Tonio Kröger
Foto: Marlène Meyer-Dunker

Schauspiel

Tonio Kröger

Piktogramm

von Thomas Mann

Premiere 30/08/19 | Junges Studio

Inhalt

»Etliche gehen mit Notwendigkeit in die Irre, weil es einen rechten Weg für sie überhaupt nicht gibt.«

Tonio Kröger verlässt die giebeligen Gassen seiner engen Heimatstadt an der Ostsee. Seine erste Liebe, den schönen und lebensfrischen Hans Hansen, lässt er zurück und seine zweite Jugendliebe, die blonde »übermütig gewöhnliche« Ingeborg Holm. Sein Vater ist gestorben, die Mutter ist mit ihrem zweiten Ehemann fortgezogen und er, dessen Name die Extravaganz der feurigen Mutter wie den bürgerlichen Puritanismus des Vaters anklingen lässt, beginnt in München ein Leben als Literat. Mehr lesen

Tonio Kröger, Künstler Anfang 30, hadert mit der Widersprüchlichkeit seiner selbst, von Kunst-Geist und Leben. Seine Freundin Lisaweta Iwanowna »erledigt« ihn mit ihrer Analyse, er sei ein Bürger auf Irrwegen. Oder, wie Tonio selbst es ausdrückt, ein Künstler mit schlechtem Gewissen. Nach dreizehn Jahren will er die Ostsee wiedersehen, die leitmotivisch Thomas Manns frühe Novelle von 1903 durchzieht. In Lübeck befällt ihn ein seltsam vertrautes wie befremdliches Gefühl. Niemand erkennt ihn auf der Straße, er nimmt ein Schiff nach Dänemark, die stürmische See lässt Tonio aufjauchzen. Ein dänisches Paar erinnert ihn an Hans und Ingeborg, plötzlich erschüttert ihn Heimweh. Als Bürger und Künstler steht er zwischen zwei Welten, ist in keiner zu Hause. Doch, so schreibt er Lisaweta, erkennt er gerade in seinen Widersprüchen eine Quelle der Liebe, nicht nur zu literarischen Figuren, die tragisch und lächerlich zugleich sind. Wenn irgendetwas imstande wäre, aus einem Literaten einen Dichter zu machen, so wäre es diese Bürgerliebe zum Menschlichen, Lebendigen und Gewöhnlichen. So steht am Ende von Tonio Krögers Reise in den Norden eine Selbsterkenntnis, er findet eine sehnsüchtige Liebe in sich, in der schwermütiger Neid, ein wenig Verachtung und Seligkeit schwingen.

Die junge Regisseurin Catrin Mosler inszeniert Manns Erzählung als ein Stationendrama über Sehnsucht und Heimat, Selbsterkenntnis und Liebe. Und über das Meer. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Catrin Mosler
Ausstattung Nicole Zielke
Dramaturgie Anja Sackarendt




Dauer ca. 1 Stunde, 30 Minuten (keine Pause)

Pressestimmen

»Thomas Mann in Lübeck auf die Bühne zu bringen, das hat an sich nichts Überraschendes mehr. Und doch ist im Theater an der Beckergrube nun ausgerechnet mit einer Bühnenadaption des ›Tonio Kröger‹ im kleinen Studio ein großer Wurf gelungen: [...] Regisseurin Catrin Mosler inszeniert dort die Novelle in einer fantasievollen Ausstattung (Nicole Zielke) als Zweipersonenstück, in dem die Schauspieler Jan Byl und Will Workman das Publikum mit den Leiden des jungen Kröger beglücken. Der Premierebeifall für Darsteller, Regisseurin und Ausstatterin ist laut und lang.«


shz

»Die Texte der Figuren pendeln hin und her, Dialoge wechseln mit Erzählstücken. [...] Das geht auf, selbst bei oft fliegendem Wechsel. [...] Bewundernswert, wie Jan Byl und Will Workman die Textmenge stemmen, immerhin 80 Minuten fast ununterbrochen. Sehr gut, wie Stimmfarben und Ausdruck beider Akteure wechseln, je nachdem, ob sie ihre Thesen aufgeregt vertreten oder sorgfältig denkend argumentieren. Das Premierenpublikum applaudierte lange, und der Applaus galt dem gesamten Team, hochverdient.«


Lübecker Nachrichten

»Bei der Premiere am Freitagabend war das Publikum begeistert. [...] Manche Szenen strotzen vor Komik, rufen Lacher im Publikum hervor, in anderen spürt man den Ernst des Konflikts zwischen Bürgerlichkeit und Künstlertum [...]. Sprachlich und darstellerisch leisten Jan Byl und Will Workman Erstaunliches. Alle Achtung auch für die Ausstattung von Nicole Zielke und die Regieleistung von Catrin Mosler. Großer, langer Applaus für alle Beteiligten.«


HL-live

»Die [...] Erzählfiguren mussten [...] verlebendigt werden. Das gelang zumeist köstlich, oft durch wenige Requisiten, ging aber kaum ohne deftige Karikatur aus, manchmal bis hin zum Klamauk. [...] Ortswechsel wurden auf der Minimalausgabe einer Drehbühne (Ausstattung: Nicole Zielke) bewältigt, wodurch temporeich die Abfolge der oft slapstickhaften Szenen möglich wurde [...]. Eine große Leistung auch in Artikulation und Gedächtnis war zu erleben, hautnah und mitreißend in dem Wechsel von Ruhm und Tumult.«


unser Lübeck

»Sprachlich und darstellerisch leisten Jan Byl und Will Workman Großartiges. Reichen Applaus gab es auch für die Ausstattung von Nicole Zielke und die Regieleistung von Catrin Mosler. Die Aufführung hat das Zeug für einen Renner.«


Lübeckische Blätter