Comedian Harmonists in Concert
Foto: Thorsten Wulff

Schauspiel

Comedian Harmonists
in Concert

Piktogramm

Mit Texten von Pit Holzwarth

Uraufführung

Wiederaufnahme 15/10/20 | Großes Haus

Inhalt

»Denn Theben ist für Memphis das, was Lausanne für Genf ist.«

Die »erste Boygroup der Welt« imitiert – in einer Stimme, in einem Gesangskörper – ein ganzes Orchester! Doch wer hat das Sagen im Kollektiv? Schauspieldirektor Pit Holzwarth, Autor und Regisseur der ersten Theaterfassung vom spektakulären Aufstieg der Comedian Harmonists und ihrer niederschmetternden Auflösung, widmet sich erneut dem legendären Kollektiv und seinen Dissonanzen. Die Spannungen in der Gruppe verstärken sich durch den politischen Druck von außen: Den Nazis waren die Ironie, das Unheldenhafte und Androgyne der eleganten Herren unerträglich. Für Holzwarth und die Nachwelt bleiben ihre grandiosen Evergreens wie »Mein kleiner grüner Kaktus« und »Veronika« unerreicht. Mehr lesen

Die Goldenen Zwanziger in Berlin: Der Schauspielschüler Harry Frommermann schreibt Partituren für eine noch nicht existierende Gesangsgruppe und annonciert: »Achtung. Selten. Berufsanfänger, nicht über 25, sehr musikalisch, schönklingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble gesucht.« Aus der Schar arbeitssuchender Künstler engagiert er den Bass Robert Biberti, dieser empfiehlt den bulgarischen Tenor Ari Leschnikoff. Es folgt Bariton Roman Cycowski, Erwin Bootz übernimmt das Piano, dessen Kommilitone Erich A. Collin wird zweiter Tenor.

Anfang 1928 beginnen sie zu proben: Der Klang der Leichtigkeit ist harte, lange Arbeit! Im Sommer nimmt der Berliner Revuekönig Erik Charell die Musiker unter Vertrag – als Comedian Harmonists. Im Herbst treten sie zum ersten Mal auf, weitere Engagements in Berlin und anderen deutschen Städten folgen. Rundfunk und Schallplatten verhelfen den jungen, gut aussehenden Männern rasch zu Erfolg – sie sind Popstars! Das Publikum rast, spendet frenetischen Applaus und hingerissene Fans erwarten sie überall. Die »Beatles der 30er Jahre« verkaufen Alben und werden nicht nur in Deutschland gefeiert.

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 werden Konzerte abgesagt, drei der Mitglieder sind jüdisch, anders: nichtarisch. Frommermann, Cycowski und Collin werden 1935 nicht in die Reichsmusikkammer aufgenommen und verlieren somit das Recht auf Berufsausübung. Am 1. März 1935 kommen die Comedian Harmonists trotz des Verbots für eine letzte Aufnahme zusammen, danach spaltet die Gruppe sich. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Pit Holzwarth
Ausstattung Werner Brenner
Musikalische Leitung Willy Daum
Choreographie Dirk Witthuhn
Gesangscoach Turandocht von Arnim
Licht Falk Hampel
Dramaturgie Anja Sackarendt


Roman J. Cycowski Andreas Hutzel
Ari Leschnikoff Johann Moritz von Cube
Robert Biberti Henning Sembritzki
Erich A. Collin Tom Semmler
Erwin Bootz Will Workman
Harry Frommermann / Akustiker Johannes Merz
Der Doktor / Bruno Levy / Conférencier / Fischer-Maretzki / Reporter / Garderobier / Theaterdirektor / Sprecher Robert Brandt


Dauer ca. 1 Stunden, 45 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Mi 16/12/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus


Pressestimmen

»Was Holzwarth jetzt aber mit seinem Abend über die Geschichte der Comedian Harmonists gelungen ist, übersteigt alles. Fast eine Viertelstunde jubelte das Publikum im Stehen, die Schauspieler bedankten sich mit zwei Zugaben für den Beifall, der so laut war, dass man um die Statik des Theaters fürchten konnte. Was für ein Triumph! [...] Die musikalische Leistung der [...] Akteure auf der Bühne ist nicht hoch genug einzuschätzen. Ebenso das Klavierspiel von Will Workman. [...] immer sitzen die Töne, der Klang des Ensembles nähert sich dem der Comedian Harmonists erstaunlich an. [...] Ein wunderbarer Abend mit wunderbarem Gesang – ›In der Bar zum Krokodil‹ wird sicherlich jahrelang zu sehen sein.«


Kieler Nachrichten

»Der Abend über die Comedian Harmonists begeisterte das Publikum. [...] Dieser Abend ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich gut, unterhaltsam, mitreißend und auch ergreifend. Das liegt an dem hervorragenden Ensemble, das Holzwarth zur Verfügung steht.«


Lübecker Nachrichten

»Licht aus, Jubelrufe an. Für die Sänger dieser ersten Boy-Group der deutschen Popgeschichte hat es in der Musikbranche kein Happy End gegeben, wohl aber für das Stück. Sieben Darsteller verbeugen sich wieder und wieder, sie haben ihr Publikum besoffen gespielt und gesungen. Auch das vierköpfige Regieteam badet im Applaus. Dass es im Lübecker Schauspiel hochmusikalisch zugeht, hat man gewusst, dass diese Gesangsqualität möglich ist, jedoch kaum geahnt. [...] Doch dem Holzwarth-Stück ist ein Triumph beschert: Das Publikum der Uraufführung erarbeitet sich mit donnerndem Applaus zwei mehrteilige Zugaben und wird schließlich mit ›Schlafe mein Prinzchen‹ nach Hause geschickt.«


shz

»Die Comedian Harmonists haben das Theater Lübeck im Sturm erobert. [...] Wie [...] hier Schauspieler und Sänger zum Gesangsquintett zusammengeschweißt wurden, das ist verblüffend und reißt das Publikum mit. [...] Sie singen sich jedenfalls in die Herzen der Zuschauer im Großen Haus. [...] Hut ab! Mehr als ein Dutzend großer Hits aus dem Repertoire der Comedian Harmonists erklingen, gekonnt für die neuen Stimmen arrangiert.«


HL-live

»Die besondere Stärke dieses Abends aber sind die Darsteller des Sextetts, die eindrucksvoll spielen und sängerisch großartig den Klang der Comedians auferstehen lassen, und das ohne Soundtracks und andere technische Mätzchen. [...] Es ist durchaus packendes Theater, zeitbezogen, doch über sich hinausweisend, auf ein Kollektiv ausgerichtet, doch ebenso auf Individuen. Zugleich wird Musik geboten, sehr komplex gestaltet und choreografisch anspruchsvoll verpackt. Es ist ein Abend geworden, der lange nachwirkt.«


unser Lübeck

»Man nehme Pit Holzwarth als Autor und Regisseur, Willy Daum als musikalischen Leiter, Werner Brenner als Ausstatter und die erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten des Schauspielensembles. Das Grundrezept für große Theaterabende und ein zuverlässig volles Haus ist an der Beckergrube erneut in eine musikalische Huldigung gemündet, die – ebenfalls erneut – ein Kassenschlager zu werden verspricht. [...] Die Uraufführung geriet zum Triumph. [...] Von Cube, Merz und Semmler verschmelzen mit den Ensemblemitgliedern Hutzel und Sembritzki zu dem, was Frommermann einst als Idee im Kopf spukte und Workman am Klavier als musikalischer Leiter Bootz einfordert: Werdet ein Orchester aus menschlichen Stimmen! Und wie einst aus Berlin, ist in der Beckergrube betörende Harmonie zu hören.«


Lübeckische Blätter

»Den sieben Darstellern des Stücks kann für Ihre Leistung nur das größte Kompliment ausgesprochen werden. Das Arrangement von einem guten Dutzend der großen Hits berührt und begeistert das Publikum, ebenso großartig funktioniert der unverwechselbare, parodistische Witz des Sextetts, was die Zuschauer immer wieder zu Lachern hinreißt. Minutenlange, stehende Ovationen belegen einen eindrucksvoll unterhaltsamen Abend.«


ultimo