
Allegro ma non troppo - Tranquillo - Scherzando - Meno allegro - Molto lento

Monika Mann (1910‑1992)
»Vergangenes und Gegenwärtiges« (1956)

Paul Hindemith (1895‑1963)
»Acht Stücke für Flöte allein« (1927)

Klaus Mann (1906‑1949)
»Der Wendepunkt« (1952)

Harald Genzmer (1909‑2007)
Trio für Flöte, Viola und Harfe (1947)
IV. Thema mit Variationen




In diesem Klangbilderkonzert, dass in Kooperation mit dem Buddenbrookhaus Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum stattfindet, werden Texte der Familie Mann aus dem Exil des zweiten Weltkriegs gelesen, die sich u. a. mit dem Irrsinn des Krieges und den Erfahrungen des Vertriebenseins auseinandersetzen. Lesen wird sie Schauspieler Michael Fuchs, der in der Inszenierung von »Der Untertan« Heinrich Mann verkörpert hat. Mehr lesen

Es erklingt Musik für Flöte, Viola und Harfe von Komponist:innen aus den Ländern des Exils und der verlorenen Heimat. Das Trio des Franzosen Claude Debussy hat diese aparte kammermusikalische Besetzung in Zeiten des Ersten Weltkriegs begründet. Ein Duo des Engländers Arnold Bax trifft auf fast gleichzeitig entstandene Flöten-Stücke des deutschen Komponisten Paul Hindemith, der von den Nationalsozialisten als »atonaler Geräuschemacher« verunglimpft wurde und als Emigrant die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat. 1926 entstand das Trio des niederländischen Juden Leo Smit, den die Nationalsozialisten 1943 im Vernichtungslager Sobibor umgebracht haben. Der deutsche Harald Genzmer, bekanntester Schüler von Paul Hindemith, schrieb sein Trio wenige Jahre nach Kriegsende 1947. Die bei Frankfurt lebende litauische Komponistin Diana Čemerytė schrieb eigens für dieses Konzert eine Klangnovelle für Thomas Mann, die in diesem Konzert ihre Uraufführung erleben wird. Ihr Titel »Dämmrung will die Flügel spreiten«, zitiert den Beginn von Eichendorffs Gedicht »Zwielicht«, das Robert Schumann in seinem »Liederkreis« vertont hat und das von Thomas Mann sehr geschätzt wurde.

 

»Der Emigrant aus Überzeugung verliert an Achtung, je zweifelhafter seine Aussichten werden. Zuerst ist er einfach ein Oppositioneller, seine Geltung wird morgen wieder berichtigt sein. In dem Grade, wie sich herausstellt, daß er mit einer befestigten Macht überworfen ist, wird er auch in dem Lande seiner Zuflucht die Macht – und alle ihre Gläubigen – gegen sich haben. Macht kennt nur Macht.« (Heinrich Mann: Ein Zeitalter wird besichtigt. 4. Auflage. Frankfurt a.M.: Fischer 2007. S. 378)

»Meine Wohnung ist in die Luft geflogen, meine Schreibmaschine ist zerstört und fast alle meine Manuskripte und Notizen sind verbrannt; trotzdem will ich versuchen, eine einfache Darstellung der Nacht zu geben, in der all dies geschehen ist…« (Erika Mann: Eine Nacht in London. In: Blitze überm Ozean. 1. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2000, S. 179-182.)

»Man mag über die Menschheit noch so höhnisch und bitter-zweifelhaft denken – es ist, unter aller Erbärmlichkeit, unverleugbar und unauslöschbar, ein göttlicher Funke in ihr, der Funke des Geistes und des Guten. Den endgültigen Triumph des Bösen, der Lüge und Gewalt, kann sie nicht hinnehmen – sie kann damit einfach nicht leben.« (Thomas Mann: Radioansprache an die Deutschen im April 1941. In:  Deutsche Hörer! Radiosendungen nach Deutschland aus den Jahren 1940-1945. 4. Aufl. Frankfurt a.M. 2004, S. 26) Weniger anzeigen

Besetzung

Komposition Diana Čemerytė


Flöte Waldo Ceunen
Viola Vera Dörmann
Harfe Johanna Jung


Lesung Michael Fuchs


Dauer ca. 1 Stunde, 45 Minuten (keine Pause)

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