Peer Gynt
Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel

Peer Gynt

Piktogramm

von Henrik Ibsen
Deutsche Fassung von Peter Stein und Botho Strauß

Premiere 12/09/20 | Großes Haus
Premiere + 13/09/20 | Großes Haus

Inhalt

»Hat man erst mal eine Seele, ist man in sich selbst vergafft.«

»Peer, du lügst!«, so beginnt Henrik Ibsens Dramatisches Gedicht über den Ich-Sucher, Genussmenschen, Getriebenen, Egoisten, Frauenheld und leidenschaftlichen Erzähler unglaublicher Geschichten. Doch was ist Lüge, was ist Phantasie? Aufgewachsen bei seiner Mutter Åse – nachdem Vater Jon all den vorhandenen Reichtum mit Gelagen und wilden Festen verprasst hat – und verschrien als notorischer Schwindler und Taugenichts, giert Peer nach Anerkennung und will sich vor seinen Mitmenschen beweisen: »Ich werde König, Kaiser werden«. Mit übersprudelnder Energie und einer gehörigen Portion Größenwahn bahnt sich der Tausendsassa seinen Weg durch die Welt und lebt 100 Leben in einem: Brauträuber, Liebender, Troll-Prinz, Träumer, Goldgräber, Kaufmann, Pelzjäger, skrupelloser Sklavenhändler, Prophet, Altertumsforscher und Wahnsinniger – er jagt seinem Selbst hinterher und kann es doch nicht fassen. Seine Lebensentwürfe sind wie die Häute einer Zwiebel: Schicht über Schicht, doch wo ist der Kern? Gibt es überhaupt ein inneres Selbst? Was ist Selbsterfüllung: die Jagd nach Macht, Geld und Ruhm? Der narzisstische Egoismus, der nur auf den eigenen Vorteil aus ist? Oder die – schon fast vergessene – Liebe zu Solveig, die er in der Heimat zurückließ? Henrik Ibsens hintersinnig humorvolle, philosophisch in die Tiefe gehende und mit literarischen Anspielungen – etwa auf »Faust« und »Münchhausen« – reiche Geschichte vom ruhelos durch die Welt hetzenden Aufschneider Peer gewinnt in einer Zeit der sich professionalisierenden Selbstdarstellungs- und Aufmerksamkeitshysterie, in einer Welt, in der Wahrheit und Lüge scheinbar ihre Trennschärfe verlieren, zunehmend an Brisanz. Mehr lesen

Andreas Nathusius lässt Peers abenteuerliches Leben Revue passieren und lenkt den Blick damit auf Lebensentwürfe, gescheiterte Träume und die verzweifelte Suche nach dem Ich. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Andreas Nathusius
Ausstattung Annette Breuer
Licht Falk Hampel
Dramaturgie Katrin Aissen




Dauer ca. 1 Stunde, 50 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Do 03/12/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus

Muss leider entfallen.


Fr 18/12/20 | 19.30 Uhr

Großes Haus

Muss leider entfallen.


Pressestimmen

»Andreas Nathusius hat das Schelmenstück für das Theater Lübeck inszeniert: frisch, frech und auch überraschend. […] Diesen einen Peer Gynt, der zu analysieren wäre, gibt es nicht. Acht Darstellerinnen und Darsteller sind im Spiel und jede, jeder – Ego ist überall – transportiert eine Facette des Titelhelden, dessen Leben die Zwiebel symbolisiert […] Das Spiel des Lebens tobt sich in einer Ausstattung (Annette Breuer) aus, die als neunte Darstellerin eine Hauptrolle spielt. […] Superstar und ein Schlüssel zur Inszenierung ist die Musikauswahl […] Bravo.«


shz

»Nathusius zeigt immer wieder wunderbare und einfallsreiche Szenen. Einer der Höhepunkte der Inszenierung ist Robert Brandts Auftritt, in dem er sich immer wieder die Frage stellt, wer er eigentlich ist, und sich dabei mit vier Handpuppen unterhält, die er an Händen und Füßen trägt. Besser kann man Peer Gynts ewiges Kreisen um sich selbst kaum darstellen, Robert Brandt gelingt dabei ein schauspielerisches Kabinettstück. […] Das Ensemble zeigte eine kollektiv starke Leistung. Neben Robert Brandt beeindruckte Henning Sembritzki durch seine Virilität und durch sein Gitarrenspiel. Astrid Färber wirkte stark und bedrohlich als Todesfigur, Johannes Merz zeigte die weiche Seite des Peer Gynt. Lilly Gropper hatte ihre stärksten Auftritte als Peer Gynts Mutter, Sven Simon überzeugte in der Rolle des nachdenklichen Peer Gynt, auch Vincenz Türpe und Will Workman brachten An- und Einsichten der vielschichtigen Persönlichkeit Gynts sicher und mit Verve auf die Bühne. [...] Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall für die Darsteller und das Regieteam.«


Lübecker Nachrichten

»Wir alle sind Peer Gynt. Das wird schnell klar bei dem Stück von Andreas Nathusius, denn sechs Männer und zwei Frauen spielen den Peer Gynt eindrucksvoll. Einer von ihnen ist Vincenz Türpe. Mit Hingabe und Esprit verkörpert er diese Rolle.«


NDR 1 Welle Nord

»Neben [Astrid Färber] hatte Lilly Gropper den anderen Frauen Gestalt zu geben, besonders überzeugend als Solveig, die für Peer am Schluss Mutter und Geliebte in eins wird. Henning Sembritzki bewies wieder, wie großartig er Gitarre spielen und dazu singen kann, geschickt eingesetzt nicht nur als brillanter Pausenfüller bei Umbauten. Sven Simon gab dem alten Peer Würde, während Johannes Merz, Vincenz Türpe und Will Workman durch ihre vielseitigen Aufgaben Tempo und Kraft vermittelten. Robert Brand, Spezialist inzwischen für Schräges und Groteskes, hatte einen exzellenten Auftritt als Puppenspieler. Mit vier Konterfeis an Händen und Füßen gelang eine so köstlich wie irre, zugleich artistische Selbstbefragung.«


unser Lübeck

»Mit »Peer Gynt« bringen Regisseur Andreas Nathusius und sein achtköpfiges Ensemble eine ebenso freie wie kurzweilige Inszenierung auf die Bühne. […] Wie nicht selten im Theater Lübeck darf dabei auch eine politische Metaebene nicht fehlen. So bleibt die Bearbeitung des Klassikers von Henrik Ibsen nicht bei der bloßen Ausarbeitung von Peers individueller Identität. Ebenso geht es um die kollektive Identität westlicher Gesellschaften und eine Utopie, in der diese ihre Seele nicht mehr für Profit und Wohlstand verkaufen, sondern zu Akteuren im Einklang mit der gesamten Menschheit werden. Ein angemessenes Plädoyer in heutigen Zeiten.«


ultimo