Odyssee
Foto: Thorsten Wulff

Schauspiel

Odyssee

Piktogramm

von Roland Schimmelpfennig

Premiere 19/11/21 | Kammerspiele

Inhalt

»In einer Zeit der Ortlosigkeit muß der Begriff Heimat neu erfunden werden.«

Was machen Krieg und Zerstörung mit den Menschen? Was ist Heimat – nach zwanzig Jahren Abwesenheit? Sind die Zurückgelassenen noch dieselben? Ist man selber noch der/die Gleiche? Mäandernd zwischen Homer’schem Pathos und der Verortung in heutiger Alltäglichkeit, folgt Roland Schimmelpfennig nicht nur den Spuren des antiken Autors und seiner Geschichte vom irrlichternden Odysseus, sondern enthüllt die aktuelle Brisanz des vielschichtigen Stoffes. Seine tiefsinnige und augenzwinkernd humorvolle Überschreibung dieses europäischen Epos setzt den Fokus nicht nur auf die Abenteuer des listenreichen Strategen und »Städtezerstörers«, sondern auch auf die zurückgebliebene Penelope, die Jahr um Jahr auf ihren Mann wartet. Wann verwandelt sich das Hoffen auf die Rückkehr des Gatten in Pessimismus? In Wut? In Fatalismus? Was bedeutet Warten? Ist ihr Mann überhaupt noch am Leben? Kann er nicht zurückkommen? Oder will er es etwa nicht? Raffiniert verwebt der Autor in der »Heldengeschichte« Vergangenheit und Heute und thematisiert auch das Erzählen selbst: Penelope lässt ihren Geliebten in unzähligen Varianten Geschichten über ihren Gatten in der Fremde erfinden. Und gewitzt wie Odysseus stellt Schimmelpfennig all diese Schilderungen von Sirenen, Halbgöttinnen und Zyklopen, all diese Geschichten von Verführung und Barbarei, Gewalt und Krieg in einen heutigen Kontext. Mehr lesen

Regisseur Andreas Nathusius setzt sich in seiner Inszenierung der »Odyssee« mit existenziellen Fragen des Stücks auseinander: Was ist der Mensch? Wie kann man als Gesellschaft zusammenleben? Gibt es ein Grundrecht auf Unversehrtheit? Gibt es ein Grundrecht auf Heimat? Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Und wie sind die heroischen Erzählungen von Eroberungen, von Krieg und Heldentum für uns im Heute zu deuten? Brauchen wir Held:innen oder folgt man lieber Brechts luzidem Satz: »Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.« Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Andreas Nathusius
Ausstattung Annette Breuer
Musik/Komposition Felix Huber
Licht Daniel Thulke
Dramaturgie Katrin Aissen




Dauer ca. 1 Stunde, 45 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Sa 21/05/22 | 20.00 Uhr Zum letzten Mal

Kammerspiele


Pressestimmen

»[Roland Schimmelpfennig] hat Homers Odyssee und die heutige Lage miteinander verknüpft und schafft so eine brisante und intensive Tiefe. Regisseur Andreas Nathusius hat daraus eine moderne Inszenierung gemacht. […] Eindringlich lässt Regisseur Nathusius seine Darsteller in einer Perspektive erzählen, was den griechischen „Städtezerstörer“ wohl angetrieben haben mag. […] In anderen [Passagen] nimmt es einem fast den Atem, so eindringlich sind die Bilder, die Schimmelpfennig geschrieben und Nathusius genial umgesetzt hat. […] Dafür gab es langen Applaus.«


Lübecker Nachrichten

»Jetzt ist sie [die Odyssee] in der Inszenierung von Andreas Nathusius […] zu sehen: dicht, anspruchsvoll, unterhaltsam. […] Dicht auf den Spuren Schimmelpfennigs gelingt es dem Team um Nathusius, den erbarmungswürdigen Zuständen augenzwinkernd zu begegnen. […] Hauptrollen gibt es nicht. Zwar sind zentrale Figuren wie Odysseus (Henning Sembritzki), Penelope (Astrid Färber), der Lehrer (Sven Simon) oder der Zyklop (Will Workman) einzelnen Darstellern zugeordnet, grundsätzlich aber arbeitet man spielend zusammen an den großen Fragen des Stücks. […] Und allein die Besetzung lohnt einen Besuch. Doch die Inszenierung ist insgesamt rund. […] Gute Theaterliteratur ist sie trotzdem ebenso, wie die Lübecker Inszenierung spannendes Theater ist. Gesungen wird in ihr übrigens auch (Musik/Komposition Felix Huber). Und das wie immer großartig.«


Lübeckische Blätter

»Es ist ein sehr philosophischer Abend, an dem die acht großartigen Schauspieler:innen auf der […] Bühne im Stil des chorischen Erzählens agieren. […] Die Inszenierung zieht hier eine kluge und eindrucksvolle Parallele zu den globalen Flüchtlingsbewegungen. […] Durch humorvolle Szenen und starke Musik- und Gesangseinlagen gibt Nathusis dem Publikum Raum, durchzuatmen und das Gehörte zu verarbeiten. Die dramaturgischen Einfälle sind einfach, aber effektvoll. Eine sehr gelungene und sehenswerte Ensembleleistung!«


ultimo