Fragen in pandemischen Zeiten

Rangierten Theater und Konzerthäuser in den ersten politischen Erklärungen im Oktober 2020 noch gemeinsam mit Museen und Galerien, Gastronomie, Spielhallen und Bordellen auf dem letzten Platz der Corona-Verordnungen, waren sie Ende Januar, im Stufenplan der Landesregierung zur Wiederöffnung, bereits alleiniges Schlusslicht. Bei der Bund-Länder-Konferenz am 10/02 spielten sie schließlich keinerlei Rolle mehr.

Mit unseren weißen Flächen wollen wir zeigen, was bleibt, wenn Musik und darstellende Kunst zum Verstummen gebracht werden. Dabei geht es uns nicht um die simple Forderung, wieder spielen zu dürfen. Vielmehr halten wir das Verfahren, die Kunst allein auf ihr Infektionsrisiko zu reduzieren, schlichtweg für zu kurz gegriffen. Wir vermissen eine differenzierte Betrachtung, eine Debatte über Fragen, die sich jenseits von Infektions- und Inzidenzzahlen stellen.

Was machen die Kontaktbeschränkungen mit uns Menschen?

Was passiert mit uns, wenn wir hinter der Maske das Lächeln unseres Gegenübers nicht mehr sehen, wenn seine Haltung nicht mehr zu deuten ist?

Was können wir einer grassierenden (Un-)Kultur des Misstrauens entgegensetzen?

Wie können wir mit dem permanenten Zurückgeworfensein angesichts unserer fortwährenden Perspektivlosigkeit leben?

Müssen wir mehr Ansteckungsrisiko in Kauf nehmen, um unser Menschsein nicht zu verlieren? Wie gehen wir mit dem Dilemma um: Freiheit oder Sicherheit?

Warum spielen Kunst und Kultur in der gegenwärtigen politischen Debatte so eine untergeordnete Rolle?

Und nicht zuletzt: Könnte der eigenverantwortliche Besuch von Konzerten und Theater – selbstverständlich unter Einhaltung strengster Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen und Testungen – nicht einen wertvollen Beitrag leisten, zur individuellen Bewältigung der Krise?

Wir unterschätzen die Herausforderungen der weltweiten Pandemie keineswegs, aber kritisches Hinterfragen, Zweifel und Selbstkritik sind für einen adäquaten Umgang mit naturwissenschaftlichen, psychologischen und schwierigen moralisch-ethischen Fragen unerlässlich.

Theater ist auch ein Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen: Was ist Ihnen wichtig in Coronazeiten? – Machen Sie mit, wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

 

Caspar Sawade
Geschäftsführender Theaterdirektor
Stefan Vladar
Generalmusik- und Operndirektor
Pit Holzwarth
Schauspieldirektor
Jennifer Toelstede
Ensemblesprecherin Musiktheater
Rachel Behringer
Ensemblesprecherin Schauspiel
Therese Meinig
Chorvorstand