Alice
Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel

Alice

Piktogramm

nach Lewis Carrolls »Alice im Wunderland«
Musik und Gesangstexte von Tom Waits und Kathleen Brennan
Text von Paul Schmidt
Regie, Design und Visual Concept der Originalproduktion von Robert Wilson
Deutsch von Wolfgang Wiens

Ab 14 Jahren

Premiere 08/02/20 | Großes Haus

Inhalt

»Ich war alles, was ich schon immer sein wollte, nur weil das Mädchen dastand, in der Tür. Und ich dachte, wenn ich nur die Zeit anhalten könnte, dann stünde sie da für immer.«

Das Mädchen Alice folgt einem weißen Kaninchen in seinen Bau und fällt, fällt sehr tief oder fällt sehr langsam. Dieses Kaninchen, das mit Blick auf seine Taschenuhr jammert: »O weh! Ich werde zu spät kommen!«, wird sich später in Charles Dodgson – Lewis Carrolls bürgerlicher Name – verwandeln. Er erfand »Alice im Wunderland« 1862 zur Belustigung von Alice Liddell, der zehnjährigen Tochter des Dekans am Oxforder College Christ Church, hier unterrichtete Carroll Mathematik. Das Musical »Alice« erzählt die berühmte skurrile Geschichte der Titelheldin und ihres Autors, es changiert wie Carrolls Werke zwischen Traum und Wirklichkeit. Mehr lesen

Alice und das Kaninchen fallen tief und tiefer, doch nicht durch die Erde hindurch bis ans andere Ende, sondern sie landen in einer Phantasiewelt – hier sind die Gesetze des Verstandes durch Zahlenrätsel und Wortspiele ersetzt, merkwürdige Gestalten wie die Grinsekatze, der verrückte Hutmacher und die Herzkönigin erwarten Alice. Carroll erträumt Alice im Wunderland, hier kann er die Zeit stoppen und beschleunigen, das Mädchen zwölf Mal schrumpfen und vergrößern.

»Ich mag Kinder (Jungen ausgenommen)«, schrieb der stotternde Autor, der in Gesellschaft kleiner Mädchen fließend erzählen konnte. Diese Zuneigung erscheint bis heute fragwürdig, Alices Mutter verbot Carroll bereits 1863 den Umgang mit ihrer Tochter. Caroll war ein passionierter Hobbyfotograf, er fotografierte oder zeichnete einige Mädchen nackt. Sehnsucht und Verlust sind Motive in der Musik, die ungewöhnlich weich und zart für Tom Waits klingt, doch es finden sich auch bekannte Klänge: raue Jazz-Balladen, lyrische Melancholie, im Ganzen eine surreale und exotische Welt.

Nach der »Dreigroschenoper« inszeniert Malte C. Lachmann dieses überbordend phantastische Musical auf der Suche nach konkreten Situationen in den Traumbildern. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Malte C. Lachmann
Musikalische Leitung Willy Daum
Kostüme Tanja Liebermann
Choreographie Tiago Manquinho
Dramaturgie Anja Sackarendt
Licht Falk Hampel


Charles Dodgson / weißes Kaninchen / weißer Ritter Andreas Hutzel
Lilie / Herzogin / Schachfigur / Vikar / Studentin / Dodgson-Doppel Lilly Gropper
Rose / Köchin / Königin / Schachfigur / Vikar / Studentin / Dodgson-Doppel Susanne Höhne
Gänseblümchen / Fisch / Hutmacher / Humpty Dumpty / Dum / Schachfigur / Vikar / Dodgson-Doppel Will Workman
Gänseblümchen / Frosch / Haselmaus / Rehkitz / Dee / Schachkönig / Vikar / Dodgson-Doppel Heiner Kock
Raupe / Grinsekatze / schwarzer Ritter / Märzhase / Schaf / Vikar / Student / Dodgson-Doppel Henning Sembritzki


Klavier, Schlagzeug Willy Daum
Gitarre, Banjo, Mandoline Urs Benterbusch
Trompete Tobias Hain
Saxophon, Klarinette, Querflöte Edgar Herzog
Kontrabass, Violine Peter Imig
Akkordeon Martina Tegtmeyer


Dauer ca. 2 Stunde, 10 Minuten (eine Pause)

Termine | Karten


Fr 17/04/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus
Abo: S.5

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


So 19/04/20 | 16.00 Uhr

Großes Haus
Abo: S.7, Theaterfahrt am Nachmittag

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


Fr 08/05/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus
Abo: S.4


So 17/05/20 | 18.00 Uhr

Großes Haus
Abo: S.8


Fr 22/05/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus


Do 04/06/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus
Abo: S.2, S.3


So 07/06/20 | 18.00 Uhr

Großes Haus
Abo: S.12, Mix.12


Sa 13/06/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus
Abo: S.6


Sa 20/06/20 | 19.30 Uhr Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

Großes Haus
Abo: Theaterfahrt am Samstag


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Pressestimmen

»Regisseur Malte C. Lachmann gelingt es ausgezeichnet, sowohl den skurrilen Humor von Lewis Carroll als auch den philosophischen Hintergrund der beiden ›Alice‹ -Bücher auf die Bühne zu bringen. [...] Lachmann schafft es, Lächerliches, Lachhaftes, Spaß und Ernsthaftigkeit zu einer Einheit zu verschmelzen, und das macht diesen Theaterabend so wunderbar. Der Abend wird aber auch getragen von der Musik von Tom Waits. Sie ist ungemein vielfältig und reicht von jazzigen Stücken bis hin zu an Kurt Weill erinnernde Balladen. Die groß aufspielende Band um Willy Daum präsentiert diese komplexen Arrangements ganz fabelhaft, Tom Waits‘ Kompositionen erwachen zum Leben. Besetzt ist dieses fantastische Spektakel komplett aus dem Schauspielensemble des Lübecker Theaters. Alle Darsteller spielten und sangen mit einer Leidenschaft, die man in dieser Form selten erleben kann. ›Alice‹ war offenbar eine Herzensangelegenheit für die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler, die es schafften, ihre Begeisterung für das Stück auf das Publikum zu übertragen. Allen voran Astrid Färber, die in ihrem Blümchenkleid tatsächlich wie ein kleines Mädchen wirkte und die Zerrissenheit der Titelfigur überzeugend darstellte. Sie sang ausgezeichnet, für ihre Songs gab es immer wieder Szenenapplaus. Andreas Hutzel als Lewis Carroll, weißer Ritter und herrlich hoppelndes Kaninchen bot ebenfalls eine starke Leistung. Bei der man sich fragte, ob er stimmlich den rauen, an Tom Waits erinnernden Gesangsstil durchhalten würde. Er schaffte es mit Bravour. [...] Susanne Höhne war unter anderem als Köchin, blutrünstige Königin und als Schachfigur zu erleben - auch sie hatte starke Auftritte. Lilly Gropper blieb als hervorragend singende Lilie in Erinnerung, Will Workman beeindruckte als silberner Fisch und Ei-Popanz Humpty Dumpty ebenso wie als Part des Zwillingsduos Tweedledee/Tweedledum, das er gemeinsam mit Heiner Kock verkörperte und das Publikum zu Lachsalven veranlasste. Kock war als Schachkönig eindrucksvoll, vor allem brillierte er als Fliegen fangender Frosch. Henning Sembritzki hatte einen hinreißenden Auftritt als strickendes Schaf, seine stimmlichen Qualitäten sind bekannt. Insgesamt ein gelungener Ausflug in das Reich der Fantasie, mit ungeheurem Einfallsreichtum inszeniert und ausgestattet, ein wahres Fest für Augen und Ohren. Und für den Verstand, denn dieses Stück hat Tiefgang.«


Lübecker Nachrichten

»Astrid Färber ist eine wunderbare Alice, die trotz allem ihre Kindlichkeit bewahrt hat und mit großen Augen sich der Situation hingibt oder sie ablehnt. [...] Lilly Gropper verkörpert die unterschiedlichsten Rollen großartig; ebenso Susanne Höhne [...]. Wieder großartig Will Workman und Heiner Kock. Henning Sembritzki hat die Grinsekatze verinnerlicht und begeistert als strickendes Schaf. [...] Die sechs Leute der Band beeindruckten.[...] Luisa Wandschneider für die Bühne, unerhört einfallsreich Tanja Liebermann mit ihren Kostümen [...]. Ganz toll die Bühnenbildzeichnungen von Lasse Wandschneider. Willy Daum ist einmal mehr für die musikalische Leitung und Arrangements unverzichtbar. Eine Vorstellung zum Lachen und Weinen, bei der man die Tiefgründigkeit des Stückes nicht außer Acht lassen darf.«


unser Lübeck

»Sechs der insgesamt sieben Darsteller schlüpfen in 37 Charaktere und grandiose Kostüme. [...] Darf man auch lachen? Aber ja! Das erigierende Objektiv des Fotografen Dodgson ist zum Brüllen, die Flamingos, die zu Krocketschlägern degradiert sind, das Schaf, das sich selbst strickt. Im Orchestergraben wird dazu gezaubert. Sechs Musiker spielen auf zwölf Instrumenten die pointierten Arrangements des musikalischen Leiters Willy Daum. Und auf der Bühne präsentiert das Personal Typisches für das Lübecker Schauspiel, nämlich hervorragenden Gesang. [...] Zu sehen ist eine grandiose Inszenierung.«


shz

»Überhaupt sieht man die schönsten schrägen Gestalten, von Kostümbildnerin Tanja Liebermann fantasievoll eingekleidet. [...] Die Herzogin (Susanne Höhne) mit ihrer ›Kopf ab!‹ -Parole zeigt sich im erotischen Latex-Look. Henning Sembritzki ist eine fett glitzernde Raupe und ein großartiges, sich selbst strickendes Schaf, Will Workman ein hübsch ausgestopfter und zwischen Hochnäsigkeit und Unsicherheit changierender Humpty Dumpty. Und Tweedledee (Heiner Kock) und Tweedledum (Will Workman) ein herzallerliebst gestreiftes Paar, das in seiner Beschreibung der Unschlüssigkeit der Welt auch mal Beckett'sche Dimension erreicht. [...] Eine feine Feier von Fantasie und Nonsens, garniert mit Comic und Kabuki, schön choreografiert von Tiago Manquino und getragen vom Ensemble.«


Kieler Nachrichten

»Sehr einfühlsam stellt die Schauspielerin (Astrid Färber) die Gefühlswelt der Alice dar. […] Die Premiere von Alice am Theater Lübeck kam gut an. Das Premierenpublikum war sehr begeistert.«


NDR 1 Welle Nord

»Lachmann gelingt es, insbesondere mit Hilfe von Luise Wandschneider (Bühne) und Tanja Liebermann (Kostüme), die Welt und die Welt hinter der Welt, die eine weitere birgt, mit praller Ästhetik zu zeigen. […] Astrid Färber wechselt von der erwachsenen Alice zum Kind und wieder zurück, zeigt hier wie da mit berührender Intensität, dass da ein Mensch nach Halt, Identität, Verstehen und Verständnis sucht, und zeigt, welche Rollen da ein weißer Hase und ein weißer Ritter haben können.«


Lübeckische Blätter

»Nach ›Monty Python’s Spamalot‹ ist Malte C. Lachmann wieder ein grandios-komischer Coup gelungen: In seiner Inszenierung ›Alice‹ steigt das siebenköpfige Ensemble mit offenkundigem Spaß in fantasievolle Kostüme und erweckt die absurdesten Figuren mit aller Ernsthaftigkeit zum Leben – fast 40 Figuren werden auf die Bühne gezaubert! Tanja Liebermann sowie Luisa und Lasse Wandschneider kreierten fantastische Kostüme und ein wunderbar verspieltes Bühnenbild. Aber es ist auch eine Inszenierung mit Tiefgang. […] Mit einem Gefühl des Unbehagens begleiten die Zuschauer*innen das nach der eigenen Identität suchende Mädchen ins fantastische Wunderland. Dennoch gelingt es Malte C. Lachmann die Leichtigkeit aufrechtzuerhalten und das Publikum mit abstrus-komischen Einfällen mehrfach zum Lachen zu bringen. […] Alle Darsteller*innen spielen so akzentuiert schräg wie aus einem Tim Burton-Film entsprungen und erhalten mehrmals Szenenapplaus. Astrid Färber schafft es sehr facettenreich, Alice mädchenhafte Zartheit und Ängstlichkeit, aber auch ihre Abenteuerlust und ihren Mut mit wenig Text auszudrücken. […] Die Musik stammt aus der Feder von Tom Waits und Kathleen Brennan und wird von den Musiker*innen um Willy Daum und dem gesangstalentierten und –erprobten Ensemble stimmungsvoll und mitreißend interpretiert. […] Das Premierenpublikum war begeistert.«


ultimo

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