Theaterleitung

Grußworte

Christian Schwandt  Geschäftsführender Theaterdirektor

Christian Schwandt
Foto: Olaf Malzahn

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freundes des Theaters und Orchesters,

mit Beginn der Spielzeit 2019/20 wird Stefan Vladar Generalmusikdirektor der Hansestadt Lübeck. »Endlich!«, werden viele sagen. Nach einem langen Findungsprozess konnten wir diese vielleicht wichtigste Position am Theater Lübeck mit einem herausragenden Künstler besetzen. Stefan Vladar tritt ein Amt an, das vor ihm Hermann Abendroth, Wilhelm Furtwängler oder Christoph von Dohnányi innegehabt haben und ich glaube, er kann mit seinen Vorgängern mithalten. Besonders erfreulich ist, dass Herr Vladar bereits zu Beginn der Spielzeit 2019/20 in Lübeck anfangen kann. Seine erste Opernpremiere ist »Rusalka« am 15. November 2019.

Die in Deutschland relativ unbekannte Oper »Christophe Colomb« von Darius Milhaud liegt der Leitung des Musiktheaters in dieser Spielzeit besonders am Herzen. Premiere ist am 12. Oktober 2019.

Besonders dankbar bin ich dem Ballett des Theaters Kiel, das mit »La Sylphide« von August Bournonville die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre fortsetzt. Mit »La Sylphide« kommen die Freunde des klassischen Balletts voll auf ihre Kosten. Der Abend wird in einer historischen Choreographie aufgeführt und war in Kiel bei Zuschauern und Kritikern ein Überraschungserfolg, von dem wir hoffen, dass er auf das Lübecker Publikum überspringt.

Im Übrigen werden die Spielpläne des Musiktheaters und des Schauspiels durch großzügig von der Bundeskulturstiftung unterstützte Produktionen des Programms Doppelpass geprägt. Beim Musiktheater sind das »L'Européenne«, eine Film-Oper von Richard van Schoor, und »L'Africaine«, eine Grand opéra von Giacomo Meyerbeer. Das Schauspiel verbindet sich nach dem »Prinzip Nosferatu« erneut mit zeitgenössischem Tanz und eröffnet in der Kulturwerft Gollan das »Haus der Antikörper«.

Der Spielplan des Schauspiels ist auch dieses Jahr wieder voller Überraschungen: Neben zeitgenössischen Dramen stehen Klassiker. Schauspieldirektor Pit Holzwarth und die britische Regisseurin Lily Sykes geben einmal mehr ihrer großen Liebe zu William Shakespeare nach.

»Game of Crowns 1 und 2« collagieren die Königsdramen über die Rosenkriege und ihre Vorgeschichte, wir werden erfahren: Jede auch nur denkbare politische Intrige ist bereits von William Shakespeare künstlerisch gestaltet worden. Seine Untersuchung von Herrschaftsmodellen, Populismus und der Interaktion von Politik und öffentlicher Meinung bleibt aktuell.

Ob sich der überragende Erfolg des letztjährigen Weihnachtsmärchens »Ronja Räubertochter« wiederholen lässt, weiß natürlich niemand am Theater Lübeck. Aber mit »Tintenherz« von Cornelia Funke haben wir ein Stück, das allen jugendlichen und erwachsenen Zuschauerinnen und Zuschauern eine spannende, mitreißende Geschichte erzählt.

Wir freuen uns mit Ihnen gemeinsam auf eine spannende Saison. Bitte bleiben Sie uns auch weiterhin gewogen!

Ihr
Christian Schwandt
Geschäftsführender Theaterdirektor

 

Dr. Katharina Kost-Tolmein  Operndirektorin

Dr. Kathariana Kost-Tolmein
Foto: Marlène Meyer-Dunker

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit ich 2013/14 die Operndirektion am Theater Lübeck übernommen habe, haben wir ein weites Spektrum von Musiktheater, teils zu Ihrer Begeisterung, teils begleitet von leidenschaftlichen Diskussionen vor Ihnen ausgebreitet. In den kommenden Jahren laden wir Sie zu thematischen Entdeckungsreisen ein, die Aufschluss über andere, uns selbst und das Andere in uns selbst versprechen und wie immer unsere Liebe zum Musiktheater feiern. Schon in den Vorbereitungen sind wir in der Stadt auf überwältigende Unterstützung seitens der Kolleg*innen in den Lübecker Museen und der Stadtbibliothek gestoßen. Dafür bedanke ich mich auch im Namen meines Stellvertreters Carsten Jenß sehr herzlich! Erste Eindrücke von Begegnungen, die zwischen Ensemblemitgliedern und Expert*innen, Exponaten sowie Räumen begonnen haben, können Sie den Seiten dieses Spielzeitheftes entnehmen.

Verstecken und Zeigen sei Theatralität, lautet die Antwort des französischen Philosophen Jean-François Lyotard auf die ewige Frage, was unsere Kunstform ausmache. Verborgenes sichtbar machen, und zwar mittels Verhüllungen wie Schminke und Kostümierung - diese Paradoxien gehören zum Theater, wie es in Europa seit der Antike als Werkzeug nicht nur der Demokratie wirksam ist und in vielen Kulturen der Welt Leben und Kunst durchzieht. Sein wunderbarer Illusions- und Desillusionsapparat fragt: Wenn ich mir eine Maske vors Gesicht halte, bin ich dann noch dieselbe? Wenn ich sie abnehme, enthülle ich dann mein wahres Ich? Wo beginnt die Kostümierung und wo endet das Selbst?

Anhand eines Programms, das kulturelle Identitäten zwischen den Kontinenten Afrika, Europa und Amerika beleuchtet, bieten wir Ihnen an, sich an diesem erkenntnisreichen Spiel zu beteiligen, zu freuen und im besten Sinne darüber zu wundern. Figuren wie Tangostar alias Stadtheilige María de Buenos Aires, Seefahrer Christoph Kolumbus, Azteken-König Montezuma, Sylphide und Rusalka im Land der Menschen, Europäerin und Afrikanerin und der Genueser Doge Simon Boccanegra bieten Anlässe zur Musik, zur Darstellung, zur Betrachtung - zum Zeigen, Verstecken und Wiederenthüllen. Wer unter Ihnen des Tango-Tanzens mächtig ist, weiß um den besonderen Schwebezustand, aus dem heraus eine Bewegung in jede Richtung möglich ist, ohne dass die Balance des Augenblicks gefährdet ist. Begeben Sie sich mit uns aufs Parkett und genießen Sie die Lebendigkeit, die sich einstellt, wenn man in jedem Moment mit allem rechnen darf und die größte Überraschung zur größten Erfüllung wird. Wir freuen uns auf Sie!

Ihre
Dr. Katharina Kost-Tolmein
Operndirektorin

 

Pit Holzwarth  Schauspieldirektor

Pit Holzwarth
Foto: Marlène Meyer-Dunker

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrtes Publikum,

der Publikumszuspruch im Schauspiel in der letzten Spielzeit war riesig und Ihr Vertrauen großartig, dafür möchten wir Ihnen zuallererst ganz herzlich danken! Ihre Offenheit und Neugierde haben uns durch die Spielzeit getragen. Ganz wesentlich für die künstlerische Qualität, die wir mit unseren Inszenierungen entfalten können, sind die Menschen, die hinter der Bühne für unser gemeinsames Ziel arbeiten. Gemeinsam mit der Fotografin Marlene Meyer-Dunker sind unsere Schauspieler*innen in einen visuellen Dialog mit einigen Vertreter*innen der verschiedenen Abteilungen des Theaters getreten. Mit den Ensemblefotos möchten wir die Begegnungen mit Ihnen teilen und Ihnen einen Blick in die Welt des Theaters ermöglichen.

In der neuen Spielzeit beschäftigen wir uns mit transitorischen Situationen, Schwellenzuständen, Übergängen und Bruchstellen in der Gegenwart. Wie sind wir geworden, wer wir sind? Diese große Frage können wir natürlich nicht auf der Bühne beantworten, aber wir können sie mit bestimmten Themen und den Mitteln des Theaters exemplarisch beleuchten. In transitorischen Situationen wachsen Verlustängste und Verunsicherungen. Es werden goldene, homogene, rückwärtsgewandte Gesellschaften, die es so nie gegeben hat, behauptet und erträumt. Große Veränderungen sind erst mit Blick auf die Vergangenheit zu verstehen. Mit den Stücken unseres neuen Spielplans suchen wir nach den Umbrüchen, die Auswirkungen auf unsere Gegenwart haben. Die beiden zeitgenössischen Dramen »Vor Sonnenaufgang« und »Engel in Amerika« thematisieren, wie plötzliche Einschnitte und Umbrüche in Familien und Liebesbeziehungen die Menschen zu Antworten zwingen, die sie nicht länger übersehen können und wollen. Mit der Musikproduktion »Alice« im Großen Haus werden Wahrnehmungsverschiebungen, Irritation und surreale Traumvorstellungen erzählt und durch die Kompositionen von Tom Waits kongenial begleitet. Die Uraufführung »Nosferatu - Haus der Antikörper« geht unter die Haut: Tänzer*innen und Schauspieler*innen untersuchen gesellschaftliche Blutbahnen in der Kulturwerft Gollan. Da ich Ihnen hier nicht alle Produktionen vorstellen kann, möchte ich Sie noch auf die »Vögel« von Wajdi Mouawad aufmerksam machen. Er ist einer der spannendsten Gegenwartsdramatiker und sein neues Stück führt Sie sinnlich und direkt in die komplexe Welt des palästinensisch-israelischen Konflikts mit phantastisch geschriebenen Theaterfiguren und berührenden Auseinandersetzungen über Identität, Liebe und Wahrheit. Spannende Aufführungen und kontroverse Diskussionen erwarten Sie!

Ihr
Pit Holzwarth
Schauspieldirektor

 

Stefan Vladar  Generalmusikdirektor

Stefan Vladar
Foto: Olaf Malzahn

Liebe Musikfreunde, liebe Freunde des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck, liebes Publikum,

Als neuer Generalmusikdirektor erfüllt es mich mit großer Freude, Ihnen mein erstes Konzertprogramm für die Saison 2019/20 vorstellen zu dürfen. Thematischer Ausgangspunkt war der Gedanke, Hauptthemen der kommenden Spielzeit in ein Konzertprogramm einfließen zu lassen, das naturgemäß abstrakter und inhaltlich elastischer sein muss als ein Spielplan am Theater bzw. Musiktheater.

Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag wir 2020 mit der Aufführung sämtlicher Sinfonien über zwei Saisons verteilt feiern werden, schrieb in seinem Heiligenstädter Testament: »Wie ein Verbannter muss ich leben.« Damit benennt er ein Gefühl der Fremdheit, das er nicht zuletzt wegen seiner fortschreitenden Taubheit auch seinen Nächsten gegenüber empfand. Um ihn und zwei weitere Komponisten, die in anderer Art ebenfalls soziale Isolation erfuhren, ohne ihr gewohntes Umfeld zu verlassen, rankt sich der Konzertspielplan: Gustav Mahler und Dmitri Schostakowitsch.

Mahlers monumentale 2. Sinfonie, die »Auferstehungssinfonie «, wird mein Einstand in meiner neuen Funktion sein. Gustav Mahler ist einerseits geprägt durch den Zwiespalt der nach außen gerichteten Figur des Dirigenten und Operndirektors und andererseits durch den um eine neue Tonsprache ringenden, in sich gekehrten Komponisten. Dmitri Schostakowitschs Musik ist stark von Mahler beeinflusst. Auf ihn scheint der politische Begriff der »inneren Emigration« in seiner Stellung im und zum System der Stalinzeit passend zu sein. Wohl kaum ein anderer Komponist hat je mit seinem Werk so direkt auf die Umstände seiner Zeit reagiert; von Mstislaw Rostropowitsch stammt gar die Bezeichnung »Geheimgeschichte Russlands« für dessen Schaffen.

Ich freue mich, dass es gelungen ist, große Solisten nach Lübeck verpflichten zu können, wie etwa den legendären Mischa Maisky, der Schostakowitschs berühmtes 1. Cellokonzert spielen wird, aber auch Angelika Kirchschlager, Benjamin Schmid oder etwa den jungen Hornisten Felix Klieser.

Ich hoffe, mit meinem ersten Konzertprogramm viele Lübecker Musikfreunde ansprechen zu können und freue mich auf große Musik und wunderbare Begegnungen!

Ihre
Stefan Vladar
Generalmusikdirektor