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Hiob
»Sein Mund wird schweigen,
aber wenn er die Lippen auftun wird,
werden sie Gutes künden.«
Nach »Joseph und seine Brüder« eine neue Geschichte mit biblischem Hintergrund am Theater Lübeck: Joseph Roth zeigt eine längst verschwundene Welt und ihren Konflikt mit dem Geist des Kapitalismus. Dies ist das Drama einer ostjüdischen Familie in Russland.

Vater Mendel Singer ist orthodoxer Privatlehrer und hat mit seiner Frau Deborah vier Kinder. In ärmsten Verhältnissen wird gelebt, gelitten, geträumt: Sohn Schemarja desertiert vor dem Militärdienst und wandert in die USA aus, von nun an nennt er sich Sam. Mendels zweiter Sohn Jonas wird russischer Soldat im festen Glauben an gesellschaftlichen Aufstieg. Tochter Mirjam, leichtfertig und lebenslustig, lässt sich mit Kosaken ein und bereitet ihren Eltern schwerste Sorgen. Schließlich Menuchim, der Jüngste: epileptisch, unnahbar, scheinbar unfähig zu überleben. Sam überredet die Familie zur Auswanderung in die Neue Welt, doch das kranke Kind, den »Idioten«, dürfen sie nicht mitnehmen. Also lassen sie ihn zurück. Amerika lockt mit seiner Verheißung vom menschengemachten Glück. New York, leuchtende Werbeflächen, tosende Häuserschluchten: Die Utopie scheint Wirklichkeit geworden. Doch den Verrat an Menuchim kann Mendel nicht verwinden. Die Weltpolitik holt die zerbrechende Familie in der Sicherheit des Exils ein, als die beiden großen Söhne in den Krieg ziehen. Nichts bleibt. Und Mendel verflucht seinen Gott. Aber trotzdem besteht Grund zur Hoffnung: Leid, Entwurzelung und Gottesferne werden in Joseph Roths 1930 erschienenem Roman aufgehoben durch nichts Geringeres als das Wunder der Vergebung. Eine moderne Erlösungsgeschichte, denn Hiob darf endlich ausatmen …

Premiere
19/10/12

Kammerspiele
Aufbruch Amerika: Die Schwere des Glücks

Dauer 1 Stunde, 45 Minuten (keine Pause)

Inszenierung Marco Štorman
Bühne Anna Rudolph, Dominik Steinmann
Kostüme Anika Marquardt
Musik Thorsten zum Felde
Choreographien David Winer-Mozes