L’Européenne
Foto: Olaf Malzahn

Musiktheater

L’Euro péenne

Piktogramm

Konzept von Thomas Goerge und Lionel Poutiaire Somé
Musik von Richard van Schoor
Libretto von Thomas Goerge frei nach Motiven des Kurzfilms »Die falsche Seite« von Lionel Poutiaire Somé

Eine Kooperation des Künstlerkollektivs Angermayr/Goerge/Somé/Traoré/van Schoor mit der Oper Halle und dem Theater Lübeck im Rahmen des Projektes »I like Africa and Africa likes me – I like Europe and Europe likes me«

Uraufführung

In deutscher Sprache

Uraufführung 06/03/2020 | Großes Haus

Inhalt

»(Die) Ortlosigkeit und potenzielle Allgegenwart von Grenzen weist auf einen weiteren wichtigen Aspekt von deren Transformation hin: Sie materialisieren sich nur für bestimmte Gruppen.«

Julia Schulze-Wessel. Grenzfigur Flüchtling. Mittelweg 36 (Heft 3/2018)

Auf einer Elektromülldeponie einer afrikanischen Großstadt lernt die europäische NGO-Mitarbeiterin Lena den Schrottsammler Bouba kennen. Er folgt ihr aus Liebe und reist auf den gefahrvollen Routen illegaler Migranten über das Mittelmeer nach Europa. Der Beziehungsalltag ist für beide schwierig, Lena ist psychisch krank und Bouba hat keine europäische Aufenthaltsgenehmigung. In einer verhängnisvollen Nacht bringt sich Lena in der gemeinsamen Wohnung um. Bouba flieht, wird verhaftet und mit seiner Mord-Anklage endet die Oper. Mehr lesen

Als Kino-Oper kombiniert »L’Européenne« filmische Mittel in unterschiedlicher Weise mit dem Spiel der Darsteller*innen auf der Bühne. Der Film wird aus verschiedensten Materialien Collagen-artig montiert. FoundFootage und dokumentarisches Material trifft auf gedrehte Filmszenen und den Kurzfilm »Die falsche Seite« von Lionel Poutiaire Somé.

Im Original-Libretto von Thomas Goerge werden neben autobiografischer Reiseerinnerungen aus Afrika und Lampedusa die Abläufe animistischer Rituale beschrieben und Schnipsel von Zeitungsartikeln und Twitter-Meldungen eingestreut. Diese literarischen Figuren bilden zusammen mit dem neuverfassten Text die Basis des vielschichtigen Librettos.

Die Neukomposition des südafrikanischen Komponisten Richard van Schoor greift diese Elemente auf. Entstanden ist ein farbenreiches Werk, das nicht versucht, die eklektischen Aspekte glattzubügeln, trotzdem wird eine homogene Klangästhetik erreicht. Van Schoor bedient sich gezielt vieler Klischées, damit ein ironischer und zynischer »Social-Commentary« entsteht. Um dem Orchesterklang z.B. die gewollte Farbe eines afrikanischen Townships zu verleihen, werden viele »recycled« Objekte verwendet.

Die Uraufführung »L’Européenne« ist Teil des Doppelpassprojektes »I like Africa and Africa likes me – I like Europe and Europe likes me« des afrikanisch-europäischen Teams rund um Daniel Angermayr, Thomas Goerge, Richard van Schoor, Abdoul Kader Traoré und Lionel Poutiaire Somé, der Oper Halle und des Musiktheaters Lübeck und bezieht sich auf die Handlung der Grand Opéra »L’Africaine« von Giacomo Meyerbeer, die sie aus zeitgenössischer afrikanischer Perspektive neu erzählt. Weniger anzeigen

Kulturstiftung des Bundes

Besetzung

Musikalische Leitung Andreas Wolf
Inszenierung / Video Lionel Poutiaire Somé
Ausstattung Daniel Angermayr
Licht Carsten Lenauer


Dritter Müllsammler / Schamanin / Bootsflüchtling 1 / Hasen-Richterin Caroline Nkwe
Bouba (Performer) Abdoul Kader Traoré
Bouba (Sänger) Owen Metsileng
Zweiter Müllsammler / Bootsflüchtling 2 / Politiker / Verteidiger Steffen Kubach
Féticheur (Performer) Serge Fouha
Féticheur / Bootsflüchtling 3 / Frontex-Beamter / Staatsanwalt Hyäne Youngkug Jin
Der Hase Charity Collin
Erster Müllsammler Tenöre des Chores
Chor der Ahnen Damen des Chores
Chor der Müllsammler / Erinnyen / Chor der Twitterer Herren des Chores
Chor der Bootsflüchtlinge Damen und Herren des Chores


Chor des Theater Lübeck

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck



Dauer ca. 1 Stunde, 30 Minuten (keine Pause)