Schauspiel

Der Untergang der Titanic

Eine Komödie in 33 Gesängen

von Hans Magnus Enzensberger

Am 14. April 1912 um 23:40 Uhr rammte die RMS Titanic einen Eisberg; 160 Minuten später ging sie unter, die vermeintlich Unsinkbare. Der Stolz der Weltmeere, ein Weltwunder der modernen Technik – aufgeschlitzt wie ein Frühstücksbrötchen. Vielleicht war dies der Moment, in welchem zum ersten Mal in der Moderne der bis dato unbeirrbare Fortschrittsglaube und grenzenlose Enthusiasmus für Technik deutlich erschüttert wurde. Die Natur schlug zurück! Enzensberger inspirierte dies zu einer düster-ironischen, poetisch verdichteten Analogie der Zeitläufte. Er beschreibt die Kollision der Titanic, zeigt die Panik und Verzweiflung, erzählt vom Kampf um die Rettungsboote, dem langsamen Sterben, und verknüpft diese Schilderung u. a. mit der kubanischen Revolution und einem Vulkanausbruch. Verschiedenen Zeitebenen und Bildwelten verfließen ineinander und fügen sich zu einem schwarzhumorigen Ganzen von düsterem Kolorit. Heute, 45 Jahre nach dem Erscheinen, wirkt Enzensbergers sprachgewaltiger Nachgesang wie ein zivilisationsskeptizistisches Menetekel an uns, die Nichts-Begreifenden. Denn so, wie damals die Ärmsten in den untersten Decks als erste ertranken, sind es heute pazifische Inselstaaten wie Kiribati und Fidschi, die im Zuge des Klimawandels vom ansteigenden Meer geschluckt werden. Dabei sind sie die letzten, die eine Mitschuld an der Klimaerwärmung tragen. Aber vielleicht sollten sich allmählich auch sonnende Kreuzfahrtpassapiere schon mal auf ein kräftiges »Eisberg voraus!« gefasst machen.

Der Untergang der Titanic
Premiere 03/12/22 · Kammerspiele

Besetzung

Inszenierung Martin Schulze
Bühne & Kostüme Sabine Böing
Musik Dirk Raulf
Dramaturgie Oliver Held