Die Dreigroschenoper in Concert
Foto: Jörg Landsberg

Schauspiel

Die Drei groschen oper
in Concert

Piktogramm

von Bertolt Brecht
Musik von Kurt Weill

Wiederaufnahme 10/12/20 | Großes Haus

Inhalt

»Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.«

»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« – diese provokanten Fragen legt Bertolt Brecht dem legendären Ganoven und Womanizer Mackie Messer in der »Dreigroschenoper« in den Mund. Gleichzeitig lustvolle Milieuschilderung der Londoner Unterwelt sowie kritischsatirisches Porträt der politischen und gesellschaftlichen Eliten seiner Zeit: Parabelhaft siedelt Brecht die Handlung des Stücks in der Halbwelt der Bettler, Gangster und Prostituierten, im Londoner Stadtteil Soho an, wo sich zwei rivalisierende Geschäftsmodelle gegenüberstehen: Da ist zum einen der Unternehmer und »Bettler-König« Jonathan Peachum, der die Agentur »Bettlers Freund« betreibt und seine »Angestellten« nach dem Prinzip der Verwertungsoptimierung möglichst mitleiderregend ausstattet, um den maximalen Profit aus dem schlechten Gewissen der Besserverdienenden zu ziehen. Und da ist auf der anderen Seite die Gangsterbande um Macheath, genannt Mackie Messer, die sich dem Business von Raub und Mord verschrieben hat. Beide fischen im gleichen Teich, und als sich Peachums Tochter Polly hinter dem Rücken ihrer Eltern mit Macheath vermählt, eskaliert der Konflikt … Mehr lesen

Als Brechts »Dreigroschenoper« 1928 am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin uraufgeführt wurde, erntete der Autor einen sensationellen Erfolg. Auch die innovative Musik von Kurt Weill, in die der Komponist Stilelemente von Blues, Jazz, Tango und Jahrmarktsmusik aufnahm, trug sicherlich zum phänomenalen Erfolg bei. Gleichzeitig Provokation und Spektakel mit legendären Songs wie »Die Moritat von Mackie Messer«, »Die Seeräuber- Jenny« oder dem »Kanonen-Song«, wurde »Die Dreigroschenoper « zum erfolgreichsten deutschen Bühnenwerk des 20. Jahrhunderts. Der Regisseur Malte C. Lachmann, der in der Spielzeit 2016/17 mit dem anarchischen Musical »Monty Python’s Spamalot« bereits das Publikum am Theater Lübeck begeistern konnte, wird diesen Welterfolg auf die Bühne bringen. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Malte C. Lachmann
Kostüme Tanja Liebermann
Musikalische Einstudierung Willy Daum
Musikalische Leitung Jan-Michael Krüger
Gesangscoach Turandocht von Arnim
Licht Kevin Sock
Dramaturgie Katrin Aissen


Macheath, genannt Mackie Messer Michael Fuchs
Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma »Bettlers Freund« Henning Sembritzki
Celia Peachum, seine Frau Astrid Färber
Polly Peachum, seine Tochter Charlotte Kintzel
Ein Moritatensänger / Brown, oberster Polizeichef von London Andreas Hutzel
Lucy, seine Tochter / Vixen, eine Hure / Bettler Rachel Behringer
Die Spelunken-Jenny / Bettler Susanne Höhne
Smith / Pastor Kimball / Bettler Johannes Merz
Filch / Münz-Matthias / Konstabler Will Workman
Hakenfinger-Jakob / Konstabler / Bettler Johann David Talinski
Säge-Robert / Bettler / Konstabler Heiner Kock


Musiker Urs Benterbusch, Anna Bertram, Jonathan Göring, Tobias Hain, Edgar Herzog, Andreas Hutzel, Peter Imig, Marc Löhrwald, Laszlo Pete


Termine | Karten


Do 10/12/20 | 19.30 Uhr Wiederaufnahme

Großes Haus


Pressestimmen

»Malte C. Lachmann hat die Huren, Bettler und Ganoven schnörkellos, ohne einen Funken Räuberromantik auf die Lübecker Bühne gebracht. Sein Konzept geht auf: Er zeigt die Gnadenlosigkeit des Milieus, bricht die Härte aber immer wieder durch Humor und mit Hilfe der unverwechselbaren Musik Kurt Weills auf. [...] Noch etwas machte diese Inszenierung besonders: Die Figuren wurden nie der Lächerlichkeit preisgegeben, sie waren anrührend, beängstigend oder hilflos. Sie waren prollig und gänzlich ohne Stilgefühl. Aber man zollte ihnen Respekt. [...] Ein sehenswertes Stück, das auf allen Ebenen gelungen ist.«


Lübecker Nachrichten

»In Lübeck zeigt nun […] Regisseur Malte C. Lachmann mit einem draufgängerischen Ensemble, wie das überzeitlich gültige Stück Spaß und Eindruck zugleich machen kann […]. Lachmann […] spielt auf das eine oder andere lediglich an, das erhöht den Genuss. […] Der geradezu umwerfende Andreas Hutzel (Moritatensänger/Polizeichef Brown) singt in Lübeck zum Auftakt die ›Moritat von Mackie Messer‹ [...] Lachmann aber zieht die Show sowohl ab als auch durch. Zunächst glitzern nur einige Elemente […]. Zum Schluss […] wallte in güldener Lametta-Vorhang über den Containern, davor fällt Glitzerkonfetti-Regen. Damit steigert Lachmann den V-Effekt, die kritische Reflexion wirkt durch den krassen Wechsel von Elend zu Luxus, durch vorgaukeln im Spiel, durch Inszenierungsinszenierung lebendig und zeitgemäß.«


Die Welt

»[...] jetzt wird ihre ›Dreigroschenoper‹ am Theater Lübeck in die heutige Zeit geholt – und das ist so überzeugend, dass ich noch Tage nach der Premiere [...] überall die Elendsgestalten aus dieser Inszenierung sehe: [...] es ist, als hätte Tanja Liebermann (Kostüme) tagelang unter den Armen gelebt. [...] Szenenfolge und Musik des Brecht-Teams werden eins zu eins übernommen, doch der Gesang ist heutiger, leidenschaftlicher bei den Frauen, kein Gedanke mehr an Oper, eher an Punk, oft wie im Streit, und die karikierenden Stellen [...] werden wunderbar selbstironisch überbetont. Das Stück lohnt die Fahrt nach Lübeck, von Lachmanns Aufführung wird man noch hören. [...] In der Hansestadt ist [...] eine [Inszenierung] zu erleben, die ernst nimmt, was Brecht, Hauptmann und Weill wollten: ihre Zeitgenossen erreichen.«


junge Welt

»Die ganz große Show soll hier abgehen, das möchte uns der großartige Andreas Hutzel in seiner expressionistisch überkandidelten Kinski-Performance weismachen [...]. Und voilà, schon ist die Dreigroschenoper vom kuschelig verschmuddelten Soho direkt in den Prekariatszonen des 21. Jahrhunderts angekommen. [...] Klar, Show wird hier auch gemacht [...]. Und den V-Effekt schraubt der Regisseur so lange weiter in die ausgestellte Übertreibung, bis auch der letzte Realismus-Verdacht ausgeräumt ist. Überraschend, wie gerade daraus auch wieder Momente unverhoffter Wahrhaftigkeit entstehen und sich etwa die junge Liebe von Polly und Mackie kurz mal vom Abziehbild löst. [...] Das hat zynischen Witz und eine Nachdenklichkeit, die Brechts Kapitalismuskritik unüberhörbar Tribut zollt.«


Kieler Nachrichten

»Folgerichtig stellte Malte C. Lachmann, Regisseur dieser Bühnenversion, ganz auf die geniale Musik ab, bat den Zuschauer in ein Varieté, weil Weill dem Stück das gab, was es so ungemein genießbar macht: eine Musik, der man sich hingeben kann [...]. Gesungen wurde prächtig, im Ensemble wie im Solo, bei Einzelnen der Oper sehr nah und mit prallen, gut inszenierten Tableaus. Das und das vehemente Spiel machte großes Vergnügen [...].«


unser Lübeck

»In dieser unterhaltsamen Inszenierung wurde der Gedanke des epischen Theaters mit aufgenommen. [...] Das Highlight der Inszenierung sind eindeutig die Musikstücke, die an Blues, Jazz und sogar Tango erinnern. ›Die Dreigroschenoper‹ ist eine bitterböse und zeitlose Satire über die großen und kleinen kriminellen Haie. Ein Stück Kapitalismuskritik mit fabelhafter musikalischer Untermalung mit großartigen Darstellerinnen und Darstellern. Eine gelungene fast dreistündige Aufführung, die nicht nur am Schluss begeisterten Applaus bekam, sondern auch viel verdienten Zwischenapplaus.«


Offener Kanal Lübeck

»Ein fettes Stück Theater [...]. Lachmann [...] schlägt auch mit dem Brecht-Stück wunderbar anarchisch über die Stränge. [...] Michael Fuchs, ein Neuer im Ensemble, führt sich in seine Rolle als Ganovenkönig wunderbar ein in das hochmusikalische Ensemble. ›Die Moritat von Mackie Messer‹, ›Die Seeräuber-Jenny‹, ›Der Kanonensong‹, es geht Schlag auf Schlag und die Bühnentruppe gibt ordentlich Gas bei ihrem Treiben im Milieu.«


Lübeckische Blätter

»Malte C. Lachmann inszenierte ›Die Dreigroschenoper‹ ironisch, augenzwinkernd [...]. Eine sehr amüsante Idee: Andreas Hutzel als reitenden Boten, der sein ›Reittraining‹ in der [...] ›Spamalot‹ Inszenierung erhalten hatte. Eine unterhaltsame Vorstellung [...]. Das Publikum zeigte sich begeistert [...].«


ultimo

»Eigentlich müsste die Geschichte [...] verbrannt sein, oder zumindest verstaubt [...], wenn es nicht Weills provokante Verstärkung per Musik gäbe. Die wirkt rau und ungehobelt, die Stimmen, insbesondere von Sybille Lambrich (Polly) und Susanne Höhne (Jenny) karikieren schönen Gesang. Im Orchestergraben stellt Willy Daum die akustischen Brüche wieder her, die der Lauf der Zeit zugeschüttet hat. Das Premierenpublikum ist begeistert, spendet Szenenapplaus und am Ende lang anhaltenden Beifall.«

 


shz