Die menschliche Stimme / Das Telefon
Foto: Jochen Quast

Musiktheater

Die menschliche Stimme /
Das Telefon

Piktogramm

Doppelabend

Die menschliche Stimme
(La voix humaine)

Monooper von Francis Poulenc (1899‑1963)
Libretto von Jean Cocteau (1889‑1963)

Uraufführung 1959 in Paris

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Das Telefon
oder »L’amour à trois«

Kammeroper von Gian Carlo Menotti (1911‑2007)

Uraufführung 1947 in New York

Lübecker Erstaufführung

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere 28/08/20 | Großes Haus
Premiere + 30/08/20 | Großes Haus

Inhalt

»Früher traf man sich. Konnte das Unmögliche wagen. Ein Blick und alles konnte anders sein. Aber mit diesem Apparat hier ist Schluss und aus.«

Tele-Kommunikation im Wandel der Zeit

Anno 1930. »Hallo, wir sind zu mehreren in der Leitung, legen Sie auf!« – »Hallo! Man unterbricht uns.« Vor unserem geistigen Auge tauchen junge Damen aus alten Filmen auf, wie sie eifrig zahllose Verbindungskabel in zahlreiche Buchsen stecken. Mehr lesen

Telefonieren als Mangelkommunikation. Jean Cocteau zeichnet 1930 in »Die menschliche Stimme« eine Frau, die Realitätsverweigerung ins Extrem treibt – aus Angst vor einem Leben mit dieser Realität. Das Telefon scheint ihr ideales Medium, um den Geliebten zurückzugewinnen. Sie muss jedoch erkennen, dass die vermeintlich beste Waffe sich gegen sie kehrt: »Früher traf man sich. Konnte das Unmögliche wagen, den Geliebten mit Küssen und Umarmungen überzeugen. Aber mit diesem Apparat hier ist Schluss und aus.« Francis Poulenc lässt daraus 1958 die Seelenlandschaft einer irrsinnig Liebenden entstehen.

Anno 1975. Wer erinnert sich noch an den Sound der Wählscheibe und das Klicken vom Viertelanschluss?

Telefonieren als Fetisch. Lucy kann nur per Telefon kommunizieren. Sie will auch gar nicht anders; reale Gespräche von Angesicht zu Angesicht sind ihre Sache nicht. Und würde Ben sie nicht mit ihren eigenen Mitteln stellen, wo bliebe das Happy End? Gian Carlo Menotti beweist 1946 in seinem musikalischen Sketch »Das Telefon oder L’amour à trois«, dass die Telefonitis schon vor Jahrzehnten grassierte. Uns stehen heute bloß schlagkräftigere Mittel zur Verfügung …

Anno 2020. Man stelle sich vor: Corona-Lockdown ohne Smartphone oder Zoom-Konferenzen. Und doch: »Früher traf man sich …«. Zwei Einakter, die einmal als feinsinniges Psychogramm und einmal als skurril-amüsante Farce, Möglichkeiten und Grenzen der Tele-Kommunikation beleuchten.
(Rainer Vierlinger) Weniger anzeigen

Besetzung

Musikalische Leitung Stefan Vladar
Ausstattung Vibeke Andersen
Licht Falk Hampel


Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck



Die menschliche Stimme (La voix humaine)

Inszenierung, nach einem Aufführungskonzept von Vibeke Andersen und Rainer Vierlinger Bernd Reiner Krieger





Das Telefon oder »L’amour à trois«

Inszenierung Rainer Vierlinger





Dauer ca. 1 Stunde, 20 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Sa 05/12/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus

Muss leider entfallen.


Fr 11/12/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus

Muss leider entfallen.


So 31/01/21 | 16.00 Uhr

Großes Haus
Abo: Theaterfahrt am Nachmittag


So 31/01/21 | 19.30 Uhr

Großes Haus


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Pressestimmen

»Wie [María Fernanda Castillo] die Partie der verlassenen Frau […] gestaltete, war ein Erlebnis. Die Rolle erfordert stimmlich ein unglaublich großes Maß an Ausdrucksmöglichkeiten, schauspielerisch reicht die Palette von tiefster Verzweiflung bis hin zu Euphorie – eine Mammut-Aufgabe. Und María Fernanda Castillo wurde diesen Anforderungen bestens gerecht. […] Begeisternd war dieser Auftritt, hinreißend und bewegend zugleich. […]
Der Beifall galt aber auch dem auf der Bühne platzierten Orchester und seinem Dirigenten Stefan Vladar. Vladar begleitete die Sängerin einfühlsam und mit feinstem Gefühl – auch das eine großartige Leistung.
Beiden Darstellern [Andrea Stadel und Johan Hyunbong Choi] war die Freude am Unfug anzumerken, den sie zu singen und zu spielen hatten. Und sie machten das Beste aus Menottis Musik, die eher nach Broadway als nach Opernhaus klingt. Ein wunderbarer Spaß, gerade einmal 20 Minuten lang, aber kraftvoll und bühnenwirksam. Auch nach diesem zweiten Stück des Abends war der Beifall groß.«


Lübecker Nachrichten

»María Fernanda Castillo als Frau gelingt eine ungemein bezwingende gesangliche und darstellerische Umsetzung. Von der ersten Sekunde an zieht sie die Zuschauer in ihren Bann und lässt sie nicht wieder los. […]
Andrea Stadel und Johan Hyunbong Choi als Lucy und Ben geben das Kammerspiel mit scheinbar müheloser Stimmbewältigung und trocken-komischem Spielgestus, der dem angelsächsischen Ursprung der Vorlage perfekt gerecht wird. […] Die Stimme ist klangschön in das Orchesterspiel integriert. Handwerklich eine Meisterleistung der Balance zwischen der Sängerin und dem Orchester. Lübecks Generalmusik- und Operndirektor Stefan Vladar leitet das Team des Hauses mit Umsicht und kann die stark unterschiedlichen Charaktere der Musik der beiden Werke überzeugend gegenüberstellen. Der Zuspruch ist so begeistert und lang, dass man für einen Moment vergessen will, wie dezimiert die Reihen sind.«


O-Ton

»Die vielsagend ins Nichts lauschenden Generalpausen und traumhaft-traumatisch changierenden Klänge von Poulencs Pariser Musiktheater-Version werden von den Philharmonikern unter der Leitung von Generalmusikdirektor Stefan Vladar feinsinnlich ausgestellt. […] Grandios obsessiv steigert sich die mexikanische Sopranistin María Fernanda Castillo in das deklamierende Parlando hinein und weckt so sogar Assoziationen an Arnold Schönbergs an sich weit expressivere »Erwartung«. […] Dafür hagelt es [...] zu Recht Bravi.«


Die Deutsche Bühne online

»Höchsterfreulich und absolut überzeugend in jeder Hinsicht war der mit Spannung erwartete Doppelabend mit zwei Telephon-Opern. […] Diese Dame wird gesungen und gespielt von María Fernanda Castillo und was sie da am Premierenabend abgeliefert hat, war eine absolut hochkarätige Leistung in perfektem Zusammenspiel aus sehr anspruchsvollem Gesang in den unterschiedlichsten Stimmungsfärbungen und Tonstärken vom verliebten Gurren über den hysterischen Ausbruch bis zur tiefsten Verzweiflung.[…] Die Sopranistin Andrea Stadel als Lucy und der Bariton Johan Hyunbong Choi als Ben boten in dieser Opera buffa weit mehr als Broadway-Slapstick. Der frische, humorvolle Charakter der Musik mit ihrem zum Telephon-Geplauder passenden dynamischen Rhythmus wird in Gesang und Spiel des Paares großartig aufgenommen. […] Perfekt war dieser erste Premierenabend im Lübecker Theater, das mal wieder gezeigt hat, dass es nicht nur eines der besten Häuser im Norden ist, sondern souverän auch echte Krisen meistert.«


Der Opernfreund

»Es ist eine Rolle, die die Mexikanerin María Fernanda Castillo mit Bravour meistert, in der monologischen Gestaltung von Anbeginn überwältigend. Ihr warmer Sopran durchmisst alles, die verführende Melancholie wie die hysterische Expression. Dazu spielt sie ihren Part äußerst überzeugend. […] ›Das Telefon oder L’amour à trois‹, die einaktige Opera buffa von ca. 20 Minuten Dauer zu Menottis eigenem Libretto, sprüht vor Temperament. […] In diesem Zweipersonenstück gibt Andrea Stadel der Lucy eine hinreißend quirlige Exzentrik, vermeidet gekonnt eine äußerliche Klamotte. Das gelingt ihr vor allem durch ihre variable stimmliche Leichtigkeit, mit der sie ihre Telefonate führt, ansteckend in ihrer Lach-Arie mit grandiosen Koloraturen.«


unser Lübeck

»Spiel und Gesang sind grandios, 40 Minuten lang macht die Castillo vergessen, dass sie gar keinen Gegenspieler hat, an dem es Orientierung gäbe. […] Dann öffnet sich der Vorhang für die von Rainer Vierlinger inszenierte Zwei-Personen-Farce ›Das Telefon‹, und auch hier hat sich mit der kapriziösen Andrea Stadel als Lucy und Johan Hyunbong Choi als Ben eine glückliche Besetzung ergeben. (…) Die Meinung ist einhellig: Der Abend ist hervorragend gelungen. Und er bringt die seltsame Erkenntnis, dass selbst ein Virus mindestens zwei Seiten hat.«


shz

»Das Theater Lübeck hat mit María Fernanda Castillo ein gesangliches Schwergewicht mit der Rolle der Dame betraut. War sie schon als Violetta unschlagbar, so ist sie in dieser Rolle schlichtweg sensationell, berührend und ergreifend mit grandiosen Spitzentönen. Sie spielt ihre Rolle nicht nur; sie geht darin förmlich auf. Man nimmt ihr jede Geste, jede Mimik ab, nichts wirkt aufgesetzt. Eine tolle Leistung! (…) Das auf ›Kammerformat‹ reduzierte Orchester (diesmal im Orchestergraben) unter GMD Stefan Vladar verlieh dieser Satire einen beeindruckenden, schwungvollen und dennoch feinsinnigen Orchesterklang. Ein gelungener Auftakt einer ungewöhnlichen Saison.«


Ihr Opernratgeber

»Lübecks Oper eröffnet überaus eindrucksvoll die Saison […] Das Publikum feierte begeistert das Erlebnis in seinem Theater. […] Großartig durchmisst die melodische Artistik der mexikanischen Sopranistin [María Fernanda Castillo] die Gefühlswelten. Bohrende, fiebrige Stimmgewalt steht neben gehauchter Abgründigkeit auf der Achterbahn der Emotionen. […] Musikchef Stefan Vladar zaubert mit den Philharmonikern ein sensualistisches Klangbild, wie es sich der Komponist gewünscht hatte. […] Andrea Stadel und Johan Hyunbong Choi kitzeln den Witz pointiert heraus in Rainer Vierlingers flotter Inszenierung. Das kleine Orchester mit Stefan Vladar, nun im Graben, pfeffert die musicalartige Kammeroper – ein verheißungsvoller Spielzeitauftakt.«


Lübeckische Blätter

»Von der Protagonistin verlangt diese lyrische Tragödie eine exzellente Gesangstechnik und eine intensive Darstellungskunst. Maria Fernanda Castillo ist ›La Femme‹, eine psychisch labile Frau, die ein letztes Telefongespräch mit ihrem Ex-Geliebten führt, der offenbar am nächsten Tag eine andere heiraten wird, und sie bewältigt diese emotionale Achterbahnfahrt auf grandiose Weise. Mit ihrem dunkel timbrierten, klaren, nuanciert eingesetztem Sopran zieht sie alle Register der Palette von Liebe, Sinnlichkeit, Hoffnung, Schmerz, Wut, Leidenschaft, Verzweiflung, bis hin zum Wahn, am Ende mit der Telefonschnur den Selbstmord andeutend. […] Als quirlige Lucy ließ Andrea Stadel ihren schön timbrierten lyrischen Sopran ertönen, und als verzweifelter Ben brillierte der charmante lyrische Bariton Johan Hyunbong Choi […]. Das […] von GMD Stefan VIadar geleitete kleine Orchester untermalte feinsinnig das amüsante Treiben auf der Bühne.«


Der neue Merker

Diese ursprünglich geplante Produktion wurde aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf die Spielzeit 2021/22 verschoben:

Medea

Oper von Luigi Cherubini
Eine Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart
Lübecker Erstaufführung

Musikalische Leitung Stefan Vladar
Inszenierung Peter Konwitschny
Ausstattung Johannes Leiacker