Vögel
Foto: Thorsten Wulff

Schauspiel

Vögel

Piktogramm

von Wajdi Mouawad

In deutscher, hebräischer, arabischer und englischer Sprache
mit deutschen Übertiteln

Digitale Premiere auf dringeblieben.de 16/04/20

Premiere 21/05/21 | Kammerspiele
Premiere + 22/05/21 | Kammerspiele

Inhalt

»Nicht die Wahrheit blendet Ödipus, sondern die Geschwindigkeit, mit der er sie erfährt.«

Was prägt die eigene Identität? Ist es möglich Zugehörigkeitsgrenzen zu überschreiten? Kann Liebe eine Brücke sein? Was ist für das eigene Ich, das eigene Wesen, wichtiger: die Gene oder die Umgebung? Was macht gesellschaftliche Gewalt mit der individuellen Psyche? Mehr lesen

In seiner großen Welt- und Theatererzählung »Vögel« stellt der libanesisch-kanadische Autor Wajdi Mouawad existenzielle Fragen anhand einer komplexen Familiengeschichte. Wahida, arabischstämmige Amerikanerin, und der in Berlin geborene Eitan mit jüdischen Wurzeln begegnen sich in einer New Yorker Bibliothek und verlieben sich ineinander. Zufall oder Schicksal? Als Eitan Wahida seinen Eltern und seinem Großvater vorstellen will, geraten die familiären Strukturen und Gewissheiten ins Wanken. Vater David, gebürtiger Israeli und überzeugter Zionist, empfindet die Beziehung seines Sohnes zu einer »Araberin« als Verrat, ja, als Auslöschung des Judentums. Eitan habe, so David, eine genealogische Schuld seinem Großvater gegenüber, der dem Holocaust nur knapp entkommen ist. Mutter Norah bittet Eitan darum, mit seiner grenzüberschreitenden Liebe nicht die Familie zu sprengen. Einzig der Großvater Etgar stellt sich auf Eitans Seite. Enttäuscht von der Reaktion seiner Eltern begibt sich Eitan auf die Suche nach seiner Identität und stößt auf verborgene Familiengeheimnisse, die ihn nach Jerusalem führen. Dort gerät er zusammen mit Wahida in einen Strudel politischer und persönlicher Ereignisse, die sein Leben in Gefahr bringen und das Bild, das er sich von sich selbst und seiner Familie gemacht hatte, erschüttern.

Mit raffinierten Rückblenden und Zeitsprüngen nimmt Mouawad auch Bezug auf historische und aktuelle Ereignisse des Nahost-Konflikts und verfolgt die Blutspur, die sich durch die Geschichte zieht. Klug konstruiert, metaphernreich erzählt und mit feinsinnigen Anspielungen auf Shakespeares »Romeo und Julia« hat er ein vielschichtiges Familienepos geschrieben, ein vertracktes Theaterstück, in dem es nicht die eine Wahrheit gibt. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung Pit Holzwarth
Ausstattung/Video Werner Brenner
Musik/Komposition Achim Gieseler
Licht Georg Marburg
Einstudierung Hebräisch Rafi Morgenstern
Dramaturgie Katrin Aissen


Wahida Lamis Ammar
Eitan Zimmermann Johannes Merz
David, sein Vater Michael Fuchs
Norah, seine Mutter Astrid Färber
Etgar, sein Großvater Robert Brandt
Leah Kimhi, seine Großmutter Vasiliki Roussi
al-Hasan al Wazzan / Rabbiner / Kellner Ali Ahmad
Eden, eine Soldatin / Nachrichtensprecherin / Ärztin Sara Wortmann
Krankenschwester Tara Asgari / Carmen Rohlf / Jana Rosmait


Dauer ca. 2 Stunden, 55 Minuten (eine Pause)

Pressestimmen

»Ein anspruchsvolles Gesamtkunstwerk […] So wird es zum Erlebnis, Johannes Merz als liebenden, streitenden, verletzten, wütenden Eitan zu erleben. Glaubhaft verkörpert er den jungen Mann in seiner Zerrissenheit zwischen Freundin und Eltern. Die palästinensische Schauspielerin Lamis Ammar ist als bildschöne Wahida der eher ruhige Gegenpol. Sie spricht englisch und arabisch und gibt Wahida schon allein dadurch eine starke eigene Identität. Das gilt auch für die beiden anderen Muttersprachler: Vasiliki Roussi als Eitans Großmutter Leah, die ihre tiefe Traurigkeit unter einem harten Panzer verschließt, und Ali Ahmad als Rabbi, Kellner und mythologische Figur. Sie geben den Sound der Inszenierung vor.«


Lübecker Nachrichten

»›Vögel‹ von Wajdi Mouawad ist ein in politische Konflikte eingewobenes Liebes- und Familienstück, zerstörerisches Geheimnis inklusive. […] Drama pur. (..) Holzwarth und sein Team setzen den politischen Konflikt als thematische Überblendung des familiären Dramas immer wieder neu in Szene. Kriegerisches Geschehen legt sich geräuschvoll über eine Bühne (Werner Brenner), die von der Einsamkeit angesichts der gehüteten dunklen Geheimnisse spricht: Gläserne Zellen bewahren Akteure vor Wahrhaftigkeit, emotionale Ausbrüche dagegen finden auf offener Bühne statt.«


shz

»Und das war unter anderem auch, was Mouawad mit diesem Stück erreichen wollte. Dass man die Vielschichtigkeit der Charaktere wahrnimmt, sich mit ihnen verbunden fühlt, mit ihnen all diese Konflikte durchlebt. Die Umsetzung der Botschaft ist dem Theater Lübeck sehr gut gelungen. In der Lübecker Inszenierung von Pit Holzwarth sehen wir starke Persönlichkeiten, die ihre Rollen sehr überzeugend und gefühlvoll spielen. Besonders hervorheben kann man die schauspielerischen Leistungen von Lamis Ammar in der Rolle der Wahida und Vasiliki Roussi als Großmutter Leah, die es beide besonders beeindruckend geschafft haben, starke Frauen mit viel Persönlichkeit abzubilden. Aber auch Michael Fuchs als Vater konnte punkten, denn er hat besonders Davids inneren Konflikt mit all seinen Facetten überzeugend verkörpert.« 


Offener Kanal Lübeck