Istanbul
Foto: Marlène Meyer-Dunker

Schauspiel

Istanbul

Piktogramm

Ein Sezen Aksu-Liederabend von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akin E. Sipal

Wiederaufnahme 26/09/19 | Kammerspiele

Inhalt

»Ohne Sprache zu sein ist wie ein Leben ohne Atem.«

»Guten Tag Istanbul, es ist 20 Uhr. Die meisten deutschen Gastarbeiter kommen aus strukturschwachen ländlich geprägten Gebieten wie Bayern oder Baden-Württemberg. Sie erhoffen sich ein besseres Leben im zur Zeit boomenden Industriesektor der Türkei.« – Wir befinden uns in einer fiktiven Türkei in den 60er-Jahren. Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg hat nicht in Deutschland stattgefunden, sondern am Bosporus. Hunderttausende von deutschen Gastarbeitern strömen in die Türkei, um Arbeit und eine wirtschaftliche Absicherung zu finden. In »Istanbul« verfolgen wir die Geschichte des Lübecker Arbeiters Klaus Gruber, der sein Glück im fernen Land sucht und zwischen Heimweh, dem Gefühl des Fremdseins, des »Verkehrtseins« und »Ausgeliefertseins«, Sprachschwierigkeiten und persönlicher und kultureller Annäherung oszilliert. Wir erfahren von der auslaugenden Arbeit am Fließband und dem Gefühl der Einsamkeit, aber auch von neuen Freundschaften und Liebesverwicklungen. Augenzwinkernd behandeln die Autoren auch kulturelle Missverständnisse oder Unterschiede, liebgewonnene Gewohnheiten oder Gegenstände, die sich so im fremden Land nicht finden lassen – etwa wenn Klaus Gruber auf die Suche nach einem Filterkaffee »verzweifelt« durch Istanbul irrt. Der Musiker Torsten Kindermann hat die Geschichte mit vielen mal melancholischen, mal ausgelassen-übermütigen Songs von Sezen Aksu – der Königin des türkischen Pops – bereichert. Mehr lesen

Durch die raffinierte Vertauschung der deutsch-türkischen Perspektive werden nicht nur die Lebenssituationen von Einwanderern – in welchem Land auch immer – mal nachdenklichernst , mal humorvoll gespiegelt, sondern es wird auch ein neuer Blick, ein Blick des Anderen auf das Eigene, möglich. Schauspieldirektor Pit Holzwarth, der sowohl mit seinen legendären Hommagen an Rio Reiser, Edith Piaf, Jim Morrison, Leonard Cohen, Bob Dylan und Patti Smith als auch durch seine vielschichtige Schauspielarbeit – zuletzt bei »Die Brüder Karamasow« – beeindruckte, wird sich dieses spannenden Stoffes annehmen. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Pit Holzwarth
Ausstattung Werner Brenner
Musikalische Leitung Peter Imig
Einstudierung Gesang Ali Kemal Örnek
Licht Georg Marburg
Dramaturgie Katrin Aissen






Statisterie



Dauer ca. 2 Stunden, 10 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Mi 13/05/20 | 20.00 Uhr

Kammerspiele


Fr 29/05/20 | 20.00 Uhr

Kammerspiele


Do 11/06/20 | 20.00 Uhr Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

Kammerspiele


Pressestimmen

»Verkehrte Welt kann ausgesprochen komisch sein. In der Tragikomödie ›Istanbul‹ [...] ist diese verkehrte Welt sogar ausgesprochen witzig. [...] Das macht den Reiz des Stückes aus, das [...] seine bejubelte Premiere in den Kammerspielen erlebte. Regisseur Pit Holzwarth [...] hält sich vor allem an die unterhaltsamen Kleinigkeiten des Stückes. Wenn Gruber mit seinem Dolmetscher in einen überfüllten Bus steigt, ergibt sich ein ganz wunderbar choreographiertes Tohuwabohu. [...] Und als er vergeblich in halb Istanbul nach einem deutschen Filterkaffee sucht, schafft Pit Holzwarth dem Hauptdarsteller Michael Fuchs den Raum für ein fulminantes Solo. [...] Kurzweilig und unterhaltsam und vor allem temporeich ist diese Inszenierung [...]. Zusammengehalten wird dieser ganz spezielle Clash der Kulturen durch die Musik und die Texte von Sezen Aksu, dem absoluten Topstar der türkischen Popmusik. [...] Die Texte werden in Deutsch eingeblendet, sie sind von erstaunlicher poetischer Kraft und Qualität. [...] Herausragend an diesem Premierenabend waren Musiker und Darsteller. Michael Fuchs in seiner zweiten Hauptrolle als Mitglied des Lübecker Ensembles ist ein vorzüglicher Klaus Gruber, hin- und hergerissen zwischen Lübecker Matjes und türkischem Chai. Er singt ganz vorzüglich und chargiert auch nach Kräften, wenn es die Inszenierung erfordert [...]. Michael Fuchs ist der neue starke Mann im Lübecker Ensemble. Susanne Höhne als seine Istanbuler Gespielin verkörpert die eher leichtlebige Sängerin Ela in all ihrer Laszivität überzeugend und eindringlich [...]. Henning Sembritzki mit schön schmierig zurückgegeltem Haar erfüllt alle Klischees, die man den männlichen Einwohnern Istanbuls zuschreibt. Johann Moritz von Cube als Kneipenwirt Murat beeindruckt durch seinen präzise geführten Countertenor. Faszinierend ist, wie gut sich Darsteller und Musiker auf die türkische Musik und Sprache eingestellt haben. Coach Ali Kemal Örnek, der selbst in der Band spielte, hat ganze Arbeit bei der Einstudierung geleistet. [...] Diese Produktion über eine verkehrte Welt kann tatsächlich verbindende Kraft haben. Und deshalb war ›Istanbul‹ nicht nur ein unterhaltsamer, sondern auch ein wichtiger Theaterabend.«


Lübecker Nachrichten

»Stell dir vor, das Wirtschaftswunder wäre kein deutsches, sondern - zum Beispiel - ein türkisches gewesen. [...] Mit diesem einfachen und daher umso wirkungsvolleren Szenario nimmt das Theater Lübeck mit ›Istanbul‹ [...] das Publikum mit auf eine berührende Reise. ›Liederabend‹ ist die Inszenierung von Schauspielchef Pit Holzwarth überschrieben - eine heftige Untertreibung. Zu genießen sind betörende Interpretationen von Songs der türkischen Pop-Diva Sezen Aksu, zu erleben ist wunderbares Spiel. Und zu bestaunen ist die Selbsterkenntnis, dass Theater, wenn nicht die Welt, dann doch die Wahrnehmung der Nachbarschaft verändern kann. [...] Im Hintergrund sitzen weitere Helden der Nacht: vier Männer um den Musikalischen Leiter Peter Imig, besonders gefeiert wird am Ende Ali Kemal Örnek, der den Gesang einstudiert hat, der ebenfalls singt und [...] spielt. [...] Am Ende passiert, was bei fast jedem musikalischen Abend des Lübecker Schauspiels passiert: Das Publikum feierte das Erlebte stehend begeistert und bekommt eine Zugabe.«


shz

»Die Musik, mehr als ein Dutzend Titel mit unterschiedlicher Stimmung und wechselnder Begleitung, trägt den Abend über weite Strecken. Die Schauspieler haben eigens Türkisch gelernt. Ali Kemal Örnek, der auch in der Band sitzt, hat sich erfolgreich als Sprachcoach betätigt. Die Darsteller aus dem Lübecker Schauspielensemble drehen voll auf, ernten nach den Liedern Szenenapplaus. Allen voran Susanne Höhne als Vamp und Sara Wortmann als Ehefrau Luise, die unter dem Einfluss von reichlich Raki ihre Hemmungen überwindet. Aber auch Michael Fuchs (Klaus), Henning Sembritzki (Ismet) und Johann Moritz von Cube mit Kopfstimme (Murat) machen ihre Sache hervorragend. Nicht vergessen werden darf die Band, in der türkische Instrumente wie Ut, Ney, Saz oder Davul zu hören sind. [...] ›Istanbul‹ beschert einen anregenden, stellenweise aufregenden, in jedem Falle unterhaltsamen Theaterabend, bei dem auch eine Rahmenhandlung zum Zuge kommt: Service-Pesonal reicht Tee und Baklava. Der Schlussapplaus war riesig und forderte natürlich eine musikalische Zugabe.«


HL-live


»Einer der auszieht, um die Chance anzunehmen, ist der Lübecker Klaus Gruber. Der Protagonist, der hier souverän von Michael Fuchs verkörpert wird, wird bei seinen Erfahrungen in der Fremde vom Zuschauenden begleitet. [...] Der Weg sich in die Fremde einzufinden ist aber ein langer, mühevoller und voller Stolperfallen. Da hilft ihm das interkulturelle Besäufnis mit Raki [...] und seinem freundschaftlich gesonnenen Dolmetscher Ismet, voller Dynamik dargestellt von Henning Sembritzki. Bei dieser Gelegenheit verliebt sich Klaus in Ela, eine moderne und leidenschaftliche Türkin, die lasziv von Susanne Höhne gespielt wird. [...] Aksus Songs vermischen klassischen orientalischen Gesang mit moderner westlicher Musik. Mit ›Istanbul‹ wird diesem Sound ein Denkmal gesetzt. Klang und Rhythmus sind außergewöhnlich und wurden vom Ensemble in türkischer Sprache einstudiert. Was eine erhebliche Herausforderung dargestellt und wirklich eine bemerkenswerte Leistung ist. Die Pathetik in den Texten und die gefühlvollen Melodien erzeugen teils Gänsehautmomente. Herausragend gut treffen den Ton und den türkischen Akzent Sara Wortmann, die Klaus Ehefrau Luise spielt, und der Darsteller des Murat, der Countertenor Johann Moritz von Cube. Der Multiinstrumentalist Ali Kemal Örnek hat die türkischen Texte mit den Schauspielern und Schauspielerinnen einstudiert [...]. Örnek glänzt dabei an Ut, Ney, Saz, Davut, Darabukka und als Sänger. Holzwarth hat das Stück ideenreich und voller Witz inszeniert. [...] Pit Holzwarth ist es darüber hinaus gelungen, die beiden Kulturen gleichermaßen auf die Schippe zu nehmen, wie auch das Gemeinsame eher als das Trennende herauszuarbeiten. Eine wundervoll unterhaltsamer, gut zweistündiger Liederabend am Bosporus.«


Offener Kanal Lübeck

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