Szenen einer Ehe
Foto: Falk von Traubenberg

Schauspiel

Szenen einer Ehe

Piktogramm

nach dem Film von Ingmar Bergman
Deutsch von Renate Bleibtreu

Wiederaufnahme 25/10/19 | Junges Studio

Inhalt

»Wir galten als fast ideales Ehepaar.«

Mit dem Hauptwerk eines der größten Psychologen des Weltkinos hat das Schauspiel in der Spielzeit 2014/15 eine Reihe neu eröffnet, die den Spielplan des Studios erstmals unter eine verbindende Klammer stellt: Nordischer Film. 1973 gelang Ingmar Bergman mit seiner Serie von sechs Fernsehfilmen »Szenen einer Ehe« ein veritabler Straßenfeger. Die schonungslose Auseinandersetzung mit den unterdrückten Konflikten eines Ehepaares ließ eine ganze Generation nicht kalt. Als Johan seiner Frau Marianne eines Tages von einem Seitensprung berichtet, steht plötzlich die Beziehung der beiden auf dem Prüfstand. Mehr lesen

Anna Bergmann, die u.a. 2011 »Yerma« am Theater Lübeck inszenierte und zwischenzeitlich mit großem Erfolg u. a. am Wiener Burgtheater arbeitete, setzte sich erneut mit Ingmar Bergman auseinander, nachdem ihre Inszenierung von »Herbstsonate« eine der Eröffnungspremieren der Direktionszeit von Pit Holzwarth war. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung / Ausstattung Anna Bergmann
Mitarbeit Bühne Katharina Faltner
Sounddesign Heiko Schnurpel
Kampfchoreographie Stefan Richter
Dramaturgie Tobias Schuster


Marianne Sina Kießling


Dauer ca. 2 Stunden, 45 Minuten (eine Pause)

Termine | Karten


Fr 24/04/20 | 20.00 Uhr

Junges Studio

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


Pressestimmen

»Nach ›Herbstsonate‹ (2007, Theater Lübeck) und ›Treulose‹ (2013, Staatstheater Braunschweig) übersetzt Anna Bergmann zum dritten Mal ein sensibilisierendes Feel-bad-movie des peniblen Ultraschallkünstlers für Seelenschmerzen, Ingmar Bergman, ins Theater: ›Szenen einer Ehe‹ werden gespielt, einer modernen, also nicht nur scheiternden, sondern auch geschiedenen Ehe. Der Weg dahin führt durch die Hölle. Lebenslügen müssen aus den Körpern geradezu herausgeprügelt werden. [...] Die Reise zweier Menschen hinter die Kulissen ihre Beziehung inszeniert Bergmann als Reise durchs Theater - ein exklusives Erlebnis für jeweils 40 Zuschauer, die den Stationendrama-Weg mitzugehen haben. [...] Andreas Hutzel erweist sich darin als Idealbesetzung. [...] Atemberaubend psychologischer Realismus. Nicht mit, nicht ohne einander können: Die Hassliebe muss ausgefochten werden beim Streit um die Scheidungspapiere. Im ›Landschaftszimmer‹ dann einsturzbedrohlich gedellte Decke, gepflasterte Risse, Schimmelspuren, Wasserflecken auf Wandgemälden, bröckelnder Putz: Tolles Ambiente für eine ins derb Komische überdrehte Kampfchoreografie für Splatter-Freunde. Aber ist dies Zerfleischungstheater die letzte Warnung vor oder Abrechnung mit der Institution Ehe? Aufklärung, Therapieversuch? Nein, einfach intelligent nur ein gekonnter Jux, ein nicht nur für Lübecker Verhältnisse außergewöhnlich gelungenes, herrlich verspieltes Experiment. Mit einem Epilog in Doku-Soap-Manier. Im Hochzeitskleid hockt Marianne wieder im Bett, der Ex-Göttergatte tändelt als Superstar lässig herein. Da sie sich nun von ihren Frauenrollenklischees emanzipiert, von den traditionellen Zwängen der Ehe entfernt, von Johan befreit hat, können beide jetzt etwas miteinander anfangen. Darauf einen fetten Happyend-Kuss. So viel Zuneigung - siegt über so viel Wut, Verachtung, Behauptungswille bei den Veteranen des Rosenkriegs. Das ist grell komisch: ernst gemeint.«


nachtkritik

»Das Theater Lübeck [zeigt], dass seine Kunst der des Kinos überlegen sein kann. Und das auch noch mit einem originären Filmstoff. Das gelingt, wenn sich die Bühne auf ihre Unmittelbarkeit besinnt: Dazu braucht es keine technische Maschinerie, sondern nur eine mutige Regie und verwegene Darsteller. Beides konnte man bei der Premiere von ›Szenen einer Ehe‹ erleben. [...]. Das Publikum schaut jetzt hautnah dem Leben, Lieben und Streiten des Paares zu. [...] Wie die Marianne der Sina Kießling diese Brüskierung und Zerstörung der gemeinsamen Biografie erleidet, ist eine der ganz starken Szenen der Inszenierung. Man fühlt die Katastrophe als Zuschauer selbst. [...] Dann der dramatische Höhepunkt. [...] Das Theater ist da viel drastischer als jeder Film. [...] Dass das Theater parallel zu den Einblicken in verwundete Seelen auch Einblicke in seine Eingeweide gibt, ist ein schöner Nebeneffekt dieses Abends. Ein weiterer: Wenn man nach dem Hutzel-Kießling-Parforceritt noch einmal Szenen aus Bergmanns 163 Minuten dauernden Kinofilm ansieht, kommen einem die damals hoch gelobten Darsteller Liv Ullmann und Erland Josephson leblos vor. Der Beifall der Zuschauer, deren Zahl auch wegen der Prozession durchs Haus begrenzt ist, war bei der Premiere so überwältigend wie das Spiel der beiden Schauspieler.«


Lübecker Nachrichten

»Sie [die Zuschauer] erleben quasi hautnah, wie Sina Kießling und Andreas Hutzel sich als Ehepaar Marianne und Johan lieben, streiten, schlagen und vertragen. [...] Ein veritabler Regiecoup. Die beiden Schauspieler haben dabei Ungeheures zu leisten, ihnen wird in den mehr als zwei Stunden körperlich wie mental Extremes abverlangt. [...] Doch es braucht schon Darsteller mit rückhaltloser Einsatzbereitschaft und versiertem Können wie Sina Kießling und Andreas Hutzel, um sie im Theater so irritierend gefühlsecht aufführen zu können. [...] Mit der Premiere während der Nordischen Filmtage, die mit riesigem Applaus aufgenommen wurde, hat das Theater Lübeck eine Reihe eröffnet.«


Kieler Nachrichten

»Mehr als 40 Jahre sind vergangen, seit die Ehegeschichte von Marianne und Johan Europa fesselte. In Lübeck hat sie nichts an Kraft verloren. Das wortwörtlich bewegte Publikum bekommt auf seinen Wanderungen durch die Eingeweide des Hauses die Zeit für Reflexionen geschenkt, die ihm bei gewöhnlichen Stücken verwehrt bleiben. [...] Kießling und Hutzel bauen eine faszinierende Spannung auf - und halten sie. Eine grandiose Paarleistung und eine packende Inszenierung.«


shz