Ich distanziere mich von allem (und jetzt gut’ Nacht)
Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel

Ich distan ziere mich von allem
(und jetzt gut’ Nacht)

Piktogramm

von Kat Kaufmann

Eine Koproduktion des Theater Lübeck und des Theater Rampe

Uraufführung

Wiederaufnahme 15/11/19 | Junges Studio

Inhalt

»Es ist ein Luxus, seine Herkunft verschleiern zu können.«

Das Theater Lübeck zeigt in Kooperation mit dem Theater Rampe Stuttgart die Uraufführung von Kat Kaufmanns Theatertexts »Ich distanziere mich von allem (und jetzt gut’ Nacht)« in der Inszenierung von Marie Bues.

Die Schauspielerin Rachel Behringer öffnet in diesem energischen Monolog die Innenwelt der Alina Schömburg, einer Frau, die sich aus ihrem Alltag ins Weltgeschehen schwingt. Mit DIY-Videos zum Thema »Wie halte ich meine Haut jung ohne Skalpell« vernetzt sie sich mit Gestalten der Gegenwart, arbeitet von Zuhause am Bildschirm. Mehr lesen

Sie ist immer auf Sendung: Selfies überall. Aspekte-Literaturpreisträgerin, Komponistin und Fotografin Kat Kaufmann schreibt rasant, wie ihre Figur zwischen Selbstinszenierung und kosmischem Überblick und Überforderung schlingert. Zwischendurch klingelt das Telefon: »Nein Mama, du holst Papa jetzt nicht ans Telefon!« Die Erinnerung an das Vertraute in der eigenen Vergangenheit schleicht sich in die befremdliche Gegenwart. Freunde und Bekannte, alle versuchen in ihr zu leben, in Bildern und Mitteilungen. Es ist die Rede von Freiheit, von Auflehnung gegen Normierungen aller Art und Geschlechterzuschreibung im Besonderen. Text, Bilder und Musik vermischen sich, innen und außen – wird alles eins live im Jetzt?

Marie Bues, Regisseurin und Intendantin des Theater Rampe, inszenierte in der Spielzeit 2017/18 Jelineks Drama »Das Licht im Kasten«. In dieser Spielzeit wird sie gemeinsam mit der Choreographin Nicki Liszta die Regie der Uraufführung von Sivan Ben Yishais »DIE TONIGHT, LIVE FOREVER oder DAS PRINZIP NOSFERATU« übernehmen. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Marie Bues
Ausstattung Heike Mondschein
Musik und Video Kat Kaufmann
Dramaturgie Anja Sackarendt




Dauer ca. 1 Stunde, 10 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Sa 18/04/20 | 20.00 Uhr Zum letzten Mal

Junges Studio

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


Pressestimmen

»Kat Kaufmanns Stück [...] porträtiert eine gläserne Welt, hinter deren Scheiben die Individuen zu grotesken Schaufensterpuppen ihrer eigenen Utopie verkümmern. Sie leben in einer abnormalen Lifestyle-Gesellschaft, die sich auf der Bühne über Likes, Shares und Favourites zielsicher selbst verstümmelt. [...] Um diese zutiefst verhasste Welt als Farce bloßzustellen, wirft sie verächtlich mit den kulturellen Codes des postrealen Zeitalters um sich. Alles Wirkliche verkommt in ihrem einstündigen Monolog zu abstrakten Emoji-Zeichnungen auf den Glaswänden. Ihre Gedankengänge werden von gemurmelten Liedzeilen und Zitaten unterbrochen, als wäre alles an ihr ein einziger großer Haufen Postmoderne. Das ekelt sie an. So gießt die intensive One-Woman-Inszenierung ihr postfeministisches Kältebad schonungslos über ihren Zuschauern aus, bis schließlich Zynismus, Existenzialismus und Weltschmerz in hohen Wellen über die Bühne spritzen. [...] Rachel Behringer bringt ihre Figur dabei immer wieder an den Rand des Zusammenbruchs - und das zeitigt Wirkung. Durch ihr intensives Spiel wird die Scheinrealität, in der Alina sich befindet, immer deutlicher, und ihre Angst vor der Dauervirtualität manifestiert sich in einem zentralen Gedanken: Draußen ist es auch nicht besser.«


Stuttgarter Nachrichten / Stuttgarter Zeitung

»Marie Bues hat diesen Monolog spannend und mit großartigem Humor inszeniert, Rachel Behringer trägt ihn vor. Und was sie daraus macht, ist grandios. [...] Rachel Behringer packt in diese Alina Wut und Verletzlichkeit, Raserei, Abgeklärtheit, Langeweile und Verzweiflung, ein ganzes Seelenpanorama, das jede Generation für sich neu durchleben muss. Sie ist von Anfang an die Chefin im Saal, in ihrem gläsernen Käfig wie davor. Denn irgendwann tritt sie hinaus aus dem Spiel und macht den Abend noch realer. Dann steht sie da und zetert und klagt [...]. Am Ende aber, als Queens ›Bohemian Rhapsody‹ zum Finale bittet, hat sie keine Angst mehr, ›zum ersten Mal keine Angst mehr‹. Wow!«


Lübecker Nachrichten

»Solo für eine energiegeladene Frau. [...] Großartig, wie Rachel Behringer von einer Stimmlage zur anderen wechselt. Vom gedankenverlorenen Flüstern geht die Stimme über in Agitation. Satire und Kabarett kommen hinzu. Das ist virtuos und gekonnt gemacht.«


HL-live

»Solo für ein Energiebündel. [...] Rachel Behringer wirft sich mit aller Macht in diesen Text, hat ihn bis zur Perfektion verinnerlicht. [...] Bewundernswert, wie Frau Behringer mit Stimmfarben, mit Stimmungen, Lautstärke jongliert, zwischen verständnisinniger Freundlichkeit und aggressiver Agitation wechselt.«


Lübeckische Blätter

»Das beeindruckende 70-minütige Solo der jungen, neu zum Ensemble gestoßenen Schauspielerin Rachel Behringer steckt voller beißender Kritik auf die Doppelmoral & den Sexismus in unserer Gesellschaft. [...] Ja, das intensive Spiel Behringers weiß jederzeit zu fesseln. Und insbesondere im letzten, weitgehend improvisierten Teil, in dem sie sich unmittelbar mit dem Publikum auseinandersetzt, kann man dieser rasenden Energie kaum entkommen. Humorvolle Einlagen inbegriffen.«


ultimo