Vor Sonnenaufgang
Foto: Kerstin Schomburg

Schauspiel

Vor Sonnen aufgang

Piktogramm

von Ewald Palmetshofer
nach Gerhart Hauptmann

Premiere 30/11/19 | Kammerspiele

Inhalt

»wir sind wie Licht und die Welt ist ein Prisma verstehst du? und wir gehen durch dieses Glasprisma und werden gebrochen und in ein Spektrum aufgefächert von links nach rechts«

Eine Nacht und einen Tag vor der Geburt: Einsame Menschen versammeln sich im Hause Krause. Helene ist aus der Stadt angereist, um ihrer hochschwangeren Schwester Martha beizustehen, deren Mann Thomas nun gemeinsam mit Vater Egon Krause den mittelständischen Betrieb für Stahlmaschinen führt. Egons junge zweite Ehefrau hält den Laden zusammen und versucht vergeblich, seinen Alkoholkonsum zu kontrollieren und den Stieftöchtern alles rechtzumachen. Wie alle Figuren leidet sie an der unterdrückten Verzweiflung, völlig unverstanden und ungeliebt zu sein. Mehr lesen

Ein unerwarteter Gast, Alfred Loth, ein Studienfreund von Thomas, unterbricht den eingespielten Familienzwist. Geheimnisvoll bleibt der Grund seines Besuchs. Verfolgt er ein journalistisches Interesse? Will er Thomas, der nicht nur konservativ, sondern rechtspopulistisch eingestellt ist, an die alten linksintellektuellen Ideale erinnern? Zwischen Loth, den umtreibt, »wie die Menschen auseinanderdriften«, und der alleinstehenden und verarmten Helene beginnt eine liebevolle Annäherung.

»Vor Sonnenaufgang« – Gerhart Hauptmann lässt im Titel seines 1889 uraufgeführten Dramendebüts, im Anbruch des neuen Tages in der Nacht, bereits das Transitorische anklingen. Der Dramatiker Ewald Palmetshofer untersucht mit seiner minimalpoetischen Neubearbeitung von 2017 die Weichenstellungen und die Bewegung des Umbruchs in unserer Gegenwart. Die Auflösungserscheinungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Ordnung spiegeln sich hinter der bürgerlichen Fassade der Familie Krause und in ihren zwischenmenschlichen Konflikten. Die regen Alltagshandlungen, Nebenbei-Gespräche und Ausflüchte werden unterbrochen von abgründiger Stille, in der sich der knappe Text erhellend und weit ins Tragische öffnet. Weniger anzeigen

Besetzung

Inszenierung / Bühne Mirja Biel
Kostüme Hannah Petersen
Dramaturgie Anja Sackarendt
Licht Georg Marburg


Egon Krause Andreas Hutzel
Annemarie Krause, Egon Krauses zweite Frau Johanna Falckner
Helene, jüngere Tochter aus Krauses erster Ehe Lilly Gropper
Martha Krause, ältere Tochter aus Krauses erster Ehe Rachel Behringer
Thomas Hoffmann, Marthas Ehemann Jan Byl
Alfred Loth Henning Sembritzki
Dr. Peter Schimmelpfennig Sven Simon


Dauer ca. 1 Stunde, 50 Minuten (keine Pause)

Termine | Karten


Fr 05/06/20 | 20.00 Uhr

Kammerspiele
Abo: S.4

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


So 14/06/20 | 18.30 Uhr

Kammerspiele
Abo: S.8

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


Fr 19/06/20 | 20.00 Uhr Zum letzten Mal

Kammerspiele
Abo: S.5

Achtung Vorstellungsänderung!

Absage wegen Corona.


Pressestimmen

»Diese Geburtsszene im strömenden Regen macht Rachel Behringer zu einem schauspielerischen Kabinettstück. Man leidet geradezu mit der jungen Frau, die ihr Kind aufgrund der Unfähigkeit des Arztes (sehr kultiviert: Sven Simon) verliert [...]. Andreas Hutzel ist ein überzeugender Familienvater, den außer ausreichenden Alkohol-Vorräten kaum noch etwas interessiert. [...] Lilly Gropper als jüngere Tochter Helene spielt eine Frau an der Grenze des Nervenzusammenbruchs, eindringlich und pointiert. Jan Byl ist ein ebenso überzeugender arroganter Unternehmer, Henning Sembritzki als Studienfreund Alfred besticht durch seine Virilität und seine Präsenz. Alle Darsteller sprechen [...] mit großer Präzision und treffen den speziellen Sprach-Duktus von Palmetshofer.«


Lübecker Nachrichten

»Das Darstellerseptett spricht intensiv, und auch Pausen bekommen ihren Sinn. […] Das Stück nahm, je weiter der Abend fortschritt, an Spannung und Dichte zu, so dass das Publikum die Darsteller und das Team mit herzlichem Beifall verabschiedete.«


HL-live

»Keine leichte Kost, schwermütig und desillusionierend – durch die Gesamtinszenierung (Bühnenbild, Dramaturgie, Schauspiel) aber fesselnd bis zum Schluss. [...] Alle Schauspieler*innen spielen ihre Figur intensiv – verletzend und verletzbar. Ein lohnenswerter Theaterabend.«


ultimo