La Traviata
Foto: Jochen Quast

Musiktheater

La Traviata

Piktogramm

Oper von Giuseppe Verdi (1813–1901)
Libretto von Francesco Maria Piave (1810–1876)

(Uraufführung 1853)

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Wiederaufnahme 01/09/19 | Großes Haus

Inhalt

»Was soll ich tun? ...
Mich freuen, in den Strudeln der Lust untergehen. Immer frei muss ich mich von einem Vergnügen zum nächsten treiben lassen.«

Violetta Valéry, die »Kameliendame«, feiert. Sie muss feiern. Eine zu dieser Zeit überall tödliche Krankheit, Tuberkulose, mag ihr nahelegen, das Leben möglichst intensiv zu genießen. Gleichzeitig sichern Investitionen in großbürgerliche Party-Exzesse ihre Existenz, halten den Preis für erotische Dienstleistungen stabil. Auch eine betuchtere Klientel fühlt sich angezogen, wenn mit Champagner und beschwingter Musik Erotik zum Luxusartikel aufgewertet ist. Kommt genügend Kapital zusammen, kann Violetta sich vielleicht ein Sterben in Würde leisten. Ein Mann, Alfredo Germont, tritt in ihr Leben, Liebe kommt ins Spiel. Sie fliehen aus Paris, ziehen aufs Land. Violetta finanziert das idyllische Landleben. Doch Giorgio Germont, Alfredos Vater, gesellt sich hinzu. Alfredos Schwester soll heiraten, der Name der Familie darf nicht in Verruf kommen durch Alfredos wilde Ehe mit einer Prostituierten. Violetta verlässt Alfredo, identifiziert sich mit seiner Schwester, rettet den Namen »Germont«. Sie kann sich damit trösten, ein Opfer zu bringen – und wird als Opfer auf dem Altar des »Anstands« dargebracht. Vielleicht jedoch wächst ihr die Würde einer Rebellin zu, die bis zum letzten Atemzug schonungslos ausbuchstabiert, was es heißt, zu Lebzeiten aus der Gesellschaft der Lebenden verstoßen zu sein. Mit Almosen ist es im Endstadium nicht mehr getan. Der Anstand gibt sich die Blöße. Mehr lesen

Violetta Valéry – eine Rolle, der Koloraturen nicht zum Beweis technischer Virtuosität in den Mund gelegt sind. Virtuosität ist es, die Violetta eine Weile überleben lässt und dem Rausch ihres Lebens Dringlichkeit verleiht. Diese Virtuosität ist ebenso lebensecht wie der Husten, der dieser Todkranken immer wieder ins Wort fällt. Verdis Musik ist Lebensmusik – von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Giuseppe Verdis Oper ist zeitnah – zu jeder Zeit, in der das Leben im Bann von Eros, Macht und Kapital steht. Weniger anzeigen

Besetzung

Musikalische Leitung Stefan Vladar
Inszenierung Lorenzo Fioroni
Kostüme Katharina Gault
Licht Falk Hampel
Dramaturgie Carsten Jenß


Violetta Valéry María Fernanda Castillo
Flora Bervoix Milena Juhl
Annina, Violettas Dienerin Angela Shin
Alfredo Germont Jaesig Lee
Giorgio Germont, sein Vater Johan Hyunbong Choi / Gerard Quinn
Gastone, Vicomte de Létorières Hojong Song
Baron Douphol Beomseok Choi
Marquis d’Obigny Minhong An
Doktor Grenvil Mario Klein
Giuseppe, Diener Violettas Richard Neugebauer / Svyatoslav Martynchuk
ein Diener Floras Benedikt Al Daimi / Lucas Kurt Kunze
ein Dienstmann Benedikt Al Daimi / Lucas Kurt Kunze


Chor und Extrachor des Theater Lübeck
Statisterie

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck



Dauer ca. 2 Stunden, 35 Minuten (eine Pause)

Pressestimmen

»Lorenzo Fioronis Inszenierung besticht durch ihre Stringenz und ihre eindringlichen Bilder. Sie ist zudem sehr dicht an Verdis Musik und in ihrer Dramaturgie ebenso dicht am Libretto [...]. Der Regisseur erzählt konsequent die Geschichte der schönen Kurtisane Violetta [...]. Fioroni gelingt es, die Doppelbödigkeit dieses Stoffes ebenso aufzuzeigen wie die Erbärmlichkeit der Zeit, in der die Oper spielt. [...] Eine fein gearbeitete Inszenierung, in den Massenszenen ebenso stark wie in den kammerspielartigen Sequenzen. Musikalisch ist diese Produktion auch über alle Zweifel erhaben.«


Lübecker Nachrichten

»So viel energischen Jubel gab es in Lübeck für eine Titelpartie lange nicht: María Fernanda Castillo, die gerade als Violetta in Verdis ›La Traviata‹ einen elenden Tod gestorben ist, steht in den abgewetzten Klamotten einer runtergekommenen Kurtisane an der Rampe und wird für die magischen Momente gefeiert, die sie heraufbeschworen hat. [...] bei dieser Premiere überstrahlt sie alles. [...] Und auch die Bühne (Piero Vinciguerra) zeigt sich per Drehmechanismus zunächst von ihren vielfältigen – und guten! – Seiten: vorne exzessive Orgien, hinten Elend. [...] Fioroni gelingen viele eindrucksvolle Bilder.«


shz

»Das Premierenpublikum ist zu Recht tief beeindruckt von Verdis Drama und feiert das hervorragende Ensemble. Wieder eine überregional bedeutende Produktion.«


Kieler Nachrichten

»Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von ›La Traviata‹ unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt - als entfesselt agierendes Kollektiv weiß gepuderter, clownesk grell geschminkter, bitterböser Witzfiguren.«


opernwelt

»Jan-Michael Krüger hat wieder die Chöre bestens präpariert. Manfred Hermann Lehner als Gastdirigent [...] betont [...] die feinen, lyrischen Episoden, die fast impressionistische Wendung in Verdis Musiksprache [...]. Ausgezeichnet tariert er [...] die Balance zwischen Bühne und Orchester aus. Insgesamt erlebt man eine musikalisch fesselnde [...] ›La Traviata‹ [...].«


Lübeckische Blätter

»Begleitet vom wunderbaren Orchester wird ›Violetta‹ von María Fernanda Castillo gesungen und ›Alfredo‹ von Jaesig Lee. Alle Sänger und Schauspieler erhielten riesigen, langanhaltenden Applaus - insbesondere María Fernanda Castillo mit stehenden Ovationen. Wer Sopran liebt, darf das nicht verpassen!«


ultimo

Saisonbilanz Fachmagazin opernwelt

Das Musiktheater des Theater Lübeck, unter Leitung von Operndirektorin Dr. Katharina Kost-Tolmein, ist gleich mehrfach im aktuellen Jahrbuch des Fachmagazins opernwelt nominiert worden. Unter anderem nominierte Peter Krause, Rezensent von »Die Welt« und »concerti« die Kostümbildnerin Katharina Gault für ihre Kostüme in Giuseppe Verdis »La Traviata«; die Produktion ist aktuell im Theater Lübeck als Wiederaufnahme-Serie zu erleben, Premiere war am 14/06/19.