Ghetto
Foto: Falk von Traubenberg

Schauspiel

Ghetto

Piktogramm

von Joshua Sobol
Deutsch von Jürgen Fischer

Digitale Premiere auf dringeblieben.de 30/04/20

Premiere 15/05/21 | Kammerspiele
Premiere + 16/05/21 | Kammerspiele

Inhalt

»Es ist nur noch ein Schritt vom Humanismus zum Nationalismus. Und ein weiterer zur Bestialität.«

Der Puppenspieler Srulik erinnert sich an die letzte Vorstellung des Ghetto-Theaters. Eng verwoben mit wahren Begebenheiten führt Sruliks Geschichte zurück ins Jahr 1942. In der litauischen Hauptstadt Vilnius, zur Jahrhundertwende das Zentrum der jüdischen Kultur und »Jerusalem des Nordens« genannt, wurde die jüdische Bevölkerung von den deutschen Nationalsozialisten in das Ghetto getrieben. Jakob Gens, der Chef der jüdischen Ghettopolizei, hat sich mit dem SS-Führer Hans Kittel arrangiert und versucht pragmatisch die Zahl der Opfer gering zu halten. Das Ghetto-Theater gründete er, um Juden ohne Arbeitsgenehmigung vor der Erschießung zu retten, auch um ihre Selbstachtung und den Lebenswillen zu stärken. Doch heiligt der Zweck die Mittel? Gens stößt auf Protest, der Bibliothekar und Aktivist Herman Kruk vom Sozialistischen Bund lässt plakatieren: »Auf dem Friedhof spielt man kein Theater!« Joshua Sobol schrieb sein Stück auf Grundlage von Kruks Chronik des Ghettos. Mehr lesen

Im Zwiegespräch mit seiner vorlauten Puppe setzt sich Srulik für die berühmte Sängerin Chaja ein, die wie viele der Künstler:innen im Ghetto um ihr Leben spielt. In Szenen und jüdischen Liedern, die im Ghetto von Vilnius geschrieben wurden, begegnen wir Chaja, Srulik und den anderen Charakteren, die mit dem mörderischen Wahnsinn der Nazis umgehen müssen. Sie sind der zynischen Tyrannei des SS-Offiziers Kittel ausgeliefert, der jüdischen Humor, Jazz und Gershwin liebt – und ein gnadenloser Mörder ist.

Malte C. Lachmann, der zuletzt am Theater Lübeck »Die Dreigroschenoper« und »Alice« inszenierte, wird mit Joshua Sobol, einem Ensemble von Schauspieler:innen und Puppen die tragische Ökonomie von Überleben und Tod befragen. Dürfen einzelne Menschen geopfert werden, um andere zu retten? Welche Antworten geben Religion, Wissenschaft und Kunst? Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Malte C. Lachmann
Musikalische Leitung/Arrangements Willy Daum
Puppenbau/Beratung Judith Mähler
Jiddisch-Betreuung Martin Quetsche
Dramaturgie Anja Sackarendt


Srulik, ein Puppenspieler und die Puppe Lina Will Workman
Kittel, ein Nazi-Offizier Andreas Hutzel
Weiskopf, ein Unternehmer Vincenz Türpe
Chaja, eine Sängerin Kathrin Hanak
Gens, Leiter des Ghettos Henning Sembritzki
Kruk, der Chronist und Ghetto-Bibliothekar Heiner Kock
Dessler, jüdischer Ghettopolizei-Offizier Sven Simon
Kinder Statisterie


Puppen:
Gerstein / Tobias / Helena / Rabbi Heiner Kock
Abraham / Jankel Vincenz Türpe
Lea / Luba Kathrin Hanak
Umah Sven Simon
Itzig Will Workman


Musiker:
Chaikin Edgar Herzog
Schloime Peter Imig
Feivel Tobias Hain
Moishe Willy Daum


Dauer ca. 1 Stunde, 40 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Sa 15/05/21 | 20.00 Uhr Premiere

Kammerspiele
Abo: S.1


So 16/05/21 | 18.30 Uhr Premiere +

Kammerspiele
Abo: S.1+


So 23/05/21 | 18.30 Uhr

Kammerspiele


Sa 29/05/21 | 20.00 Uhr

Kammerspiele


So 30/05/21 | 16.00 Uhr

Kammerspiele
Abo: S.7


Sa 05/06/21 | 20.00 Uhr

Kammerspiele


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Pressestimmen

»Kittel wähnt sich dort als Herrenmensch über Leben und Tod. (…) Hutzel verkörpert diesen Zyniker Übelkeit erregend gut. Sein Gegenspieler ist Srulik, der, einem Hofnarren ähnlich und Kittel zur Unterhaltung, das Geschehen im Zwiegespräch mit seiner Puppe Lina begleitet. In dieser Gemengelage versucht Gens, die Zahl der Opfer pragmatisch klein zu halten. So viele wie möglich am Leben zu halten, heißt aber auch, andere in den Tod zu schicken. (…) Henning Sembritzki spielt diese Rolle ohne Verzweiflungsspektakel. Genau mit dieser nüchternen Zurückhaltung zeichnet er einen an seiner Aufgabe zerbrechenden Gens mit kraftvollen Linien. Geschickt oder talentiert, stolz oder willfährig, talentiert oder dumm, mutig, feige: Es geht um Menschen. Denen gibt Lachmann Gesichter. (…) Das Spiel ist packend, die Inszenierung, man schämt sich fast, es so zu nennen, ein Genuss, auch ein musikalischer. Die jüdische Sängerin Chaja (Kathrin Hanak) holt für Kittel die › Fesche Lola‹ und Gershwins ›Swanee‹ hervor, vor allem aber sind wunderbare jiddische Lieder mit bitteren Texten zu hören, die damals für das Ghettotheater von Vilnius geschrieben wurden.«


shz zum »Stream: Ghetto«

»Vor allem Andreas Hutzel als zähnefletschender Kittel, Henning Sembritzki als gebrochener, nach außen Härte auftragender Jakob Gens und der Gesang Kathrin Hanaks grundieren das Geschehen in der Grausamkeit, die die existenziellen Fragen hervorbringt: Widerstand leisten? Unheil gegen Unheil abwägen? Kapitulieren, weil man sowieso machtlos ist? Das sind die Fragen, die Lachmann aus ›Ghetto‹ herausholt.« 


nachtkritik.de zum »Stream: Ghetto«

»So sind die Eckpfeiler der Debatte abgesteckt, die Malte C. Lachmann nicht als bleiernes Lehrstück inszeniert, sondern als ein Kammerspiel, in das sich immer wieder Musik (Leitung Willy Daum) schiebt. Die ›Fesche Lola‹ etwa oder George Gershwins ›Swanee‹, weil Kittel auch den Jazz schätzt. Vor allem aber jiddische Lieder, die damals in Vilnius für das Ghettotheater geschrieben wurden. Kathrin Hanak, die die Chaja spielt, erweist sich dabei als eine großartige Sängerin. ›Es ist eure Aufgabe, uns daran zu erinnern, wer wir sind‹, sagt Jakob Gens zu den Schauspielern, als auf Kittels Order hin im Ghetto Theater gespielt werden soll. Das ist wohl so, nicht nur in Vilnius im Jahr 1942. Und es gelingt auch im Onlinestream.«


Lübecker Nachrichten zum »Stream: Ghetto«

»Zu sehen ist eine bewegende, für den Bildschirm hervorragend umgesetzte  Inszenierung, die mit ihrer ästhetischen Qualität dem gefesselten Zuschauer einen Spiegel vorhält. (…) Dieser Inszenierung ist ein langes Bühnenleben zu wünschen. Am besten natürlich vor leibhaftigem Publikum, doch auch der Stream ist ein Kunststück, besonders dann, wenn er auf die Gesten, Aktionen und Interaktionen des Puppenspielers Srulik und seiner Puppe Lina fokussiert. Die beiden sind das Herz des Dramas.« 


Lübeckische Blätter zum »Stream: Ghetto«