Haus der Antikörper

als Kunstfilm im Streaming

Premiere 06/06/20, 20.00 Uhr | www.haus-der-antikoerper.de

 

Die ausgefallene Premiere »Haus der Antikörper« wird als Kunstfilm ab 06. Juni bis zum 19. Juli an verschiedenen Terminen als Streaming zu sehen sein, die Uraufführung wäre am 16. Mai in der Kulturwerft Gollan gewesen. »Haus der Antikörper« ist die Fortsetzung von Sivan Ben Yishais »DIE TONIGHT, LIVE FOREVER oder DAS PRINZIP NOSFERATU«, einer Zusammenarbeit von backsteinhaus produktion, Theater Lübeck und Theater Rampe. Das »Haus der Antikörper« war als Live-Performance auf fünf Simultanbühnen für ein zirkulierendes Publikum geplant. Durch den Einbruch des Corona-Virus und den Ausbruch einer Pandemie konnte dieses Konzept nicht umgesetzt werden. Vielmehr war es für alle geboten zu Hause zu bleiben und so verständigten sich die Beteiligten online. Unter Einfluss der geltenden Hygienestandards probten Tänzer:innen, Schauspieler:innen und Musiker:innen in ihren Wohnungen in Stuttgart, Antwerpen, Richmond, Marseille, Berlin, Weinstadt, München und Hamburg sowie im Theater Rampe. Mit ihren Mobiltelefonen, teils mit Unterstützung ihrer jeweiligen häuslichen Gemeinschaften, drehten sie viele Szenen selbst. So entstand das virtuelle »Haus der Antikörper«.

Was, wenn ein Virus nicht nur der schwere Befall eines Organismus wäre? Wenn er die Gesellschaft nicht in den Kollaps sondern aus ihm herausführte? Was, wenn dieser freundliche Besuch die Reanimation als Gastgeschenk mitbrächte und seine Ansteckung wie eine lang ersehnte Berührung wäre? Wenn das Virus süß schmeckte? Die Bewohner*innen des »Haus der Antikörper« deuten die Pandemie um und mutieren dank Virus in resistente Antikörper. Sie lassen sich erleichtert ein, wenn es krankmachende Normen und Gewohnheiten zersetzt. Dieses Virus bringt dem Organismus weder Krankheit noch Tod, sondern – ganz im Gegenteil - Heilung. Diese Pandemie verhängt eine Quarantäne über die Gesellschaft, die vorangegangene Zeiten des Stillstands und der Isolation überwindet, und den Start in eine schöne neue Welt bedeutet. Ein Double Feature aus zwei Filmen erzählt vom Einbruch des Virus in alle Räume und Organe des »Haus der Antikörper«.

In »COCOONING /kəˈkuːnɪŋ/« (Tanz- und Konzertfilm) bringt das Virus sein süßes Gastgeschenk in den Keller, wo eine Niere bis dahin einsame Schwerarbeit leistet. Im Badezimmer ringt die erschöpfte Lunge gerade noch um Luft und im Wohnbereich hält sich ein Uterus stets empfangsbereit. Das Herz pocht überall und gibt den anschwellenden Rhythmus einer Wiederbelebung vor. Von Raum zu Raum und Organ zu Organ stößt das Virus Türen auf und Zirkulation an.

In »PANDEMIE – EINE WIEDERGÄNGERIN« (Theaterfilm) führt das Virus eine Ärztin und einen Patienten im weitläufigen Labyrinth der Bühnenräume des »Haus der Antikörper« zusammen. In gemeinsamer Quarantäne geben sie sich allen Phasen der Untersuchung, Diagnose, Aufklärung, Behandlung und entsprechenden Wechselwirkungen hin. Aus gegenseitiger Ansteckung, Immunisierung, Gefährdung und Heilung erwächst das Modell einer eigensinnigen, widerständigen und stolzen Gemeinschaft.

Ein Theaterfilm von Marie Bues, Niko Eleftheriadis, Marie Ulbricht, Annatina Huwiler und Luise Heiderhoff
Premiere 06. Juni, 20.00 – 00.00 Uhr

Weitere Streaming-Termine auf www.haus-der-antikoerper.de:
07. Juni, 18.00 – 00.00 Uhr
09., 10., 12., 16., 17., 19., 23. – 27. Juni, 20.00 – 00.00 Uhr
28. Juni, 18.00 – 00.00 Uhr
30. Juni, 20.00 – 00.00 Uhr
01., 05., 07. – 11. Juli, 20.00 – 00.00 Uhr
12. Juli, 18.00 – 00.00 Uhr
14. – 18. Juli, 20.00 – 00.00 Uhr
19. Juli, 18.00  – 00.00 Uhr

 

Pressestimmen

»Unter der Regie von Marie Bues finden der fragmentarische Text von Natascha Gangl und eine gestochen scharfe Bildsprache punktgenau zusammen […].Der Film ist eine vielleicht notwendige persönliche Ergänzung zum unterkühlten Gesellschaftsbild aus ›Pandemie – Eine Wiedergängerin‹ . Während ein auch hier vager Rahmen die Tänzer:innen als Organe eines Großkörpers einführt, verschwimmt diese Verortung bald hinter der brutzelnden Entladung aufgestauter Energie. Es gilt tatsächlich für alle vier, dass sie auf engstem Raum extreme Spannung aufbauen und zum Ausbruch bringen, wenn etwa Chloé Beillevaire in ihrer nicht besonders großen Badewanne wie in einer bis unter die Decke gekachelten Zelle zittert, sich windet und sich wie geschraubt zum Hahn des Waschbeckens hinquält. Auch hier entstehen widersprüchliche Bilder zwischen totaler Ruhe und extremer Aufgewühltheit. Aus allem schreit die Frage, was das mit uns macht: das Eingesperrt-Sein mit uns selbst. Selbst als die vier gegen Ende in Stopmotion in Zuckerwatte gewickelt werden, um schließlich gemeinsam als monströse, klebrige Kugeln einen bewaldeten Hang hinunter zu rollen, wird noch diskutiert: Ist diese unsere einsame Transformation nun ›ein besonderer Moment‹ , gar eine ›Umarmung des Universums« - oder einfach nur ekelhaft? Keine Ahnung. Dass es aber irgendwie weitergeht, beweist ›Haus der Antikörper‹ unter widrigen Bedingungen, mit zuweilen sicherlich bedrückender Aktualität noch mit beachtlichem ästhetischen Überschuss.« (nachtkritik)