Der Untertan
Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel

Der Unter tan

Piktogramm

nach dem Roman von Heinrich Mann
Bühnenfassung von Mirja Biel

Premiere 14/08/21 | Großes Haus
Premiere + 15/08/21 | Großes Haus

Inhalt

»Wie wohl man sich fühlte bei geteilter Verantwortlichkeit und einem Selbstbewußtsein, das kollektiv war.«

Heinrich Mann zeichnet ein pointiertes Bild seiner Zeit – des Wilhelminischen Kaiserreichs – und übt beißende Kritik an dem Erstarken eines Nationalismus inmitten einer gesamtgesellschaftlichen Unsicherheit. Hellsichtig beschreibt er eine Welt, die auf den Abgrund zusteuert. In seinen Memoiren »Ein Zeitalter wird besichtigt« reflektiert er über »Der Untertan«: »Beendet habe ich die Handschrift 1914, zwei Monate vor Ausbruch des Krieges – der in dem Buch nahe und unausweichlich erscheint. Auch die deutsche Niederlage. Der Faschismus gleichfalls schon: Wenn man die Gestalt des ›Untertan‹ nachträglich betrachtet.« Mehr lesen

Sein Protagonist Diederich Heßling erscheint als chauvinistischer und präfaschistischer Konformist ohne Zivilcourage. Sohn eines Papierfabrikanten, von Natur aus schwächlich und feige, empfindet er seine kleinstädtische Umgebung als ständige Bedrohung. Doch schon bald lernt Diederich, wie man sich für erlittene Demütigungen durch Anbiederung an die Autoritäten oder an die dominierende Masse rächen kann. Opfer seiner Gegenschläge sind immer die nicht Akzeptierten und Diffamierten: »Aus Klötzen […] erbaute er auf dem Katheder ein Kreuz und drückte den Juden davor in die Knie. Er hielt ihn fest, trotz allem Widerstand. […] Was Diederich stark machte, war der Beifall ringsum«.

Heinrich Mann beschreibt mit geistiger Schärfe den Aufstieg von Heßling zum »ehrenwerten Mitglied der Gesellschaft«, in Wirklichkeit eine Geschichte des moralischen Niedergangs, – und das Scheitern einer ganzen Gesellschaft.

Mit Lust an der gesellschaftlichen Analyse sowie an der bitter-bösen Komik der Romanvorlage wird sich Mirja Biel mit diesem Psychogramm eines Karrieristen auseinandersetzen. Nach dem 2007 erfolgreich initiierten »Wagner-trifft-Mann«-Projekt, u. a. mit Dramatisierungen von Thomas Manns »Buddenbrooks«, »Der Zauberberg« und »Lotte in Weimar«, rückt dessen älterer Bruder Heinrich in seinem 150. Geburtsjahr in den Fokus – ein Finale unter Brüdern. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Mirja Biel
Kostüme Hannah Petersen
Musik Arpen, Jacob Müller
Licht Falk Hampel
Dramaturgie Degna Martens


Guste Daimchen, Diederichs Ehefrau Rachel Behringer
Die Mutter Robert Brandt
Staatsanwalt Dr. Jadassohn Jan Byl
Heinrich Mann Michael Fuchs
Dr. Diederich Heßling Heiner Kock
Major Kunze Johannes Merz
Regierungspräsident von Wulckow Henning Sembritzki
Napoleon Fischer Vincenz Türpe
Lohengrin-Sänger:in Virginia Felicitas Ferentschik, Simon Rudoff


Statisterie



Dauer ca. 2 Stunden, 50 Minuten (eine Pause)

Termine | Karten


So 24/10/21 | 16.00 Uhr

Großes Haus


Einführung um 18.30 Uhr im Mittelrangfoyer

Sa 13/11/21 | 19.00 Uhr

Großes Haus


Mi 08/12/21 | 19.00 Uhr

Großes Haus


Einführung um 18.30 Uhr im Mittelrangfoyer

Di 21/12/21 | 19.00 Uhr

Großes Haus


Weitere Termine anzeigen
Weniger Termine anzeigen

Pressestimmen

»Mirja Biel (…) macht daraus keine Vorlesung, sondern hat auch sichtbar Lust am Spektakel. Es ist ordentlich was los auf der Bühne und daneben und davor. Heiner Kock spielt diesen Diederich Heßling (…) mit großer Energie. (…) Da macht sich eine große Spielfreude breit, und die Regisseurin gibt ihr den Raum, den sie braucht. (…) Mirja Biel bleibt nicht stehen beim Text, sondern geht in ihrer Inszenierung über ihn hinaus bis hin zu den Denkmalstürzen unserer Tage. Sie arbeitet mit Videos und einer Live-Kamera. Sie lässt die Geschichte von wechselnden Akteuren erzählen, die sich immer wieder auch direkt ans Publikum wenden (…). Sie legt Wert auf Details (Kostüme: Hannah Petersen) und kann sich auf eine passgenaue Musik verlassen (Arpen). (…) Da gab es Szenenbeifall. Und am Ende langen Premierenapplaus. Mit allem Recht.« 


Lübecker Nachrichten

»Insgesamt aber gelingt Biel ein eher reduzierter, spielfreudiger Abend, bei dem das Geschehen auch mal in die verrauchte Unterbühne des Ratskellers abtaucht. Der Einsatz von Live-Musik – Behringer singt, Kock spielt das, wie er charmant entwaffnend zugibt, sorgsam präparierte Klavier – lässt immer wieder freiere, stimmungsvolle Szenen entstehen; meist bleibt der zeitgeschichtliche Kontext erhalten. Mit überzeugenden Schau­spie­le­r*in­nen – Vincenz Türpe als aufrührerischer, drohender Fabrik­arbeiter Napoleon Fischer sei unbedingt noch erwähnt – erzählt Biel den Roman als zart skizziertes Historiengemälde.« 


taz

»›Der Untertan‹ ist eine beeindruckende Arbeit, die weder Publikum noch Ensemble schont.« 


Theater heute

»Mit seinem Heßling gelang Heinrich Mann eine plastische Persiflage, zugleich eine satirische Analyse der damaligen Zeit, durchaus also wert, ihn an unserer Zeit zu messen. (…) Ein dramenträchtiger Charakter ist er, den sich Mirja Biel vornahm. Sie sah ihn, durchaus akzeptabel, als ein grandioses Vorbild für lebende Opportunisten und fügte aus den biografischen Ansätzen in Heinrich Manns Roman mit unterschiedlichsten Verweisen auf das Heute einen lebendigen Theaterabend zusammen.«


unser Lübeck

Weitere Informationen

Das Buddenbrookhaus bietet zu dem Vorstellungstermin von »Der Untertan« am 25/09, von 16.00 – 18.00 Uhr einen literarischen Stadtspaziergang an: www.buddenbrookhaus.de/programm

»Der Kaiser und sein Untertan«

Heinrich Mann neu gelesen
In Kooperation mit dem Buddenbrookhaus und der Heinrich Mann-Gesellschaft

Gäste aus den Geisteswissenschaften beleuchten in der Matinee-Reihe anlässlich von Heinrich Manns 150. Geburtsjahr das Wilhelminische Zeitalter, dessen Prototyp eines Konformisten er mit seinem Protagonisten schuf.

Termin 31/10, 11.00 Uhr, Theater-Restaurant Dülfer