L’Européenne
Foto: Olaf Malzahn

Musiktheater

L’Euro péenne

Piktogramm

Konzept von Thomas Goerge (*1973) und Lionel Poutiaire Somé (*1982)
Musik von Richard van Schoor (*1961)
Libretto von Thomas Goerge frei nach Motiven des Kurzfilms »Die falsche Seite« von Lionel Poutiaire Somé

Eine Kooperation des Künstlerkollektivs Angermayr/Goerge/Somé/Traoré/van Schoor mit der Oper Halle und dem Theater Lübeck im Rahmen des Projektes »I like Africa and Africa likes me – I like Europe and Europe likes me«

Uraufführung 2020 in Lübeck
Uraufführung der reduzierten Fassung

In deutscher Sprache

Wiederaufnahme 24/10/20 | Großes Haus

Inhalt

»(Die) Ortlosigkeit und potenzielle Allgegenwart von Grenzen weist auf einen weiteren wichtigen Aspekt von deren Transformation hin: Sie materialisieren sich nur für bestimmte Gruppen.«

Julia Schulze-Wessel. Grenzfigur Flüchtling. Mittelweg 36 (Heft 3/2018)

Auf einer Elektromülldeponie einer afrikanischen Großstadt lernt die europäische NGO-Mitarbeiterin Lena den Schrottsammler Bouba kennen. Er folgt ihr aus Liebe und reist auf den gefahrvollen Routen illegaler Migranten über das Mittelmeer nach Europa. Der Beziehungsalltag ist für beide schwierig, Lena ist psychisch krank und Bouba hat keine europäische Aufenthaltsgenehmigung. In einer verhängnisvollen Nacht bringt sich Lena in der gemeinsamen Wohnung um. Bouba flieht, wird verhaftet und mit seiner Mord-Anklage endet die Oper. Mehr lesen

Als Kino-Oper kombiniert »L’Européenne« filmische Mittel in unterschiedlicher Weise mit dem Spiel der Darsteller:innen auf der Bühne. Der Film wird aus verschiedensten Materialien Collagen-artig montiert. FoundFootage und dokumentarisches Material trifft auf gedrehte Filmszenen und den Kurzfilm »Die falsche Seite« von Lionel Poutiaire Somé.

Im Original-Libretto von Thomas Goerge werden neben autobiografischer Reiseerinnerungen aus Afrika und Lampedusa die Abläufe animistischer Rituale beschrieben und Schnipsel von Zeitungsartikeln und Twitter-Meldungen eingestreut. Diese literarischen Figuren bilden zusammen mit dem neuverfassten Text die Basis des vielschichtigen Librettos.

Die Neukomposition des südafrikanischen Komponisten Richard van Schoor greift diese Elemente auf. Entstanden ist ein farbenreiches Werk, das nicht versucht, die eklektischen Aspekte glattzubügeln, trotzdem wird eine homogene Klangästhetik erreicht. Van Schoor bedient sich gezielt vieler Klischées, damit ein ironischer und zynischer »Social-Commentary« entsteht. Um dem Orchesterklang z.B. die gewollte Farbe eines afrikanischen Townships zu verleihen, werden viele »recycled« Objekte verwendet.

Die Uraufführung »L’Européenne« ist Teil des Doppelpassprojektes »I like Africa and Africa likes me – I like Europe and Europe likes me« des afrikanisch-europäischen Teams rund um Daniel Angermayr, Thomas Goerge, Richard van Schoor, Abdoul Kader Traoré und Lionel Poutiaire Somé, der Oper Halle und des Musiktheaters Lübeck und bezieht sich auf die Handlung der Grand Opéra »L’Africaine« von Giacomo Meyerbeer, die sie aus zeitgenössischer afrikanischer Perspektive neu erzählt. Weniger anzeigen

Kulturstiftung des Bundes

Besetzung

Musikalische Leitung Andreas Wolf
Inszenierung / Video Lionel Poutiaire Somé
Ausstattung Daniel Angermayr
Licht Carsten Lenauer


Dritter Müllsammler / Schamanin / Bootsflüchtling 1 / Hasen-Richterin Caroline Nkwe
Zweiter Müllsammler / Bootsflüchtling 2 / Politiker / Verteidiger Steffen Kubach
Féticheur (Performer) Etienne Eben
Féticheur / Bootsflüchtling 3 / Frontex-Beamter / Staatsanwalt Hyäne Youngkug Jin
Der Hase Charity Collin
Erster Müllsammler Tenöre des Chores
Chor der Ahnen Damen des Chores
Chor der Müllsammler / Erinnyen / Chor der Twitterer Herren des Chores
Chor der Bootsflüchtlinge Damen und Herren des Chores


Chor des Theater Lübeck

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck



Dauer ca. 1 Stunde, 30 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Sa 31/10/20 | 16.00 Uhr

Großes Haus
Abo: Theaterfahrt am Nachmittag


So 01/11/20 | 16.00 Uhr

Großes Haus

Achtung Vorstellungsänderung!

Die Vorstellung entfällt.


So 01/11/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus


Fr 20/11/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus


Do 17/12/20 | 19.30 Uhr Zum letzten Mal

Großes Haus


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Pressestimmen

»Die Verbindung der (unumgänglichen) Liebesgeschichte (mit letalem Ausgang) und einem realen politisch-historischen Hintergrund bietet hier wie schon in der Grand Opéra des 19. Jahrhunderts das Erfolgsrezept: Einmal ist es die Liebe zwischen der Umweltaktivistin Lena (glänzend: Emma McNairy mit strahlender Höhe) und dem Afrikaner Bouba. Zum anderen bieten Vermüllung (Elektroschrott) und die Problematik um afrikanische Flüchtlinge und den grassierenden Fremdenhass in Europa die aktuellen Bezüge. Bouba wurde gesungen von Owen Metsileng, der sowohl stimmlich als auch darstellerisch höchst engagiert in seiner Rolle steckte. [...] Die anderen Partien fügen sich zu einer homogenen Ensembleleistung, wobei der bewährte Steffen Kubach […] ebenso herausragt wie Caroline Nkwe […]. Andreas Wolf weiß die Partitur mit den sensibel agierenden Lübecker Philharmonikern eindringlich umzusetzen. Regisseur Lionel Poutiaire Somé hat mit dem in jeder Hinsicht fabelhaften Chor (Einstudierung: Jan-Michael Krüger) ein Kunststück sensibler Gestaltung erreicht. Das Publikum zeigte sich am Ende der (pausenlosen) Aufführung beeindruckt und ergriffen.« 


Lübecker Nachrichten

»Die blonde Emma McNairy als zwischen Liebe, Naivität und letaler Verstörung schwankende Lena [...] – eine darstellerisch intensive, stimmlich anrührende Rollengestaltung, die nebenbei die Hilflosigkeit der westlichen Welt im Ansicht diese humanitären Gaus erfahrbar macht. Der Südafrikaner Owen Metsileng als unerschütterlicher Optimist Bouba mit prachtvoller Kantabilität, der aber auch seinen zähen [...] Kampf um ein besseres Morgen zwischen Tatkraft und Resignation erfahrbar machte.«


Die Deutsche Bühne

»Andreas Wolf lotete die Partitur mit dem bestens aufgestellten Lübecker Opernorchester akribisch fein aus und behielt die wunderbaren Sängerdarsteller stets im Blick. Großartig bühnenpräsent interpretierte Owen Metsileng die Rolle des Bouba. Sein kraftvoller Bariton betörte mit viril-wohlklingendem Timbre. Emma McNairy überzeugte mit intensiver Darstellung und flexibel-silbriger Sopranstimme als Lena.«


Das Opernglas

»Ästhetisch sind nicht nur die Bilder, das Neben- und Gegeneinander afrikanischer und europäischer Strömungen, ästhetisch ist vor allem das musikalische Geschehen, das von Andreas Wolf geleitet wird. Harmonisches reibt sich mit Alltagsgeräuschen, gläsernes Klirren und blechernes Scheppern steht neben Harfenklängen, Musik und Geschehen vertragen sich und schlagen sich.«


shz

»Der Tenor Owen Metsileng gab einen leidenschaftlichen Bouba und Emma McNairy sang und spielte mit großer Überzeugung die engagierte Lena. [...] Es erschien als Zauberer Youngkug Jin mit mächtiger Bassstimme, seiner Macht bewusst. [...] Das Textverständnis des deutschen Librettos war bei allen Mitwirkenden, unter denen sich kaum ein Muttersprachler befand, ausgesprochen gut [...]. Musik, Gesang, ein ausgesprochen lebhaftes Bühnengeschehen und die Videos nahmen ohnehin alle Sinne ohne Unterlass in Anspruch.«


Der Opernfreund

»Emma McNairy ist als Lena einfach sensationell, mit ihrem höhensicheren, lyrischen Sopran gelingt ihr eine ergreifende, aber auch charakteristische Rollenausdeutung. Die 1986 in Südafrika geborene Caroline Nkwe [...] ist mit ihrem sinnlichen Stimmtimbre einfach grandios. Geschickt versteht sie es jeder einzelnen Rolle einen individuellen Charakterzug zu verleihen. [...] Der in Manamakgotha, Südafrika gebürtige Tenor Owen Metsilen ist als Bouba (Sänger) mit seiner dramatischen Intensität, aber auch mit seiner feinsinnigen Verletzlichkeit in der Stimme einfach unschlagbar, eine grandiose, bezwingende Leistung.«


Ihr Opernratgeber

»Der Abend war klangvoll, geistreich, unterhaltsam – also sehenswert. [...] Bühne und Kostüme sind gelungen (Ausstattung Daniel Angermayr). [...] Groß waren die sängerische Leistung des Chores (Einstudierung Jan-Michael Krüger) und der Solisten. Emma McNairy glänzte als Lena. [...] Hervorragend sang Owen Metsileng als Bouba mit seinem klaren Tenor.«


Lübecker Nachrichten

»Genauso vielschichtig wie die erzählten Geschichten ist die Musik. Alle Instrumentengruppen haben kräftig zu tun, schreiende Bläser, ruhige Streichersequenzen, die Harfe, Trommeln, Klangflächen mit ungewöhnlichen Beigaben, bis hin zu nächtlichen Schreien von Hyänen und Schakalen. Kapellmeister Andreas Wolf hielt das bewundernswert zusammen.«


HL-live

»Gleich in mehreren Rollen bewähren sich der immer zuverlässige Bariton von Steffen Kubach und der Bass Youngkug Jin, Mitglied im Opernelitestudio. Dem gehörte vor wenigen Spielzeiten auch Caroline Nkwe an. Erfreulich zu erleben, wie sie stimmlich noch nuancierter geworden ist und ihre Spielfreude bewahrt hat.«


unser Lübeck

»Insgesamt entsteht eine klangliche Plastizität, die eindringlich das Bühnengeschehen trägt. Andreas Wolf, die Philharmoniker und der Chor (Jan-Michael Krüger) vermitteln das alles suggestiv, eine große Leistung.«


Lübeckische Blätter

»Wie dringend notwendig der wache Blick auf postkolonialistische Strukturen ist, wird am Nord-Süd-Gefälle zwischen Europa und Afrika deutlich, wie es »L’Européenne« so unmissverständlich vermittelt hat. Wem im Lübecker Publikum vor Beginn der Premiere am 6. März noch nicht klar war, weshalb Tausende ihr Leben aufs Spiel setzen, um nach Europa, wo scheinbar Milch und Honig fließen, zu kommen, der hatte es am Schluss mit Sicherheit verstanden.«


Klassik begeistert

Weitere Informationen

Hier finden Sie einen weiterführenden Text unseres Leitenden Dramaturgen für Musiktheater und Konzert, Christian Münch-Cordellier, zu den Besonderheiten der coronabedingt reduzierten Fassung von »L'Européenne«.

Hier finden Sie einen Teaser zum Kurzfilm »The wrong Side« von Lionel Poutiaire Somé auf dem die »L'Européenne« basiert.