Montezuma
Foto: Jochen Quast

Musiktheater

Montezuma

Piktogramm

Oper von Carl Heinrich Graun (1704–1759)
Libretto von Friedrich II./König von Preußen (1712–1786)
Unter Verwendung von Szenen aus: Heiner Müller. Leben Gundlings Friedrich von Preußen - Lessing Schlaf Traum Schrei - ein Greulmärchen. (1975/1976)

(Uraufführung 1755)

Lübecker Erstaufführung

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere 26/01/20 | Großes Haus

Inhalt

»Sich in Richtung des Globalen aufmachen hieß, auf einen unendlichen Horizont zu immer weiter fortschreiten, eine endlose Grenze vor sich hertreiben. ... Das Terrestrische ist zweifellos eine ›neue Welt‹, ähnelt aber keineswegs der einst von Modernen ›entdeckten‹, dann aber entvölkerten. Das ist keine neue ›Terra incognita‹ für Forscher mit Kolonialhelm. ... Im Gegenteil, die Modernen migrieren auf eine Erde zu, ein Terroir, einen Boden, einen Landstrich, ein Gelände, egal, wie man es nennen will, das bereits besetzt, seit je bevölkert ist.«

Bruno Latour. Das Terrestrische Manifest. 2018.

Der »Inhalt« dieses »musikalischen Trauerspiels« wurde im 18. Jahrhundert so annonciert: Die verschiedenen Unternehmungen und Eroberungen der Spanier in dem durch den berühmten Christophorum Columbum während der Regierung des Königs Ferdinandi und der Königin Isabella von Spanien entdeckten Westindien sind in der Historie zur Gnüge bekannt. Besonders war die Unternehmung des Ferdinando Cortes in Mexiko eine der merkwürdigsten. Der damals regierende König von Mexiko, Montezuma, erlaubte den Spaniern auf guten Glauben den Eintritt in sein Reich; aber er spürte hernach allzuspät die Wirkung eines gar zu leichtgläubigen Vertrauens und einer unzeitigen Großmut, als sie ihm das Leben kostete.

1519 wurden besonders wichtige, identitätsstiftende Heiligtümer der Azteken durch spanische Eroberer geschleift und durch prachtvolle Kirchen überbaut – pyramidale Anlagen wurden von den Eroberern »gekrönt«. – 1755 schuf sich der König von Preußen ein musikalisch-literarisches Selbstporträt als großmütiger Philosophenkönig der Azteken, der Glaubensfreiheit, Toleranz und Großmut lebt: Montezuma. Sein Gegner ist Cortes, ein brutaler, intriganter spanischer Eroberer, der alle Azteken vernichten will. Die Barbaren sind die Europäer – ein moderner kritischer Ansatz in der Beschreibung des Kolonialismus? – Friedrich der Große sollte im Siebenjährigen Krieg, der ein Jahr nach der Uraufführung begann, auch einem Bündnis angehören, das Portugal (nicht: Spanien) einschloss. Und die Kriegshandlungen Großbritanniens, Bündnispartner Friedrichs, und Frankreichs, hatten u. a. Amerika zum Gegenstand und Schauplatz.

Besetzung

Musikalische Leitung Takahiro Nagasaki
Inszenierung Ingo Kerkhof
Wissenschaftliche Beratung Dr. Lars Frühsorge
Bühne Anne Neuser
Kostüme Britta Leonhardt
Licht Karl Wiedemann
Dramaturgie Carsten Jenß


Montezuma, Kaiser von Mexiko Julie-Marie Sundal
Eupaforice, Königin von Tlascála, seine Braut Evmorfia Metaxaki
Erissena / Tezeuco, Vertraute der Königin Emma McNairy
Pilpatoè, kaiserlicher General Claire Austin
Hernán Cortés, spanischer Eroberer Andrea Stadel
Narvès, einer seiner Hauptleute Angela Shin


Friedrich der Große Magdalene Artelt


Chor des Theater Lübeck
Statisterie

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck



Dauer ca. 2 Stunden, 45 Minuten (eine Pause)

Termine | Karten


So 21/06/20 | 16.00 Uhr Zum letzten Mal

Großes Haus
Abo: MT.6, Theaterfahrt am Nachmittag

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.

Musikalische Leitung Takahiro Nagasaki
Montezuma, Kaiser von Mexiko Julie-Marie Sundal
Eupaforice, Königin von Tlascála, seine Braut Evmorfia Metaxaki
Erissena / Tezeuco, Vertraute der Königin Emma McNairy
Pilpatoè, kaiserlicher General Claire Austin
Hernán Cortés, spanischer Eroberer Andrea Stadel
Narvès, einer seiner Hauptleute Angela Shin
Friedrich der Große Magdalene Artelt

Chor des Theater Lübeck
Statisterie

Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck


Pressestimmen

»Ein unglaublich spannender, eigenwilliger Musiktheater-Abend, der über Krieg und Gewalt nachdenken lässt.«


NDR Kultur

»Das gegenseitige Kommentieren von Schauspiel und Oper funktioniert bestens. Die Schauspieler und Sänger machen aus der Propaganda-Oper […] ein Werk der pessimistischen Aufklärung. Hinreißend klug.«


taz

»Man mag allen inhaltlich und künstlerisch Beteiligten bescheinigen, dass sie gescheites Theater für gescheite Menschen gemacht haben. Der Schlussapplaus mit vielen ›Bravo‹ und vor allem ›Brava‹-Rufen belegte, dass das Konzept aufgegangen war.«


Der Opernfreund

»Es entsteht ein geschicktes Spiel mit verschiedenen Ebenen. Dialoge und Musikszenen fließen virtuos ineinander. [...] Grauns psychologisch vielschichtige Musik lag beim stilkundigen und espritvollen Dirigenten Takahiro Nagasaki und dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck in besten Händen. Das gesamte Sänger-Ensemble präsentierte sich auf sehr hohem Niveau: virtuos und mit rachsüchtigem Impetus Evmorfia Metaxaki als Eupaforice, atemberaubend die Koloraturen von Emma McNairy als Erissena und Andrea Stadel als Eroberer Cortés, eindrücklich mit Momenten verinnerlichter Intensität sang Julie-Marie Sundal den Montezuma. Diese musikalisch und szenisch gelungene Produktion regt zum Nachdenken an. Und das ist viel.«


Deutschlandfunk Kultur

»Regisseur Kerkhof macht aus der Oper über den Aztekenherrscher und den Eroberer Cortés eine Parabel über Macht und Gewalt, über Kolonialismus und seine schrecklichen Folgen [...]. In diesem zweiten Teil hat Kerkhofs Inszenierung, die in Sachen Personenführung über jeden Zweifel erhaben ist, ihre stärksten Momente. [...] Musikalisch war der Abend ein Erlebnis. Takahiro Nagasaki leitete das klein besetzte Orchester vom Cembalo aus mit sicherer Hand, die Piano-Kultur der Streicher und die Intonationssicherheit der Hörner waren beispielhaft. Das Klangbild geriet so authentisch, als ob die Lübecker Philharmoniker sich pausenlos mit barocker Musik beschäftigten. Eine ebenso großartige Leistung zeigte der von Jan-Michael Krüger einstudierte Chor.«


Lübecker Nachrichten

»Wirklich stark: die weibliche Sängerriege. Mit bravouröser Attacke lässt beispielsweise Emma McNairy die hochvirtuosen Koloraturketten in den Arien der Dienerin Erissena aufflammen. Andrea Stadel glänzt als hartherzige Negativfigur. Und Julie-Marie Sundal hält viel Mezzosopran-Wärme für die Titelpartie und somit für den eigentlich weichherzigen Preußenkönig parat.«


Kieler Nachrichten

»[...] Liebhaber Barocker Musik sind jetzt in Lübeck bestens aufgehoben. Dort besticht ›Montezuma‹, die 1755 uraufgeführte Oper mit der Musik von Carl Heinrich Graun und dem Libretto Friedrichs II., König von Preußen, mit bestechend schönem Gesang und dem Spiel des von Takahiro Nagasaki hervorragend geleiteten Orchesters.«


shz

»Die Sängerinnen müssen mehrere Partien spielen und singen und taten das ausnahmslos alle wunderbar. […] Takahiro Nagasaki führte das Opernorchester mit vitaler Spielfreude und Präzision durch die Partitur des fast dreistündigen Werkes […]. Zum Schluss sang der bestens einstudierte Chor (Jan-Michael Krüger) […]. Das Publikum war Zeuge einer grandiosen Sängerdarstellerpräsentation und dankte mit tosendem Applaus.«


Das Opernglas