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Hamlet
»Bereit sein ist alles.
Wenn keiner weiß, was er verlässt,
kann er es da nicht gleich verlassen?«



Die Welt ist aus den Fugen. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Von der Auflösung aller Kategorien, moralischer wie gesellschaftlicher, spiritueller wie machtpolitischer, handelt die Tragödie vom Dänenprinzen, der wohl bekanntesten Figur der Weltliteratur. Hamlet ist Student in Wittenberg. Er erfährt, dass sein Vater gestorben ist, und reist zur Beerdigung zurück in seine Heimat Dänemark. Doch was er dort vorfindet, erschüttert ihn bis ins Mark: Sein Onkel Claudius hat nicht nur den Thron usurpiert, sondern auch die Hand der Königswitwe Gertrud erobert. Als Hamlet der Geist seines toten Vaters erscheint, wird sein idealistisches Weltbild vollends zerstört. Dieser nämlich verrät Hamlet, er sei von Claudius hinterrücks ermordet worden, und fordert ihn zur Rache auf. Doch Hamlets Hass auf den Onkel wird durch Misstrauen gehemmt. Er will den letzten Beweis. Von einer Theateraufführung vor Claudius und Gertrud erhofft sich Hamlet endgültig Klarheit. Sein Hunger nach Wahrheit fordert bald das erste Opfer. Er stößt seine Geliebte Ophelia von sich und treibt sie in den Selbstmord. Ein wachsender Schatten von Wahnsinn und Blutdurst fällt auf Helsingör, den Königshof Dänemarks. Und von außen drängen fremde Mächte heran, die das Machtvakuum im Inneren zu nutzen wissen. Das Charisma Hamlets droht seine Welt in Flammen zu setzen ...

Eine Welt ohne Gott. Eine Welt ohne Liebe. In diese Welt der mörderischen Politik pflanzt Shakespeare ein Familiendrama, das sich Schritt für Schritt in ein gewaltiges Drama des Denkens und der Ideen verwandelt. Die Krise des modernen Menschen erhält durch Hamlet ihren unsterblichen Ausdruck: Bevor dieser endgültig zum Mörder wird, reflektiert er das menschliche Dasein und erkennt es als flüchtigen Schein zwischen Wiege und Bahre. Die humanistischen Ideale Hamlets scheitern, und damit gerät die Tragödie des Dänenprinzen zum Drama unserer brüchigen Zivilisation. Einzig das Spiel, die Verkleidung, der Witz der Clowns bieten einen Ausweg aus dem Labyrinth der Niedertracht, in das die Figuren unweigerlich hineintaumeln.

Tod und Leben als sich berührende Sphären: dazwischen Geister, Spiegelungen, Erscheinungen. Andreas Nathusius (u. a. »Joseph und seine Brüder«, »Verbrennungen«, »Nathan der Weise«) zeigt in seiner Inszenierung das Leben als ständige Metamorphose und die Zivilisation am Rand des Kollaps. Die Theaterbühne wird zum Ort des kurzen Innehaltens zwischen Wimpernschlag und Wimpernschlag ...

Premiere
15/09/12

Großes Haus
Die Schöpfungswunde: Der Tumult des Denkens

Dauer 2 Stunden, 20 Minuten (keine Pause)

Inszenierung Andreas Nathusius
Bühne Annette Breuer
Kostüme Falk Bauer
Musik Felix Huber
Fechtmeisterin Frauke Franzke