Engel in Amerika
Foto: Falk von Traubenberg

Schauspiel

Engel in Amerika

Piktogramm

von Tony Kushner
Deutsch von Frank Heibert

Premiere 08/11/19 | Kammerspiele

Inhalt

»Infizier mich.«

Korruption, Sex, Machtmissbrauch, Liebe, Aids, Lebenslügen und tief sitzende Vorurteile – Tony Kushner zeichnet in seinem preisgekrönten Theaterstück ein Zeitbild der 80er-Jahre, angesiedelt in einem von konservativen Strömungen geprägten, kapitalistischen Amerika. Mit seinem prallen Figurenarsenal und einer Vielzahl an Handlungssträngen entwirft Kushner ein fein gewebtes Netz an menschlichen und beruflichen Beziehungen: Wir begegnen dem Vertreter eines korrupten Rechtssystems, dem Topanwalt Roy Cohn, der sein Vergnügen daran findet, als skrupelloser Strippenzieher hinter den politischen Kulissen Einfluss zu nehmen. Sein politischer Ziehsohn Joseph Porter Pitt teilt Roys konservative Überzeugungen und versucht – als gläubiger Mormone – seine Homosexualität zu unterdrücken. Josephs valiumsüchtige Ehefrau Harper kämpft mit Depressionen und erschafft sich in ihren Halluzinationen eine eigene Welt. Parallel dazu treffen wir auf den an Aids erkrankten Prior und seinen völlig überforderten Freund Louis – der mit Krankheit und Sterblichkeit nicht umgehen kann. Louis verlässt Prior und beginnt eine Affäre mit seinem Arbeitskollegen Joseph Porter Pitt. Tony Kushner zeigt uns Menschen im Ausnahmezustand: Jede der Figuren kämpft mit ihren inneren Dämonen. Doch auch die Metaphysik blitzt immer wieder auf: So etwa, wenn Prior im Krankenhaus seinen Vorfahren aus dem 13. und 18. Jahrhundert begegnet oder wenn ein Engel plötzlich über dem Bett von Prior schwebt … Sein vielschichtiges Stück wurde mit Preisen überhäuft – darunter der Pulitzerpreis und der Tony Award – und mit großem Erfolg in einer sechsteiligen Fernsehserie mit Al Pacino, Meryl Streep und Emma Thompson verfilmt. Mehr lesen

Mit seiner Verquickung von Philosophie, Politik und der Thematisierung von Geschlechterrollen entwickelt Tony Kushner nicht nur eine scharfsinnige Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse der Reagan-Ära – einer Periode, die von vielen als Zeit des konservativen Backlashs und als Ursprung heutiger Ideologien angesehen wird –, sondern stößt auch eine sehr aktuelle Diskussion an: Wie gehen wir heute mit Diskriminierung, mit Geschlechter-Normierungen um? Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Marco Štorman
Kostüme Sara Kittelmann
Musik / Komposition Thomas Seher
Licht Georg Marburg
Dramaturgie Katrin Aissen


Herr Lüg Astrid Färber
Prior Will Workman
Louis Heiner Kock


Live Sound Design Thomas Seher


Dauer ca. 2 Stunden, 25 Minuten (eine Pause)

Pressestimmen

»Da ist der schwer erkrankte Prior, den Will Workman eindringlich zwischen Aufbegehren, Coolness, Verletztheit und Todesangst darstellt. [...] Heiner Kock als Louis changiert überzeugend zwischen dem sensiblen Verführer und dem von Gewissensbissen geplagten Mann, der seinen kranken Freund verlassen hat. Und Peter Elter in der Rolle des angepassten Heteros Joe, der seine Homosexualität entdeckt, nimmt man den Konflikt umstandslos ab. [...] Und dann ist da noch der erzkonservative Topanwalt Roy Cohn [...]. Eine Paraderolle für Robert Brandt, der in albernen Klamotten eine feine Show abziehen darf und der Figur viele Facetten verleiht. [...] Sie [Astrid Färber] setzt Glanzlichter mit ihren Gesangseinlagen. [...] Bei all den bunten Bildern und den Diskokugeln glänzten die Darsteller aber vor allem in den ruhigen Momenten [...]. Viel Applaus und Bravos gab es am Ende.«


Lübecker Nachrichten

»Da ist der geheimnisvoll schillernde Herr Lüg (grandios gegeben von Astrid Färber), der den dünnen Schleier schönen Scheins über der feinen Gesellschaft wabern lässt. [...] Gleichwohl kratzen insbesondere Robert Brandt als Roy und Will Workman als Prior hüftschwingend und stöckelnd an den Grenzen vermeintlicher Normalität und zwingen den Blick auf das, was alle Menschen gleich macht: das Streben nach Glück. Da ist hohe Schauspielkunst zu besichtigen.«


shz

»Alles an seiner Inszenierung ist Drag, ist Glitzer und Schminke (Kostüme: Sara Kittelmann). Das ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, bricht aber den heute ein wenig altbacken wirkenden Abbildungsrealismus der Vorlage auf optisch nicht uninteressante Weise. [...] Was durch den Nebel dringt, sind allemal tolle Ausstattungssituationen (Bühne: Michael Köpke): von hinten beleuchtete Schauspieler im mit Nebel gefüllten Glaskasten. Super. Beunruhigend. Leer.«


nachtkritik

»Großen Anteil am Erfolg hat der Musiker Thomas Seher, der das Spiel mit elektronischen Klängen unterlegt und die Songs von Astrid Färber begleitet.«


HL-live

»Es ist der Beginn einer dezenten, dennoch gleißenden Show, in der außergewöhnliche Charaktere im Mit- und Gegeneinander vorgeführt werden. Alles glitzert, das immer wieder verstreute glänzende Konfetti auf Michael Köpkes Bühne mit sich spiegelnden Flächen und mit zahllosen Discokugeln auf dem Boden. Auch Sara Kittelmanns schrille Kostüme unterstützen mit ihren Arrangements das Spiel [...]. Der Zuschauer ist erschlagen von viel Bühnenzauber und durch hinreißende Darstellerlust, die dem historischen Gemenge einen Teil von Schwere und Unübersichtlichkeit nehmen. [...] Es gab langen Premierenbeifall.«


unser Lübeck

»Glitzernde und schillernde Persönlichkeiten und leibhaftige Engel. Große Emotionen. Das bringt Regisseur Marco Štorman mit seiner Inszenierung von Tony Kushners ›Engel in Amerika‹ auf die Bühne. [...] Das belohnte das Premierenpublikum mit lang anhaltendem Applaus.«


ultimo